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Aus den Memoiren einer Sängerin

Memoiren einer Sängerin 10

Erotischer Roman (Kapitel X)


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Alle Fassungen dieses Artikels:

Wilhelmine Schröder-Devrient, Aus den Memoiren einer Saengerin, Verlagsbureau, Altona, tome I, 1862 ; tome II, 1870.


X

Ich hatte mir vorgenommen, Arpad zu erobern, ohne daran zu denken, wie ich dies anstellen sollte.

Wenn es nichts Anderes gewesen wäre, als ihn zu verführen, so lag darin keine Schwierigkeit, doch gab es hierbei so manches zu berücksichtigen, und ich sah die Gefahr erst, als Herr von R ... uns allein ließ. Bei Arpad war es noch gefährlicher und schwieriger als bei jedem andern, denn ich konnte mir denken, daß bei einem so jungen Burschen, wenn einmal seine Begierden aufgestachelt wären und ich ihm den Eingang zum Besitz des allerhöchsten Gutes, welches eine Frau einem Manne gewähren und dieser sich wünschen kann, zeigte, es unmöglich sein würde, seine Leidenschaft zu zügeln, ja für mich Herrin meiner selbst zu bleiben. Dieser junge Mann, das sah ich, war nicht so wie mein Begleiter beim Gesang, Franzl, es gewesen, bei dem ich stets sagen durfte, bis hierher und nicht weiter, ein Mensch zur Untätigkeit und zum Gehorsam dressiert, wie der Mops meiner Tante. Wie leicht konnte da ein Unglück geschehen, und wieviel riskierte ich, wenn ich gleich im ersten Jahr meines Engagements einen Schritt tat, der für meine ganze theatralische Karriere von unabsehbarer Tragweite gewesen wäre. Außerdem kannte ich Arpad noch viel zu wenig, um von seiner Diskretion überzeugt zu sein.

Solche jungen Menschen prahlen gern mit ihren Eroberungen, ja selbst, wenn sie dies nicht tun, war es zu verhindern, daß eins von uns sich verriet, durch Blicke, ein voreilig ausgesprochenes Wort, oder daß uns jemand bespähete?

Hätte ich die Ungarn und Ungarinnen so gekannt, wie ich sie später kennenlernte, meine Bedenken wären vielleicht nicht so groß gewesen, ich kam aber aus Frankfurt, wo man viel strenger in der Beurteilung der Aufführung einer Frau ist, als hier in Ungarn, wo es zum bon Ton gehört, etwas leichtfertig zu sein, zumal unter den Schauspielerinnen.

Mein Herz pochte so gewaltig, als mich Herr von R ... allein mit seinem Neffen ließ, daß ich kaum sprechen konnte, so schnürten die Empfindungen, die mein Inneres durchwühlten, meine Kehle zusammen. Ich war, das fühlte ich, in Arpad verliebt. Ach, hätte ich ihm die Gefühle einflößen können, die ich für ihn empfand! Es waren nicht nur Begierden, es war das, worüber ich gelesen, die reine ätherische Liebe, Ich hätte stundenlang an seiner Seite sitzen und ihn betrachten, seine Stimme hören wollen; schon das würde mich unaussprechlich glücklich gemacht haben.

Ich will aber nicht bei der Beschreibung meiner Empfindungen verweilen, ich fühle nicht die Kraft in mir, dies zu tun; dazu gehört eine geübtere Feder, und ich war niemals so anmaßend, mich für eine große Schriftstellerin zu halten; ich habe es nicht weiter gebracht, als zu einer orthographischen und grammatischen Schreibweise, der Stil und die Regeln der Rhetorik blieben für mich immer etwas, was als Fata Morgana vor mir glänzte, ohne daß ich sie erreichen konnte.

Nachdem sich der Oheim Arpads entfernt, brachte mir der Aufwärter im Hotel zur »Königin von England«, wo ich einstweilen abgestiegen war, ehe ich die Jahreswohnung mietete, die Nachmittagskollation, bestehend aus Kaffee mit Schlagsahne und in Eis gekühlt, eine Haselnußtorte, Obst, nämlich Wasser- und Zuckermelonen, und Eispunsch. Ich hatte es dem Oberkellner überlassen, und wir erhielten nur kühlende Speisen. Wenn man in Ungarn so lebt, dann ist es kein Wunder, daß man so leicht krank wird, dachte ich mir. Ich ließ Arpad sich an meine Seite setzen, und da es gar so heiß war, trotzdem die Jalousien alle geschlossen waren, so hatte ich sogar das leichte Seidenhalstuch, welches meinen Nacken und meine Brust bedeckte, fallen gelassen, und Arpad gewann dadurch Einsicht auf die Rundung meiner beiden Milchhügel, die er anfangs nur verstohlenerweise aus den Winkeln seiner Augen zu betrachten wagte; als er aber wahrnahm, daß ich ihm diese Wollust nicht verwehrte, neigte er sich zuweilen auch näher zu mir, und seine Augen blieben fest darauf gebannt. Er seufzte und seine Stimme zitterte. Als ich ihm das Glas mit dem Eiskaffee reichte, berührten meine Finger die seinigen, und wir beide hielten das Glas einige Sekunden, ohne es niederzustellen. Ich fing an, das Nahen meiner Niederlage zu fühlen und sträubte mich nur noch schwach dagegen. Auch meinen Körper durchrieselte ein schwaches Frösteln, ich versank in träumerisches Hinbrüten, und unsere Unterhaltung geriet ins Stocken. Ich lehnte mich im Kanapee zurück, meine Lider fielen zu, meine Sinne trübten sich, und ich glaubte in Ohnmacht fallen zu müssen. Ich mußte die Farbe geändert haben, denn Arpad fragte mich im Tone der Besorgnis, ob ich mich auch wohl befinde. Ich raffte mich wieder auf und dankte ihm mit einem Händedruck, den wir dadurch verlängerten, daß ich ihm meine Linke ganz überließ, er erfaßte sie mit beiden Händen und blickte mich an. Sein Gesicht glühte, und ich glaubte, alle Knöpfe seiner Weste müßten aufspringen, so sehr blähte sich seine Brust.

Sollten die Präliminarien noch lange währen? Er war viel zu schüchtern, um die Vorteile zu benutzen, die er nicht einmal erkannte; ein Roué würde sie ganz anders benützt haben, wer weiß aber, ob ein Roué es bei mir bis dahin gebracht hätte? Vor einem solchen würde ich mich gehütet haben, meine Gefühle zu verraten.

Diese Lage war mir aber peinlich, und ich nahm mir vor, mich aus derselben herauszureißen. Ich erinnerte Arpad daran, was sein Oheim ihm aufgetragen, daß er mich in der Stadt herumführen sollte. Ich schellte, und der Lohnbediente trat ins Zimmer. Ich befahl ihm, er möchte eine Mietskutsche holen.

»Die Equipage des Barons v. D. ... steht unten vor dem Tore«, entgegnete der Lohndiener. »Er hat sie hierher geschickt, sie steht zu Ihren Diensten.«

Das war galant. Ich hatte den Baron seit meiner Ankunft noch nicht gesehen, ich hatte vergessen, ihm meine Karte zu schicken und dennoch diese Aufmerksamkeit. Ich fühlte mich beschämt und nahm mir vor, zuerst nach seiner Wohnung zu fahren und meine Karte dort zu lassen. Arpad sagte mir, ich würde ihn jetzt ohnehin nicht zu Hause antreffen. Wir fuhren dahin, dann hinüber nach Ofen und wieder zurück nach dem Stadtwäldchen, einer Art Park, ziemlich geschmacklos angelegt, mit einem Teiche, auf welchem es einige Kähne gibt. Ich fragte Arpad, ob es von hier sehr weit nach dem Hotel der »Königin von England« sei. Er antwortete: »Etwa eine halbe Stunde.«

»Ich will den Wagen zurückschicken, und wir lustwandeln hier, solange es uns gefällig ist. Werden Sie nicht ermüden?« fragte ich Arpad.

»Wenn es bis morgen früh sein sollte, so würde ich auch nicht ermüden.«

Ich lächelte und dachte an eine andere Art von Ermüdung.

Die Pester besuchen diesen Platz nur bei Tageszeit, sobald die Sonne untergeht, strömt wieder alles der Stadt zu. Ich hatte von dieser nur zu viel gehabt, denn ich schluckte eine große Menge Staub, da Pest die staubigste Stadt ist, die ich je gesehen, weil der Boden rund um Pest eine ungeheure Sandwüste ist, so daß der geringste Wind solche Staubwolken in die Stadt bringt, wie diejenigen in der Bucharei oder in Afrika. Es tat mir wohl, einen Platz gefunden zu haben, wo es davon weniger gab, da mußten wir uns aber immer auf den Rasenplätzen herumtummeln oder nach einer Insel gehen, auf welche eine schmale Drahtbrücke, bloß für Fußgänger eingerichtet, führte. Ich hing mich an Arpads Arm, und er führte mich nach einer Restauration, wo es noch offen war. Ich fragte, wie lange es hier offen bliebe, und erhielt zur Antwort, daß man um 9 Uhr schlösse und um 4 Uhr des Morgens wiederum öffnete. Arpad riet mir, ich sollte mich auf den Rückweg machen, denn das Stadtwäldchen sei bei Nacht ein Ort, wo es nicht ganz sicher ist, man hätte hier erst kürzlich jemand umgebracht.

»Sie haben doch keine Furcht, lieber Arpad?« fragte ich ihn. Ich nannte ihn bereits beim Taufnamen, so wie er mich auch so nannte, weil wir schon ziemlich vertraut miteinander waren. Ich hatte ihn beichten lassen, nötigte ihn zu Geständnissen, und er schwur mir bei den Sternen und dem dunkelblauen Himmel, daß er sich schon in Frankfurt in mich verliebt. Er schwärmte und phantasierte, wie ein Jüngling von poetischem Gemüt es nur tun konnte. Er drückte und küßte meine Hände, und als wir auf die Insel kamen, fiel er mir zu Füßen und sagte, er betete den Boden an, den ich beträte, und flehte mich an, ihm zu erlauben, daß er meine Füße küssen dürfte. Ich bog mich zu ihm herab, küßte seine Locken, seine Stirn und Augen, er faßte mich um den Leib und barg seinen Kopf – erraten Sie wohin? – in die Nähe des Punktes, nach welchem alle Männer streben; obschon von einer neidischen Hülle von Mousselin, von Röcken und der Leinwand des Hemdes bedeckt, schien er ihn zu berauschen, er ergriff meine Rechte und führte sie unter seine Weste in die Gegend seines Herzens. Es pochte und hämmerte ebenso stark wie das meinige, mein rechtes Knie aber kam mit einem Teile seines Beinkleides in Berührung, wo ich auf etwas Hartes stieß, was bei der Berührung mit meinem Knie noch steifer und größer wurde, so daß ich glaubte, es müßte sein ohnehin enges Beinkleid sprengen.

Es war 11 Uhr, als wir noch immer auf der Insel uns befanden, wir hielten uns umarmt, ich legte mei nen rechten Schenkel über seine Knie. Er wagte es endlich, seine Rechte bis an den Saum meines Kleides hinabgleiten zu lassen, spielte anfangs an den Schnüren meiner Stiefelchen, glitt etwas weiter hinauf, bis an das Strumpfband, bis er endlich mit seiner unbehandschuhten Hand meinen nackten Schenkel berührte. Ich war bei der ersten Berührung schon wie außer mir. Unsere Lippen klebten aneinander, ich sog an den seinigen und fuhr mit meiner Zunge zwischen seine Zähne, bis ich auch seiner Zunge begegnete. Es schien, als wollte er sie schlucken, so sehr schlürfte er daran.

Ich weiß nicht einmal, wie es kam, daß ich plötzlich seinen Szepter in der Hand hielt und so fest zusammendrückte, als wollte ich ihn brechen; er war mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand ebenfalls an meine Lippenspalte gekommen, die vorstehende kleine Erhöhung ganz oben war sehr feucht, und er spielte daran, was mich beinahe bis zur Raserei brachte.

Es war nicht Übung in solchem Minnespiel, denn er gestand mir später, den Unterschied zwischen dem Liebesköcher und dem Amorpfeil – unseren Geschlechtsteilen – nicht gekannt zu haben, sondern Instinkt, der ihn leitete. Während sein Daumen und Zeigefinger oben am Kitzler spielte, waren seine drei anderen Finger weiter hinabgekommen und hatten den Eingang offen gefunden, das Innere heiß, als wenn glühende Lava darin brannte.

Mir vergingen die Sinne, der Kitzel war zu stark, ich mußte meine Lider senken. Da erblickte ich die herrlich geschwungene Rute, gleich dem Horn eines Stiers sich bäumend. Ich bewegte die Haut nicht, dennoch drang das stolze, purpurfarbige Haupt heraus. Ich spürte, wie es zuckte, und einen elektrischen Schlag in meiner hohlen Hand, die den Kanal berührte, durch welchen der Lebenssaft dringt. Wie der Strahl eines Springbrunnens, so spritzte der milchweiße Saft in die Höhe, mein Mund war offen, da ich nach Luft schnappte, so daß ich alles erhielt, was sich aus seinen Nieren ergossen. In eben diesem Augenblicke fühlte ich, daß es auch bei mir übersprudelte, und es war ein solcher Erguß, daß er seine ganze hohle Hand füllte, als hätte er damit aus einer Quelle Wasser geschöpft. Rasch zog er sie unter den Röcken hervor und verschluckte alles, was darin war, ja, er leckte noch die Ränder seiner Hand und zwischen seinen Fingern mit der Zunge ab. Wie erwähnt, hatte ihn das niemand gelehrt, die Natur war seine alleinige Lehrmeisterin, und er folgte ihren Eingebungen.

Diesem ersten beiderseitigen Ergüsse folgte seinerseits keine Erschlaffung, so wie auch in mir ein verzehrendes Feuer brannte, welches mich zu weiteren Genüssen trieb. Wir beide schienen darüber nachzudenken, wie wir es anstellen sollten. Die Vernunft hatte über mich jede Macht verloren. Ich bedachte nichts mehr. Hätte mir jemand gesagt, welche Schande meiner harrte, daß ich schwanger werden, entbinden und bei der Entbindung sterben würde, wären Menschen dazu gekommen und hätte ich gesehen, daß sie uns betrachteten, ich würde weiter fortgefahren sein im Liebesspiel, ich hätte mein Glück ausgeschrien, ich würde keine Scham empfunden haben, so sehr war ich zur Sklavin meiner Begierden geworden.

Diese Exstase währte einige Minuten nach dem Höhepunkt der Wollust, die uns das beiderseitige Ausspritzen unseres Nektars verursacht hatte. Auch später wurden die Begierden bei uns nicht gedämpft, bei mir nahmen sie noch von Sekunde zu Sekunde zu. Und bei ihm war es ebenso.

Meine Augen schweiften herum, von seinem Gesichte auf seinen sich immer noch stolz blähenden Speer, von diesem weiter nach den umherstehenden leblosen Gegenständen, bis an den glatten Wasserspiegel, der nur stellenweise von den Gesträuchern gleichwie gesprenkelt aussah. Das Licht des Mondes spiegelte sich im Wasser, welches hier und da, wenn ein Fischlein aufsprang, an einzelnen Punkten sich zu kräuseln schien. Wie erfrischend und gleichzeitig wollüstig müßte ein Bad sein an der Seite Arpads. Ich war eine gute Schwimmerin, ich hatte in Frankfurt Unterricht darin genommen und wäre imstande gewesen, den Main oder selbst die Donau ihrer Breite nach durchzuschwimmen.

Arpad erriet meine Gedanken und flüsterte mir in die Ohren: »Wolltest Du mit mir in diesem Teiche baden? Es ist keine Gefahr dabei. Jetzt kommt niemand hierher. Die Leute in der Restauration schlafen schon seit Stunden.«

»Du hast mir aber davon gesprochen, daß es hier so unsicher ist«, sagte ich, »daß man erst kürzlich jemand hier umgebracht. Sonst möchte ich wohl.«

»Ängstige Dich nicht, geliebter Engel. Dies ist noch der sicherste Platz«, entgegnete er, »weiter nach der Stadt zu, in der Platanenallee, welche nach der Königsgasse führt, zwischen den einzelnen Villen, dort ist es nur gefährlich.«

»Was wird man aber im Hotel sagen, wenn wir so spät zurückkehren?«

»Die Tore des Hotels bleiben die ganze Nacht offen, der Portier schläft in seiner Loge. Du weißt doch, welche Nummer Du bewohnst. Möglich, daß das Stubenmädchen den Zimmerschlüssel stecken gelassen, dies geschieht öfters. Wir wollen schon sehen, und eine Ausrede für ein spätes Nachhausekommen ist bald gefunden. Ich selbst nehme mir sehr oft ein Zimmer in diesem Hotel, wenn ich den Hausmeister meines Onkels nicht wecken will. Ich nehme den nächsten besten Schlüssel und tue, als wäre ich zu Hause, Dein Zimmernachbar ist heute ohnehin abgereist, seine Stube ist leer, dort quartiere ich mich ein.«

»Da Du mich beruhigst, so wollen wir es versuchen. Hilf mir beim Auskleiden, so wie ich es Dir tun will«, sagte ich. Er warf sogleich seine ungarische Mütze, seinen Schnürpelz und seine Weste von sich und half mir beim Aufnesteln meines Schnürleibes. Es währte keine drei Minuten und wir standen beide nackt im Mondenscheine.

Arpad mochte niemals ein nacktes Weib gesehen haben, das konnte man an allem sehen. Er zitterte am ganzen Leibe, kniete vor mir hin und fing an, jeden Fleck an meinem Körper zu küssen, von unten bis hinauf, vorn und von hinten, er sog an meinen Milchknöspchen, an dem Wollusttempel, er steckte die Zunge zwischen die Schamlefzen und kitzelte sie oben, soweit sie hineindringen konnte. Endlich riß ich mich von ihm los und sprang ins Wasser. Ich ging immer tiefer, bis ich endlich keinen Grund unter mir fühlte und schwimmen mußte. Arpad schwamm nur mit einer Hand, indem er auf der Seite lag, mit der anderen drückte er mich an sich, er tauchte manchmal unter, und ich fühlte seinen Lockenkopf, wie er herabglitt von meinen Brüsten bis an meinen Bauch und er berührte bald mit den Fingern, bald mit der Zunge den Sitz der Wollust. Wir kamen dann wiederum auf eine etwas seichtere Stelle, die Begierden trieben uns zur Vollendung des höchsten Genusses, und ich empfing resigniert in meinem Innern den Freudengeber, der aber manchmal zum Vernichter wird. Ich dachte einen Augenblick an die möglichen Folgen meiner Hingebung, ich hätte einen Dolch in seinen Händen sehen können und hätte ihm die Brust zum Durchbohren dargeboten. Seine Unerfahrenheit im Liebesgenuß machte es, daß er, noch ehe seine Keule in mich hineindrang, schon an die Krise gekommen war und sein Füllhorn sich entleerte, so daß der Saft an meinen Schenkeln herabfloß. Dies entmutigte ihn aber nicht, er drückte mich fester an sich, sein Atem ward kürzer, seine Finger drangen krampfhaft in mein Fleisch, seine Rute pausierte ein paar Augenblicke und zuckte zuweilen, dann aber fühlte ich, wie sie wiederum heißer, härter und größer wurde und mit einem energischen Stoß bis in die Tiefe drang, so daß ihr Kopf an den Muttermund stieß. Es wäre beinahe schmerzhaft gewesen, wenn es nicht gleichzeitig gar so wonnevoll war.

Diesmal dachte ich, müßte ich empfangen, der wollüstige Schauer durchzitterte alle meine Glieder ich fühlte ihn namentlich in den Hinterbacken, dann hinab bis in die Zehen. Bei mir öffneten sich die Schleusen und meine Quelle überfloß so reichlich, daß er – wie er mir später gestand – glaubte, es sei etwas anderes – daß ich ihn anspritzte. Eben dies reizte auch bei ihm den gleichen Kanal, und ich fühlte, wie ein heißer Strahl in mich drang und beinahe kein Ende nehmen wollte. Das konnte nicht eine Entleerung des Nierensaftes sein, um so weniger, weil er, nachdem dieser heiße Regen aufgehört, noch einige Minuten fortfuhr, mit seinem Amorszepter in meinem Innern zu rasen, während sich bei mir die Wollustquellen schlössen. Endlich brach auch bei ihm der elektrische Strom durch, und wir standen fest aneinander gepreßt auf einer Stelle, keines Wortes mächtig, gedankenlos in wollüstiges Hinbrüten versunken. Wenn es je einen Gedanken gab, der mir durch das Gehirn fuhr, so war es der, daß wir ewig so bleiben könnten, daß uns der Tod so überraschte. Dann wäre Sterben die höchste Seligkeit.

Der Wind trug die einzelnen Schläge vom Turm der Theresienkirche bis zu uns, es schlug Mitternacht, und ich mahnte Arpad, daß es die höchste Zeit sei, nach der Stadt zu gehen, wir könnten das Liebesspiel dort fortsetzen. Er gehorchte aufs erste Wort. Er war nicht so, wie Männer im allgemeinen sind, daß sie, wenn sie über uns gesiegt, keinen anderen als ihren Willen gelten lassen, er bat mich nur, ich möchte ihm erlauben, daß er mich wie ein Kind auf seinen Armen an das Ufer tragen dürfe. Er faßte mich unter das Gesäß, ich umschlang ihn mit meinen Armen, und er trug mich, als wäre ich noch so leicht gewesen, aus dem Teiche auf eine Holzbank, wo unsere Kleider lagen. Hier zog ich zuerst meine Strümpfe an, er aber schnürte meine Stiefletten unter fortwährendem Küssen meiner Knie und Waden zusammen, dann kleideten wir uns vollends an und gingen nach der Rondelle. Vor der bürgerlichen Schießstätte, gleich am Ausgange des Stadtwäldchens, stand eine Mietskutsche, der Kutscher saß auf dem Bock; Arpad fragte ihn, ob er uns für ein gutes Trinkgeld nach der Stadt fahren wolle. Er nannte ihm den Josefsplatz, denn er wollte nicht haben, daß der Fiaker wisse, wer ich sei und wo ich wohne, auch war ich vorsichtig genug, meinen Schleier über das Gesicht zu schlagen. Der Mann sagte, er wolle uns für einen Gulden in Silbermünze dahin bringen. Wir setzten uns in den Wagen, und der Kutscher trieb seine Pferde zum schnellsten Trabe an. Er hatte eine Partie junger Leute zur Schießstätte gebracht. Dort gab es ein Trinkgelage, man hatte den Fiaker auf Mitternacht bestellt, und er mußte sich sputen, um bald wiederum an Ort und Stelle zu sein.

Auf dem Josefsplatz hielten wir. Von hier war es schon sehr nahe bis zur »Königin von England«. Arpad ließ mich vorausgehen, bis er die Schlüssel holen würde. Ich ging hinauf und wartete vor meiner Zimmertür. Er war in wenigen Minuten bei mir, brachte aber nur einen Schlüssel, der Portier schlief nicht. Arpad hatte ihm gesagt, er habe mich nach Ofen geführt, wo er seine Tante angetroffen, der er mich vorgestellt, wir seien alle in den Horvathschen Garten gegangen und erst spät aufgebrochen. Nachdem er mich eingelassen, sagte er, er müßte jetzt wiederum fort, um den Portier zu täuschen, würde aber bei dem anderen Tor oder durch das Kaffeehaus, welches während der Marktzeit offen stand, heraufkommen, ohne daß es jemand merkte.

Ich fühlte etwas Müdigkeit. Die Stellung, die wir eingenommen, indem wir stehend den Liebeskampf durchfochten, hatte meine Beine ein wenig hergenommen, und ich sehnte mich nach Ruhe, doch wenn Arpad auf einem weiteren Liebesgenuß bestand, so wollte ich ihn ihm dennoch nicht versagen, dazu liebte ich ihn zu sehr, und ich war ihm dankbar für seine Liebe und jenes Vergnügen, welches er mir verschaffte.

Er kam, als ich schon im Bette lag. Auch er mußte schon ermattet sein, war es doch drei Mal geschehen, daß sein Springbrunnen sich ergoß, und ich riet ihm, seine Kräfte für das nächste Mal zu sparen. Ich sah es an seinem Gesichte, wie gern er geblieben wäre, doch war er delikat genug, nicht in mich zu dringen, und verließ mich, nachdem wir uns noch einmal herzlich umarmt und er noch einen Kuß auf die Lippen jenes Mundes gedrückt, der ihm so viel Vergnügen gemacht.

Ich will Ihnen alle die Liebeskämpfe – den Feldzug im Reiche Cytherens – nicht beschreiben, ich müßte zu sehr mein eigener Plagiator sein und in Wiederholungen verfallen, die Sie vielleicht langweilen könnten.

Arpad gestand mir, er habe in Frankfurt bei einem Antiquariatbuchhändler ein Buch gekauft: »Denkwürdigkeiten des Herrn von H ...«, aus welchem er die Theorie der Liebesgenüsse gelernt. Es ist ein großes Glück für ihn, setzte er hinzu, daß ich nach Ungarn kam, denn er stand schon mehrere Male auf dem Punkte, die Erstlinge seiner Manneskraft im Schöße einer Hetäre zu verlieren, nur die Furcht vor Ansteckung habe ihn abgehalten, daß er es noch nicht getan. Einer seiner Freunde soll sich in einem solchen Hause, wo der Göttin Venus die unsaubersten Opfer gebracht werden, eine schändliche Krankheit geholt haben, die er nicht los werden konnte.

Obschon ich am ersten Abend alle Vorsichtsmaßregeln, die ich sonst anzuwenden pflegte, vernachlässigt hatte, so nahm ich mir vor, hinfort mich gegen solche Fälle, die einem Liebesgenuß folgen könnten, zu verwahren. Ich nahm wiederum zu der gewissen Gefahrversicherung meine Zuflucht, doch ereignete es sich zuweilen, daß ich dies unterließ, und dennoch hatte unser vertrauter Umgang keine schlimmen Folgen. Sie als Arzt werden sich diese Phänomene besser erklären können, als ich es vermöchte.

Indessen sollte mein Glück nicht von langer Dauer sein. Schon im Oktober erhielt Arpad eine Stellung, weit entfernt von Pest und mußte abreisen. Seine Eltern wohnten ebenfalls in jener Gegend, und sein Vater war ein so strenger Mann, daß es Arpad nicht einfallen durfte, seinem Befehle nicht zu gehorchen.

Im September bezog ich meine Wohnung in der Hatvanergasse im Horvathschen Hause. Ich menagierte nicht zu Hause, sondern ließ mir die Speisen aus dem Casino holen. Ich kam so besser aus, und es war auch viel bequemer für mich. Dies diente mir gleichzeitig zur Entschuldigung, daß ich keine meiner Kolleginnen zu Tische bat: wenn ich zu Hause eine Wirtschaft gehabt hätte, würden sie es beinahe gefordert haben, daß ich Gastereien gebe, denn das ist in Ungarn Mode. In früheren Zeiten soll es noch mehr so gewesen sein. Die Schauspieler, Sänger, Schauspielerinnen und Sängerinnen sind an das Schmarotzen gewöhnt.

Ich nahm mir eine ungarische Lehrmeisterin, die mir der Herr Baron O ... anempfohlen. Er widerriet mir diejenige anzustellen, die mir Herr von R ... vorgeschlagen, da diese Person in Pest in einem sehr schlimmen Rufe stand. Sie hatte schon mehrere Kavaliere zu Bettlern gemacht, denn sie war die unverschämteste Plünderin, die man sich nur vorstellen konnte.

Frau von B ..., meine ungarische Lehrmeisterin, mußte in ihrer Jugend sehr schön gewesen sein; sie hatte auch so manches durchgemacht. Ihr Gatte war ein Trunkenbold, und sie ließ sich von ihm später gerichtlich scheiden. Sie sprach sehr gut deutsch, sie hatte die ungarische Sprache erst gelernt, als sie zum Theater kam. Ihr Vater war Beamter, und sie hatte eine gute Erziehung erhalten, so daß sie in jedem Salon sich zu Hause fühlte. Sie machte mir das Kompliment, daß sie noch niemals eine Person gekannt, die so schnell Ungarisch lernte wie ich, besonders auffallend war es ihr, daß ich mir die Aussprache, die so ganz verschieden von der deutschen Sprache war, so gut zu eigen machte.

Wir waren bald so intim miteinander, als wenn wir in einem Alter gewesen wären. Sie machte kein Geheimnis aus ihren früheren Abenteuern und unterhielt mich sehr oft damit, daß sie sie mir erzählte. Die Zahl ihrer Geliebten war eine ziemlich beschränkte, dennoch kannte sie alle Nüanzierungen des Liebesgenusses so genau, als wäre sie die größte Messaline gewesen. Ich konnte mein Erstaunen darüber nicht verhehlen.

»Das kommt daher«, erklärte sie, »weil ich Freundinnen gehabt, die sich so wenig genierten, vor mir alle Cochonnierien aufzuführen, daß ich das meiste aus Anschauung lernte, ohne es selber zu tun. Frau von L ..., dieselbe, die Ihnen Herr von R ... als ungarische Lehrerin anempfohlen, war das ausgelassenste Frauenzimmer in ihrer Jugend, sie würde es noch jetzt sein, doch ist sie schon zu alt dazu, dennoch hält sie sich ein paar Männer, die ihr diesen Liebesdienst erweisen. Ich habe von Messalina, von Agrippina, von Cleopatra und anderen geilen Weibern gelesen. Ich würde den Büchern nicht glauben, wenn ich die L ... nicht kennte. Sie sollten mit ihr bekannt werden, sie ist eine interessante Person, ein wahres Weltwunder in ihrer Art. Sie ist mit allen Kupplerinnen in Pest bekannt und mit den Freudenmädchen befreundet. Sie würden durch sie Dinge kennenlernen, die die wenigsten Frauen kennen.«

Ich muß bemerken, daß ich mit Frau von B ... über das Buch Sades gesprochen und ihr die Bilder gezeigt hatte. Sie hatte diese Bilder niemals gesehen, sagte aber, sie glaubte, Frau von L ... müsse diese Bilder kennen, sie selbst, Frau von B ..., habe einige der Szenen durch Frau von L ... ausführen sehen.

»Was kann es Ihnen schaden, alles dies zu sehen?« fuhr Frau von B ... fort. »Niemand wird es erfahren, denn das muß ich zum Lobe Annas (sie nannte Frau von L ... gewöhnlich bei ihrem Vornamen) gestehen, daß sie sehr diskret ist. Man fühlt eine eigene Art von Aufregung dabei, wenn man solche Szenen sieht. Sie dienen uns dazu, die Menschen in ihrer moralischen Nacktheit kennenzulernen. Wie viele Damen aus hohen Häusern gibt es in Pest, von denen niemand vermutete, daß sie es ärger treiben als die verworfensten Bordellheldinnen; Anna kennt sie alle, sie hat sie alle gesehen, wenn sie sich unbespäht glaubten, nicht mit einem Mann, sondern mit einem halben Dutzend derselben.«

Frau von B ... hatte meine Neugierde aufgestachelt. So sehr ich auch vor den Szenen in Sades Justine und Juliette einen Ekel empfand und mich niemals entschlossen hätte, solchen Auftritten wie jenen im Bande VIII, Seite 2 oder Band X, Seite 90 beizuwohnen, so gab es doch einiges, was ich ertragen haben würde.

Sie kennen gewiß dieses Buch und werden wissen, was die beiden erwähnten Bilder vorstellen, sollten Sie sich aber nicht daran erinnern, so rufe ich es Ihnen ins Gedächtnis zurück. Das Erstere stellt einen Tierzwinger vor. Oben an einem Fenster erblickt man einen ältlichen bärtigen Mann, es ist der Menageriebesitzer, dann einen jungen Menschen, ein Mädchen im Alter einer mannbaren Jungfrau, doch erst unlängst aus dem eines Backfischleins hervorgeschossen und einen Knaben.

Aus dem Fenster wird eben ein nacktes Mädchen kopfüber in den Zwinger gestürzt, ein Panter, eine Hyäne und ein Wolf springen an der Mauer heran, um sie zu zerreißen, ein Löwe zerreißt eben ein anderes Mädchen, man sieht, wie ihr die Eingeweide aus dem Leibe hängen, ein riesiger Bär beschnüffelt ein drittes Mädchen. Selbst Sie als Arzt, der Sie doch gewöhnt sein müssen, in der Klinik die gräßlichsten Operationen und Amputationen zu sehen, müßten sich entsetzen, wenn sich Ihnen ein solches Schauspiel darböte; um wie viel mehr ich.

Das andere Bild stellt den Marquis de Sade in Panterhaut vor; er überfällt drei nackte Weiber, die eine hat er bereits gepackt und beißt in ihre Brust, daß das Blut hervorspritzt, während er mit seiner Rechten ihre linke Brust zerfleischt; auf dem Boden aber liegt ein nacktes Kind, ganz zerbissen und tot.

Ich weiß nicht, welches von den beiden Bildern das gräßlichere ist. So etwas wollte ich nicht sehen. Es sind aber andere Auftritte, Orgien, Geißelungen, Folterungen und Unzucht zwischen Personen desselben Geschlechts, in allen diesen übrigen ist kein Mord, diese könnte man allenfalls ansehen.

Sie werden vielleicht sagen, daß die weniger gräßlichen einen zu den grausamsten bringen könnten. Ich will nicht behaupten, daß es Naturen gibt, die darin keine Grenze kennen, doch ich bin überzeugt, daß es bei mir niemals der Fall sein wird. Man könnte ebenso gut behaupten, daß alle Menschen, – und es ist bekannt, daß die Zahl der Frauen dabei noch größer ist als die der Männer –, die zu Hinrichtungen gehen oder Bestrafungen mit Stock, Ruten und Peitschen beiwohnen, auch selber imstande seien, ihre Mitmenschen zu ermorden, wenn sie dies ungestraft tun könnten, um ihre krankhaften Gelüste zu befriedigen; daß es aber nicht so ist, dies weiß ich gewiß. Eine meiner Bekannten, ebenfalls eine Ungarin, deren Vater Offizier gewesen und samt seiner Familie in Wien in der Alfer Kaserne wohnte, hat beinahe täglich körperlichen Exekutionen beigewohnt, sie hat aus ihrem Fenster gesehen, wie die Soldaten Spießruten liefen und Stockstreiche erhielten, dennoch ist es ihr niemals eingefallen, so etwas selber tun zu wollen, sie war nicht einmal imstande, einem Huhne den Hals abzuschneiden. Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen dem Tun und dem Zusehen.

Frau von L ... kommt in Pest in die ersten Häuser, die Magnatinnen sind mit ihr intim. Wahrscheinlich gibt sie ihnen Unterricht in der Kunst, die sie so trefflich versteht, um die Männer zu fesseln. Es ist durchaus nicht kompromittierend, mit ihr bekannt zu sein. In Deutschland wäre es das sehr. Ich willigte ein, sie bei mir zu empfangen, und Frau von B ... führte sie bei mir ein. Einzig der Baron O ... rümpfte darüber die Nase und meinte, es sei keine Bekanntschaft für mich. Ich weiß nicht, warum er so aufgebracht gegen sie war. Mir gefiel sie sehr gut, sie ist durchaus nicht so frech, wie ich sie mir vorgestellt; erst als ich näher mit ihr bekannt wurde und sie selber aufforderte, mit mir über alles zu sprechen, legte sie jeden Zwang ab, und ich erkannte, daß dieses Weib ganz anders war, als sie sich in größeren Gesellschaften zeigte. Sie besaß eine eigentümliche Philosophie, die sich um nichts anderes drehte, als den Sinnen stets neue Nahrung zu verschaffen. Sie war ein weiblicher Sade, sie wäre imstande gewesen, das zu tun, was in diesem Buche stand. Sie gab mir bald Proben davon, wie ich Ihnen das gleich erzählen werde.

Wir sprachen davon, auf welche Weise der Genuß, dessen Endziel die geschlechtliche Vereinigung des Mannes mit dem Weibe ist, erhöht werden könnte, sie erkannte es an, daß das Gefühl in den Geschlechtsteilen durch häufigen Genuß abgestumpft wird, und daß man künstliche Mittel anwenden muß, um es wieder herzustellen.

»Ich würde es einem Manne nicht raten«, sagte sie, »alles das zu versuchen, was ich durchgemacht, obschon es viele von ihnen tun wollten. Bei einem Manne gibt es nichts Schlimmeres als den Überreiz; er entnervt und macht impotent, die Phantasie hilft ihm nur selten und im kleinen Maßstabe das ersetzen, was er leicht verschwendet, bei einer Frau hingegen erhöht die Phantasie den Reiz immerfort.

Haben Sie es jemals versucht, sich bei der Begattung mit Ruten streichen zu lassen?« fragte sie mich mit frohlocken.

Ich muß bemerken, daß es bei Frau von L ... vergebens gewesen wäre zu leugnen. Sie erkannte es gleich bei ihrem ersten Besuch, wie weit ich in die Mysterien des Genusses eingeweiht war, es war aber nicht zu befürchten, daß sie mich verriete, denn auch sie teilte meine Ansichten über das Geheimhalten und die Verstellung der Weiber. Als ich ihr sagte, ich habe es einmal versucht, doch wäre mir der Schmerz zu groß gewesen, als daß ich es fortgesetzt hätte, lachte sie aus vollem Halse.

»Es gibt wenig Weiber, die die Wollust des Schmerzes kennen, nämlich der Ruten und der Peitsche«, sagte sie. »Unter den unzähligen weiblichen Gefangenen, die vor den Komitats- und Stadthäusern (Rathäusern) oder in den Dörfern Karbatschenhiebe erhalten, gibt es kaum eine, die sich vor dieser Strafe nicht fürchtete.

Ich habe bis jetzt nur zwei Frauenzimmer gefunden, die die Wollust erkannt hatten. Die eine war eine Lustdirne in Raab, die mehrere Diebstähle beging einzig und allein darum, damit sie Karbatschenhiebe erhielt. Bei dieser war sogar die Öffentlichkeit und die damit verbundene Schande eine Wollust. Sie war stolz darauf, eine Hure genannt zu werden. Dennoch kreischte und jammerte sie, wenn sie die Hiebe erhielt, dann aber, als sie in ihre Zelle zurückgebracht oder ganz entlassen wurde, was zumal bei kleineren Diebstählen, wenn das gestohlene Gut wiedergefunden wird, immer der Fall ist, entkleidete sie sich und betrachtete im Spiegel die fürchterlich geschundenen Hinterbacken, sie spielte dabei mit den Fingern an ihrer Muschel und während der Exekution inmitten des schneidendsten Schmerzes hatte sie die wonnigsten Entleerungen. Auch hier in Pest hatte ich ein solches Mädchen entdeckt, sie befindet sich auf dem Stadthause und erhält vierteljährlich 30 Karbatschenhiebe. Sie kreischt aber niemals dabei und ihr Gesicht drückt mehr Wollust als Schmerz aus. Hätten Sie Lust, dieses Mädchen zu sehen, während sie ihre Strafe erhält?«

Ich zögerte. Meine Bedenklichkeiten rührten daher, weil ich glaubte, der Stadthauptmann Herr von T ... würde es erfahren, daß ich an solchen Schauspielen Vergnügen fand. Ich kannte diesen Herrn, und er gehörte zu meinen Courmachern. Anna – ich nenne sie so, weil sie so von Frau von B ... genannt wurde, – sagte, es sei nicht notwendig, daß ich mich Herrn von T ... zeigte, Frau von B ... und noch einige Damen, einige sogar von der Aristokratie, wie die Gräfinnen C ..., K ..., O ... und V ... würden gewiß dabei sein, da könnte ich unbemerkt durchrutschen, und wer hinderte mich daran, mich so zu verschleiern, daß mich niemand erkannte. Endlich willigte ich ein, und da der Tag, an welchem die Arrestantin ihre Strafe erhielt, nicht ferne war, so brauchte ich nicht lange darauf zu warten.

An dem Morgen, an welchem die Exekution vollzogen werden sollte, gab es ein anderes Schauspiel, welches die Magnatinnen davon abhielt, nach dem Rathause zu gehen. Es war ein großer Empfangstag bei einer Herzogin, die eben aus Wien nach Pest gekommen war. Anna hatte es verstanden, daß wir drei, die Frau von B ... und ich, ungesehen nach dem Zimmer kamen, welches im Erdgeschosse für die Erstere und für uns bereit gehalten wurde. Wir nahmen am Fenster Platz und sehr bald erschienen drei Männer, der Stadthauptmann, der Gefängniswärter und ein Stadttrabant, dann aber die Delinquentin, ein Mädchen, kaum 16–18 Jahre alt, ein Gesichtchen wie eine junge Göttin, zart von Wuchs, mit dem Ausdruck der Unschuld im Gesicht. Sie zeigte keine Furcht, doch schlug sie die Augen zu Boden, als schämte sie sich. Anna sagte mir, dies sei nur Verstellung, die sie niemals verließ, ich würde mich davon später noch mehr überzeugen. Der Gefängniswärter schnallte sie an die Bank, und der Stadttrabant fing an mit seinen Karbatschenhieben, die auf sie nur so herabregneten. Sie hatte nur ein dünnes Röckchen und das Hemd am Leibe. Beide Kleidungsstücke waren angespannt, so daß man die Formen des Hinteren genau sehen konnte. Unter jedem Hieb erzitterten die Backen ihres Popos und behielten eine oscillierende Bewegung. Ihr Gesicht zeigte etwas verbissenen Schmerz, doch auch Wollust an, welch letzteres Gefühl sich bei dem 20. Hiebe so steigerte, daß sich ihre Augen verdrehten – ihr Mund öffnete sich, sie seufzte und hatte ganz das Aussehen, wie wenn sie in der höchsten Exstase sich befände.

»Es hätte entweder viel früher oder erst gegen das Ende so kommen sollen«, flüsterte mir Anna zu. »Ich glaube nicht, daß sie zum zweiten Male Wollust genießen wird, oder wir müssen ihr später dazu helfen, wenn sie nach der Exekution hereinkommt. Ich habe dem Gefängniswärter 5 Gulden gegeben, damit er sie hereinschickt. Ich tat es Ihnen zuliebe.«

Ich wußte, was dies bedeuten sollte, und nahm aus meiner Brieftasche 10 Gulden, die ich Anna gab, damit sie die übrigen Auslagen bestritte. Ich nahm mir vor, auch die Patientin zu beschenken, wenn sie herein käme.

Die Exekution währte eine halbe Stunde. Für jeden Hieb eine Minute. Herr von T ... entfernte sich, der Stadttrabant trug die Bank nach einem Zimmer, die Geprügelte trat bei uns ein. Anna ging nach einem anderen Zimmer mit uns, wo die Fensterscheiben von mattem Glas waren, so daß man nicht hineinblicken konnte. Anna gebot ihr, sich ganz zu entkleiden, sie gehorchte, doch verstellte sie sich auch jetzt noch, sie tat, als ob sie sich noch so schämte. Ihr Hinterer war fürchterlich geschwollen, man konnte die Striemen zählen, und an manchen Stellen sickerte das Blut durch die Haut. Dennoch war er schön.

»Du hast nur einmal Wollust gefühlt?« fragte Anna das Mädchen.

»Nur einmal«, sagte die Arrestantin mit so schwacher Stimme, daß man sie kaum vernahm. Ihre Beine zitterten, und es kam mir vor, als ob sie nach einem zweiten Genuß lechzte. Anna rückte einen Stuhl hervor und gebot ihr, einen Fuß auf denselben zu stellen. Als sie dies getan, kniete Anna vor ihr nieder und fing an, an des Mädchens Wollustgrotte zu spielen, mit den Fingern und der Zunge; den Zeigefinger zwängte sie zwischen die Schamlefzen und bewegte ihn schnell hinein und hinaus, mit der Zunge aber kitzelte sie oben an der Spalte. Das Mädchen ächzte und stöhnte vor Wollust, sie hielt sich mit beiden Händen an Annas Haaren, die sie vor Übermaß der Wonne zu reißen und zu zerzausen begann. »Tut’s Dir wohl?« fragte Anna sie. »Ach ja, sehr, nur nicht endigen. O, wie gut – oh – oh – noch nicht endigen, langsam mit dem Finger – ach – ach – oh – jetzt – schne – schne – schneller – nein – noch nicht. Ach, wenn Sie mich beißen, kratzen könnten.«

Das Schauspiel hatte mich so aufgeregt, daß ich Anna um den Platz, den sie bei dem Mädchen einnahm, beneidete, und die mußte das in meinen Zügen gelesen haben. Sie hörte auf mit dem Finger- und Zungenspiel und fragte:

»Wollten Sie es versuchen, und Du, Nina (dies sagte sie zu Frau von B ...), solltest auch nicht untätig dort sitzen wie ein Klotz. Hilf dem Fräulein.«

Frau von B ... lachte, sie entkleidete mich und sich und nur Anna blieb, wie sie gewesen. Sie wußte wohl, warum sie unserem Beispiele nicht folgen durfte; ein so verwüsteter Körper wie der ihrige würde uns jede Lust zum Genuß verdorben haben.

Nina (Frau von B ...) hatte noch einen sehr schönen Körper, sie war sogar schöner als meine Mutter. Da sie niemals Kinder gehabt, so war ihr Bauch nicht runzlig und ihre Brüste nicht schlaff, man konnte ihr Alter nur in ihrem Gesicht lesen. Sie zählte bereits 50 Jahre. Dennoch hatte sie bei der Männerwelt weniger Glück, als die an Schönheit ihr bei weitem nachstehende Anna; denn Nina war gar nicht geil, sie glich einer Marmorstatue ohne Leben. Auch jetzt war sie ganz kalt geblieben.

Ich lief keine Gefahr, mich bloßzustellen, die Arrestantin, die noch ein Vierteljahr Gefängnisstrafe auszustehen hatte und, wie mir Anna versicherte, höchstens eine Woche nach ihrer Freilassung wiederum etwas begehen würde, um der Wollust des Karbatschtwerdens nicht beraubt zu werden, brauchte ich nicht wieder zu sehen, außer es gefiel mir, sie hier aufzusuchen.
Ich nahm also Annas Stelle bei dem Mädchen ein.

Dadurch, daß Anna aufgehört hatte, sie mit dem Finger und mit der Zunge zu kitzeln, war der beinahe hervorbrechende Quell in sein Bett zurückgeflossen, und ich mußte von neuem anfangen, das Mädchen ins Feuer zu bringen, während Nina, die ebenfalls an meiner Seite niedergekniet war, mich mit ihrer Linken umschlang und mit der Rechten an meiner Wollustgrotte, die ganz feucht und schlüpfrig war und so brannte, als enthielte sie nichts wie Feuerstoffe, zu spielen begann. Der Geruch der Grotte dieses Mädchens war unendlich wollüstig, mir roch es besser als die feinsten Blumen. Es war ein berauschender Duft.

Anna hatte sich hinten hingekniet, sie spielte mit ihrer Zunge an einer anderen kleinen Öffnung, die in der unmittelbaren Nähe der Wollustgrotte gelegen war, und von welcher Grecourt die Ausstellung bei der Erschaffung des Weibes macht, daß der Abort zu nahe dem Lustpavillon sei. Dies muß die Kleine sehr gekitzelt haben, denn sie bewegte sich immer heftiger und die Krise wurde dadurch beschleunigt. Anna zerkratzte dabei des Mädchens ohnehin schon wunden Hintern, sie biß und sog das Blut aus den Wunden.

»Ach, mein Gott!« rief das wollüstige Mädchen, »das ist zu stark, ich halte es nicht aus, ich werde mich bep bepis-pis-pissen!«

Ich fühlte jetzt, wie ein heißer, etwas salziger Strahl in meinen Mund spritzte, das Mädchen wollte zurückweichen, ich aber preßte sie fester an mich und rief ihr zu: »Alles, gib mir alles!« so daß sie sich nicht mehr zurückhielt. Wenn es Champagner gewesen wäre, so hätte ich ihn nicht mit größerer Wollust geschluckt, und ich hätte, ich weiß nicht was, darum gegeben, wenn es noch einmal soviel gewesen wäre. Bald darauf entströmte auch der andere Saft aus dem Wollustborn, und zwar so reichlich, daß nicht einmal Arpad von mir soviel erhalten hatte, wie ich von der Kleinen.

Damit endete dieses herrliche, mir unvergeßliche Spiel. Wir kleideten uns an. Ich schenkte dem Mädchen 20 Gulden, küßte und umarmte sie und sagte ihr, sie brauchte nun nicht wieder zu stehlen, denn ich wollte sie zu mir nehmen.

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