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Aus den Memoiren einer Sängerin

Memoiren einer Sängerin 12

Erotischer Roman (Kapitel XII)


Autor:

Alle Fassungen dieses Artikels:

Wilhelmine Schröder-Devrient, Aus den Memoiren einer Saengerin, Verlagsbureau, Altona, tome I, 1862 ; tome II, 1870.


XII

Es reute mich in mancherlei Hinsicht, nach dem Bordelle gegangen zu sein: Erstens fühlte ich den Riß, den dieser Abend in meinem Beutel gemacht, zweitens konnte ich den Ekel, den mir die letzte Szene zwischen dem Faun und den beiden Dirnen eingeflößt, nicht sobald überwinden; dieses scheußliche Tableau erinnerte mich auch daran, was ich selber mit Rosa getan. Ich dachte darüber nach, ob ich nicht einst auch so abgestumpft werden könnte und es notwendig haben würde, zu solchen außerordentlichen Reizmitteln meine Zuflucht zu nehmen? Ich begriff es wohl, daß liebenden Personen von dem Gegenstande ihrer Liebe nichts ekelhaft sei; das sieht man doch täglich bei Gattinnen und Müttern, denen so manche Gelegenheit geboten wird, es zu beweisen. Doch konnte auch bei einem solchen Menschen, wie jenem alten entnervten Wüstling, von Liebe die Rede sein? Da war doch das, was ich für Rosa fühlte, was einige Männer zu schönen Knaben hinzieht, ein viel natürlicheres Gefühl, es war doch die Schönheit der Frau – ob es jetzt die eines Mädchens oder eines Mannes ist, dies ist gleichviel – die meine Sinne angenehm berührte. Wo aber war das bei dem alten Manne zu suchen? Das, was ihm einen Genuß verschaffte, das Streichen mit der Rute und was er aß, war doch, ästhetisch betrachtet, abscheulich, und dennoch hatte ich mich zu ähnlichen Abnormitäten hinreißen lassen. Ich kann es nur einer Art Bewußtlosigkeit und einem Rausch zuschreiben, der mich damals gepackt hat, als ich zuerst Rosas Hinterbacken erblickte, wie dieselben von den Karbatschenhieben zerschunden waren, als ich aus ihrer Muschel den durch ihre Urinblase filtrierten Champagner trank und meinen Hintern selbst von Anna zerfleischen ließ und Rasa bat, sie möge mich beißen. Damals schloß ich so, jetzt wiederum anders, Sie wissen doch, was ich alles anführte, um diese gewisse Unflätigkeiten und abnormen Gelüste zu rechtfertigen. Jetzt hingegen, nach dem Anblick des alten Menschen im Bordelle, kam mir nicht nur die höchste Potenzierung der Begierden und krankhaften Gelüste abscheulich vor, ja sogar der natürliche Genuß mit Rosa oder mit einem Manne. Ich würde Arpad abgewiesen haben, wenn er gekommen wäre und mich gebeten hätte, mit ihm Liebe zu genießen, so wie ich diese Nacht Rosa nicht mit mir schlafen ließ. Sie glaubte, sie habe irgend etwas gegen mich verschuldet, und blickte mich so traurig an, daß es mir leid um sie tat. Ich sagte, ich fühlte mich nicht wohl, deshalb wünsche ich allein in meinem Bette zu bleiben.

Ich konnte das abscheuliche Bild, welches ich gesehen, nicht loswerden und träumte die ganze Nacht davon – und noch ärgere Infamien, so daß mich das für den ganzen nächsten Tag verstimmte.

Das Schlimmste dabei war, daß ich um 10 Uhr vormittags zur Generalprobe gehen mußte, und zwar in einer Oper, in welcher ich beinahe stets auf der Bühne zu tun hatte. Dennoch war es diese Probe, die mich meiner üblen Stimmung entriß und die scheußlichen Bilder verscheuchte.

Außer den bei der Oper beteiligten Personen und dem Herrn Intendanten, der die Proben sehr fleißig besuchte, erblickte ich einen Herrn, der mir im ersten Augenblick auffiel. Es war ein schöner Mann, mit einem außerordentlich geistreichen Gesicht, sehr elegant gekleidet. Einer meiner Kollegen hatte ihn hierher gebracht. Er war ein Kunstkenner und Kunstliebhaber. Als unser Tenorist eine Stelle mit einem etwas falschen Vortrag sang, trat dieser Herr hervor und sang die Stelle mit soviel Feuer, mit solchem Ausdruck und Vortrag, daß es uns alle entzückte. Er hatte eine Stimme, wie ich sie noch nie gehört, sie drang mir durch alle Nerven. Alle applaudierten und der Tenorist rief aus: »Ach, nach Ihnen ist es eine wahre Profanation des Gesanges, wenn ich noch sänge«, und er markierte den Rest seiner Partie, sowie auch ich und die übrigen Sänger und Sängerinnen.

Ich erkundigte mich bei Herrn von R ... nach dem Namen des fremden Herrn und fragte ihn, ob er ein Ungar sei.

»Sie fragen mich mehr, als ich zu beantworten im Stande bin. Auf seiner Visitenkarte steht Ferry, Ferry. Das kann ein Ungar, ein Engländer, ein Italiener oder ein Spanier sein, vielleicht auch ein Deutscher, Franzose oder Russe. Er spricht alle Sprachen gleich gut. Ich habe seine Legitimationspapiere nicht gelesen, weiß nur soviel, daß er aus Wien kommt, daß er bei Hofe empfangen und vom englischen Gesandten an den hiesigen englischen Geschäftsträger empfohlen worden, daß er hier beim königlichen Statthalter gespeist hat, und daß man sich glücklich schätzt, ihn in allen Magnatensoireen empfangen zu können. Ich glaube, er befindet sich hier in einer diplomatischen Mission. Er wohnt im Hotel zur Königin von England.«

Ferry blieb bis ans Ende der Probe und ließ sich mir ebenfalls vorstellen. Er war ein sehr feiner Kavalier, und ich mußte mich sehr zusammennehmen in meinem Gespräche mit ihm; er war so freundlich, mich bis an den Mietswagen zu begleiten nach beendeter Probe.

An den Tagen, an welchen eine Generalprobe stattfand, hatte ich den Abend frei. Man hatte mir sehr empfohlen, Konversationsstücke zu besuchen, um mir die richtige Aussprache im Ungarischen anzueignen, somit begab ich mich nach der Theaterloge. Frau von B. war meine einzige Gesellschaft. Im ersten Zwischenakte erhielt ich einen unerwarteten Besuch, Herrn von Ferry. Er entschuldigte sich, daß er es wagte, mich hier zu besuchen, und ich lud ihn ein zu bleiben. Er machte mir den Hof, d.h. er lobte meine Stimme, sagte, ich habe eine sehr schöne Theaterfigur, daß meine Toilette sehr geschmackvoll sei und dergleichen, ohne aber von Liebe zu sprechen. Er war einfach höflich, ohne Zudringlichkeit und ohne Gemeinplätze. Ich nahm mir vor, seine Eroberung zu machen, ehe eine der hiesigen verbuhlten Magnatinnen ihn mir entriß. Ich versäumte es nicht, alle Künste der Koketterie bei ihm anzuwenden, und glaubte, daß mir seine Eroberung nicht schwer werden würde. Da er sich das Glück erbeten, mich in meiner Wohnung besuchen zu dürfen, so glaubte ich ihn schon fest zu halten, jedoch war das eine Täuschung.

Wir sprachen auch von Liebe, doch nur im Allgemeinen. Wenn seine Blicke noch so beredt waren, blieb doch seine Zunge stumm. Wenn er mir auch mit Worten zu verstehen gab, daß ich ihm sehr gut gefiel, so bat er mich doch niemals um die geringste Gunstbezeugung. Wenn er mir bei seiner Ankunft oder bei seinem Abschied die Hand drückte, so geschah das in einer Weise, daß ich daraus nichts folgern durfte; ohne Nachdruck, ohne Bedeutung.

Endlich brachte ich ihn doch dahin, daß er von seinen bisher gehabten Liebschaften zu sprechen anfing, denn ich fragte ihn, ob er schon viele Eroberungen gemacht und schon ernstlich verliebt gewesen.

»Ich liebe das Schöne, wo ich es finde«, sagte er. »Ich halte es für unrecht, mich an eine einzelne Person zu fesseln, so wie ich die Ehe in der Theorie für die tyrannischste Institution der Menschheit halte. Wie darf ein Mensch, der auf Ehre hält, ein Versprechen über etwas geben, was nicht von seinem Willen abhängt? Man sollte eigentlich niemals was versprechen. Sie werden auch Niemanden finden, der mir nachsagen dürfte, er habe gehört, daß ich Jemandem etwas versprochen. Nicht einmal, wenn ich zu einem Diner oder einer Abendunterhaltung eingeladen werde, gebe ich meine Zusage, ich bestätige bloß den Empfang der Einladung. Ich wette niemals und spiele kein Hazardspiel. Eben weil ich die Macht des Zufalls kenne, weil ich ihm die wenigsten Chancen über mich einräume. Deshalb werde ich auch niemals einer Dame, die mir gefällt, Treue versprechen. Sie mag mich nehmen, wie ich bin, wenn sie sich herabläßt, mein Herz mit anderen zu teilen, so findet sie darin Platz genug. Dies ist auch die Ursache davon, daß ich noch keiner Dame eine Liebeserklärung gemacht, sondern darauf gewartet habe, daß sie mir es offen und unverhohlen sagte, saß ich ihr so gefiele, um mir nichts zu verweigern.«

»Ich glaube, daß Sie solche Personen gefunden haben«, entgegnete ich, »doch begreife ich nicht, daß Sie sie lieben konnten, denn, vergeben Sie mir, es müssen sehr freche Weiber sein, die einem Manne eine Liebeserklärung machen, ohne es abzuwarten, daß die Initiative von ihm ergriffen werde.«

»Ich sehe das nicht ein. Muß einem Manne ein Weib, welches ihn so sehr liebt, daß es alle konventionellen Gesetze bei Seite setzt, nicht viel lieber sein, als eines, welches nur Komödie mit ihm spielt? Auch jene Damen, die sich bitten lassen, tun es nur mit dem festen Vorsatz, daß sie endlich nachgeben werden. Wird ein Mann das Weib, welches seine eigene Eitelkeit der seinigen untergeordnet, eben dieser Opferwilligkeit zufolge nicht mehr und länger lieben können, als eine Frau, die ihn mit ihrer Koketterie lange hinhält? Schon die Erbitterung treibt die meisten Männer zur Rache an den Weibern, die sie lange haben schmachten lassen, sie vergelten es ihnen dadurch, wenn sie sie erobert, daß sie ihnen untreu werden und sie verlassen.«

»Und jene unglücklichen Mädchen, die sich dem Manne ihres Herzens beim ersten Sturm ergeben, verdienen sie auch, daß die Männer sich an ihnen rächen?«

»Ich habe die Rache nur auf kokette Frauen angewendet gemeint. Ich würde niemals ein unschuldiges Mädchen überreden wollen, daß es sich mir ergebe. Ich habe es niemals getan, dennoch mangelte es mir nicht an solchen. Jede von ihnen hat sich mir selber angeboten, jede von ihnen hat mich gebeten, sie von ihrer Jungfräulichkeit zu befreien, weil sie ihr zur Last war, jede wußte, daß dies ihre Bestimmung ist. Es stand ihnen frei, eine Wahl zu treffen, sie dachten sich: soll ich mir einen wählen, der mir nachgeht und mir weniger gefällt als jener, der es mir wohl zu verstehen gibt, daß ich ihm gefalle, ohne aber mir zuzurufen, ich möge mich ihm erklären? Bei einer solchen Logik fiel ihre Wahl auf mich, sie überwanden jene lächerlichen Skrupel, die ihnen von Kindesbeinen an von ihren Müttern und Tanten und anderen prüden und lebenssatten Menschen über Schamhaftigkeit eingedrehorgelt wurden, und spielten offenes Spiel mir gegenüber. Keine hat es bereut. Einer jeden hielt ich die Folgen, die ihr Schritt nach sich ziehen könnte, vor die Augen, einer jeden sagte ich, daß sie Mutter werden könnte, daß ich sie nicht heiraten, daß ich auch andere Frauen lieben würde, daß sie mich niemals wieder sehen würden. Sagen Sie mir, war dies nicht ehrlich gehandelt.«

Ich konnte es nicht leugnen, doch sagte ich ihm, daß ich mich niemals entschließen könnte, einem Manne mit einer Liebeserklärung zuvor zu kommen.

»Dann werden Sie auch niemals einen Mann lieben. Denn die Liebe eines Weibes besteht nur in ihrer Opferwilligkeit. Und ich würde ein Weib, welches mir keine Beweise einer solchen Liebe gibt, auch nicht mit einer ephemeren Gunst beglücken.«

Er hatte auf alle meine Entwürfe eine Antwort, und ich wußte, daß er mir niemals eine Liebeserklärung machen würde, so wie auch, daß ihn die vielen Messalinen unter den Magnatinnen mir abwendig machten, wenn ich nicht täte, was er mir angedeutet. Es war offenbar, daß ich ihm gefiel. Weshalb wären seine Besuche so häufig gewesen? Er zog es vor, die Abende bei mir zuzubringen, als die Soireen zu besuchen. Zwar zögerte ich noch, ich wartete auf eine Gelegenheit, die mir die Schamröte ersparen sollte, ich hoffte eine solche während des Karnevals zu finden. Ich weiß nicht, ob er mich für ganz unerfahren in der Liebe hielt. Die Jungfräulichkeit hatte aber nach allen seinen Äußerungen keinen besonderen Reiz für ihn. Er würde eine Jungfrau geliebt haben, wenn sie gleichzeitig alle Künste einer Messaline gekannt hätte. Solche Jungfrauen aber gibt es nicht. Das Liebesspiel muß erst gelernt werden.

Ich sann darüber nach, ob ich mich einer meiner Freundinnen mitteilen und sie als Vermittlerin verwenden sollte, und erwähnte vor Anna alles, was ich mit ihm gesprochen. Sie schien nachdenklich und meinte dann, sie glaubte, Ferry sei bereits in die Netze einer der Magnatinnen gefallen, doch versprach sie mir, ihn auszuholen, um zu erfahren, ob er ebenfalls an der Orgie, die im Bordelle bei der Luft Resi gehalten werden sollte, teilnähme.

Einige Tage darauf brachte sie mir nicht ganz tröstliche Nachrichten. Die Fürstin O ... sei, sagte sie, jetzt Favoritin Ferrys. Das Kammermädchen dieser Dame habe ihr Gespräch mit dem schönen und mysteriösen Fremden belauscht. Er habe der Fürstin dasselbe gesagt wie mir, und die Fürstin habe weniger Bedenklichkeiten gehabt als ich. Außer den beiden Forderungen, die er an mich gestellt, nämlich, daß ich keine Treue von ihm fordern und mich ihm selber anbieten sollte, gab es noch eine dritte, von welcher er mir nichts gesagt, nämlich, daß die Dame, die sich ihm hingab, gleich das erstemal ihn ganz nackt empfangen sollte. »Wenn eine Frau einem Manne die Hauptsache gewährt, dann ist keine Ursache vorhanden, daß sie es nicht vollkommen und in voller Parade – d.h. nackt tue.« Und die Fürstin ging auch darauf ein.

Ich weiß nicht, ob ich mich hergegeben hätte, auch dies zu tun, wenn ich noch so verliebt in ihn gewesen wäre. Ich mag noch so freie Ansichten über diesen Punkt haben, so kann ich immer noch das Schamgefühl nicht niederkämpfen, welches, mochte es mir angeboren oder angeeignet sein, mich beherrschte. Ich weiß wirklich nicht, ob dies Gefühl uns Frauen angeboren ist, oder ob wir es durch die Erziehung von Kindesbeinen an erhalten. Was die Erscheinung Ferrys auf dem Maskenball oder die Orgie bei der Luft Resi betreffe, so würde er gewiß dahin kommen, er hätte eine Einlasung dahin von drei Damen erhalten, doch nicht bestimmt versprochen, zu kommen, weil das seinen Prinzipien zuwider wäre.

Der Abend, an welchem die Orgie stattfinden sollte, rückte immer näher heran. Anna, Nina und Rosa halfen mir, meinen Anzug verfertigen. Derselbe war von himmelblauem schweren Seidenstoff mit eingelegten weißen Streifen von Seidengaze, alles mit Goldblumen gestickt. Am Hintern, dann vorn an den Brüsten und vom Nabel abwärts bis auf 3 Zoll unter der Wollustgrotte war das Kleid zum öffnen. Für meine Füße hatte ich sehr niedliche Sandalen von scharlachrotem Sammet, ebenfalls mit Goldblumen gestickt. Halskrause von Blondspitzen, doch gesteift, wie sie die Damen im XVI. Jahrhundert trugen, und wie man Maria Stuart gemalt sieht. Die Ärmel reichten nicht ganz bis zum Ellenbogen und waren zugespitzt geschnitten mit goldenen Quasten. Um den Leib sollte das Kleid von einem goldgewirkten indischen Shawl zusammengehalten werden. Mein Kopfschmuck bestand aus einem Maraboutfederschmuck von verschiedenen Farben.

Ich wollte meine eigenen Juwelen nicht tragen, damit man mich daran nicht erkenne, sondern deponierte sie bei einer Jüdin und erhielt von ihr für diesen Abend andere Preziosen in demselben Wert, die ich dann zurückgeben und dafür die eigenen wieder erhalten sollte. Endlich aber hatte ich einen langen vergoldeten Stab, etwas höher als ich, mit einem stehenden männlichen Glied, einem Amorpfeil in der Hand. Das Kostüm war geschmackvoll und originell. Hierzu sollte ich eine Taffetmaske über dem Gesichte tragen, so daß nur die Augen und der Mund sichtbar blieben. An den Ohren war eine elastische Vorrichtung angebracht, damit ich das Kinn bewegen konnte. Die Farbe meiner Haare war nicht so auffallend, daß sie mich verriet, obschon ich wenig Frauen kannte, die einen so üppigen Haarwuchs besaßen.

Am 23. Januar, abends 7 Uhr, fuhren wir, Anna und ich, nach der Goldstickergasse. Ich hatte über meinen Maskenanzug einen sehr warmen Pelz genommen und Anna verließ mich auf dem Vorplatze, wo ich meine Eintrittskarte ablieferte. Resi Luft nahm sie selber in Empfang. Es waren schon viele Damen und Herren hier, und ich hörte die Töne des Orchesters. Die ersten Herren, die ich erblickte, waren der Stadthauptmann T ... und der Baron von O ... Sie waren nicht maskiert und ganz nackt mit Ausnahme einer Art von Badehose aus Seidenstoff. Mein Erscheinen erregte Aufsehen im Saale, ich hörte, wie die Damen unter sich flüsterten: »Die wird uns alle schlagen«. – »Ach, ist sie doch schön.« – »Sie ist wie von Zucker, zum Dreinbeißen« usw. – Die Herren waren noch mehr entzückt. Die schönsten Teile meines Körpers, meine Brüste, Arme, Waden, mein Hinterer und meine Muschel waren entweder ganz entblößt oder nur von einem diaphanen Stoff verschleiert, so daß man sie gut sehen konnte. Ich blickte um mich, um Ferry unter den Herren zu entdecken. Er stand an der Seite einer Dame, die einen ganz weißen Anzug von Tüllanglais an hatte; das Schilf und die Lilien als Aufputz sollten sie als Wassernymphe charakterisieren. Ihr Körper war ziemlich schön, doch bei weitem weniger als der meinige. Eine andere Dame, deren ganze Bekleidung aus einem Goldgürtel mit Diamanten und einem Diadem aus gleichen Steinen in den rabenschwarzen Haaren bestand, die die Venus vorstellen sollte, hatte ihren Arm um Ferrys Nacken geschlungen und hielt seinen Amorszepter in der Hand, welcher sich unter ihren Fingern bäumte; der entblößte Kopf desselben glänzte, als wäre er in Öl getaucht worden; er war dunkelrot, von ungewöhnlicher Größe, niemals habe ich einen so großen und schönen männlichen Speer gesehen. Ferry war ganz nackt, nur seine Füße steckten in Sandalen von kirschrotem Marokin. Weder Apollo von Belvedere, noch Antonius waren so ebenmäßig und schön wie er. Sein Körper war blendend weiß, mit einem rosigen Schimmer an den Konturen. Mein ganzer Körper zitterte bei seinem Anblick, ich verschlang ihn beinahe mit meinen Augen und hielt unwillkürlich vor dieser Gruppe. Venus hatte einen sehr schönen Körper, doch waren ihre Brüste etwas schlaff, ihre Muschel zu sehr geöffnet und die Lefzen an derselben spielten ins Violette, man sah es ihr an, daß sie sehr eifrig im Dienste der Göttin sein mußte, die sie vorstellte.

Auch Ferrys Augen verweilten auf mir, seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, und er sagte: »Ah, dies ist die beste Methode, um die Initiative zu ergreifen.« Dann wandte er sich zu den beiden Damen, verbeugte sich vor ihnen, und nachdem er sie verlassen, kam er geradewegs auf mich zu. Er flüsterte mir meinen Namen ins Ohr, ich errötete unter der Larve.

Die Musik schlug einen Walzer ein. Man konnte das Orchester nicht erblicken, eine spanische Wand trennte es von den Bacchan und Bacchantinnen, Ferry faßte mich um die Taille, und wir wirbelten dahin, von unzähligen anderen Tänzerinnen und Tänzern gefolgt. Die momentane Berührung so vieler heißer, glatter, nackter männlicher und weiblicher Körper während des Walzers, die alle untereinander herumtaumelten, der Anblick der vielen schwellenden männlichen Ruten, wie jede derselben während des Tanzes nach dem gewissen Ziele stieß, das Schnalzen der Küsse, der wollüstige Duft dieser geilen Weiber und Männer, der immer stärker wurde, betäubte mich beinahe. Auch Ferrys Pfeil berührte mit seinem Kopfe meine Grotte, zumal oben am Kitzler; ich stieß sie ihm entgegen und spreizte mich, damit er weiter unten hineinstoße. Er tat es aber nicht, sondern sagte: »Bist Du eifersüchtig?«

»Nein«, antwortete ich, »ich wollte Dich als Mars mit Venus sehen.«

Er ließ mich los und entriß einem Herrn die Dame, welche die Venus vorstellte.

Ein paar Mädchen aus dem Pensionate der Hauswirtin holten ein rot überzogenes Tabouret hervor, stellten es in die Mitte des Saales. Venus lehnte sich mit ihren Armen daran, und Ferry griff sie von hinten an, Wladislawa und Leonie setzen sich den beiden Kämpfenden zu Füßen, die erstere spreizte der Göttin Wollustlefzen auseinander mit ihren Fingern und spielte auch mit der Zunge daran, während Leonie seinen Samenbehälter kitzelte und mit ihrer Zunge an seiner Hinterspalte spielte. Ferry gab Venus mehrere herzhafte Stöße, so daß sie stöhnte, ich aber entledigte mich auch der wenigen Kleider, die ich auf mir hatte und stellte mich ihm ganz nackt hin. »Auch die Maske?« fragte ich ihn. »Behalte sie auf dem Gesichte«, entgegnete er, zog seine Rute aus der Muschel seiner Göttin, gab ihr mit der flachen Hand einen Schlag auf die Hinterbacken, und sie trat mir ihre Stelle ab. Meine Knie schnappten zusammen, als ich ihre Stelle einnahm. Ferry kniete hinter mir und steckte seine Zunge zuerst hinten, dann vorn hinein, womit er mich so geil machte, daß ich jeden Augenblick glaubte, mein Brünnlein müßte überströmen. Ich blickte hinüber und sah den herrlichen roten Kopf seines Speeres, wie einen Rubinknopf an der Spitze eines Szepters.

Das war zuviel für mich. Venus und noch eine Dame sogen an meinen Brüsten, eine dritte umarmte mich, steckte ihre Zunge zwischen meine Lippen und biß oder sog an den meinigen, Leonie kniete ebenfalls zwischen meinen Beinen und kitzelte oben an der Spalte, daß mir die Sinne vergingen, mein Atem ward immer kürzer; ich spürte ein Zucken im Zwerchfell, in den Hüften, Schenkeln, Armen und in den Hinterbacken; die Krise kam heran, und heraus sprudelte wie Schlagsahne der milchweiße Saft aus der Grotte in den Mund Ferrys, und ich hörte ihn schlucken, bis er den letzten Tropfen herausgesogen. Dann sprang er auf und stieß sein heißes, knotiges Szepter bis an die Wurzel in mein Inneres, so daß mir ein girrender, wollüstiger Laut entfuhr. Alle meine Nerven, die noch vor ein paar Sekunden schlaff geworden, wurden wie der gespannt, in meinem Wollusttempel brannte es, und sein steinharter Pfeil schien mir wie ein glühender Stahl. O, wie trefflich verstand er das Liebesspiel. Er zog zuweilen seinen Amor ganz aus der Grotte, und sein Kopf streifte an den Lefzen auf- und abwärts, dann folgte ein starker Stoß. Ich fühlte, wie die Öffnung meines Hymens den Kopf seines Amors in sich hineinsaugen wollte und krampfhaft festhielt, bis er ihn wieder losließ. So machte er es noch ein paarmal, als seine Bewegungen noch stärker und schneller wurden, und die Rute noch mehr anschwoll. Jetzt war auch er nicht mehr Herr seiner Begierden, er beugte sich über mich, und während mich seine Finger in den Achseln blutig kniffen, sog er das Blut mit seinen Lippen und seiner Zunge auf. Auch bei ihm folgte die Krise, und der Erguß war so stark, daß er meine ganze Grotte füllte. Ich fürchtete schon, daß es jetzt vorüber sein und ich ihn verlieren müßte, doch er hielt mich noch immer fest, und sein Amor blieb in meinem Liebeszwinger, welcher nach ihm schnappte und ihn fester drückte. Trotz der starken Entleerung war es in weniger als einer Minute wieder ganz trocken in meinem Innern, die Hitze zog die Säfte ein. Da fühlte ich, wie sein Szepter wieder härter wurde und er mir ein paar Stöße gab, die ich schnell erwiderte. Von neuem fingen wir unter dem Beifallsklatschen aller Anwesenden das Liebesspiel an, diesmal mit mehr Überlegung und in langen, abgemessenen Stößen. Diesmal war die Entleerung zu gleicher Zeit, ich fühlte gleichsam einen elektrischen Schlag, der mich durchdrang und in meinem Herzen festgebannt wurde. Ohne seine Geistesgegenwart und Herrschaft über seine Nerven würde ich diesmal Mutter geworden sein, doch gleich drang ein zweiter länger währender noch heißerer Strahl dem ersten nach, und die Wirkung desselben war paralisiert.

Auch diesmal hörte er mit den Beweisen seiner Liebe und seiner Manneskraft nicht auf. Die Zuschauer klatschten in die Hände, als sie sahen, daß er zum dritten Male, ohne seinen Amorpfeil aus der Scheide zu ziehen, den Liebeskampf begann. Alles rief: »Aller guten Dinge sind drei!«, und obwohl das Spiel jetzt länger als eine Viertelstunde währte, waren sie doch aus unserer Nähe nicht wegzubringen. Ich weiß, daß Wetten gemacht wurden darauf, Ferry würde das Spiel nicht bis zu Ende führen und sich ermattet zurückziehen müssen. Dem war aber nicht so. Dieser Mann war unerschöpflich, und die Krise, obschon sie lange währte, und obwohl die Wollust von seiner ebenso wie von meiner Seite eine längere war, kam doch endlich. Er überschwemmte mein Inneres mit dem Safte, der seinen Ursprung in seinem Rückgrat hatte. Das gewisse wollüstige Hinbrüten nach geschehener Entleerung war auch viel länger als nach dem zweiten Akt dieses herrlichen Liebesdramas. Ich stand nicht mehr auf meinen Füßen, denn mehrere Pensionärinnen unserer Hauswirtin hielten meine Beine umschlungen, ich spürte unter meinen Füßen, an meinen Seiten und vorn nichts als nacktes Fleisch. Die Damen überschütteten mich mit Küssen, sie sogen an den Knospen meiner Brüste, und Ferry drückte mich noch immer hinter mir stehend an sich.

Endlich fühlte ich, wie sein Pfeil in meiner Wollustgrotte von seiner Steifheit zu verlieren anfing und endlich aus seinem Bauer schlüpfte, dem er eine solche unsägliche Wonne verschafft, und in dem er selber genossen hatte. Man ließ uns los. Ferry umarmte mich und hielt mich noch lange fest umschlungen. Dann hing er meinen Arm in den seinigen und wollte mich hinwegführen. »Auf den Thron, auf den Thron!« riefen mehrere männliche und weibliche Stimmen. Man hatte am Ende des Saales eine Art Tribüne errichtet, auf welcher eine Ottomane mit rotem Sammet überzogen stand, über der ebenfalls rote Vorhänge in der Art eines Baldachins angebracht waren. Dahin wollte man uns geleiten, um damit anzuzeigen, daß wir den ersten Rang unter den Liebeskämpfern und -kämpferinnen verdienten. Ferry lehnte in seinem und meinem Namen diese Ehre ab und sagte, er ziehe es vor, wenn man ihm gestatte, sich mit irgendeinem kühlenden Getränke zu erfrischen, worauf uns die Dame, die als Venus maskiert war, nach dem Bankettsaal geleitete. Der Tisch war noch nicht gedeckt, es war noch zu früh zum Souper, doch fanden wir am Büffet alles, was wir vorläufig brauchten.

»Schade, daß hier kein dunkles Kabinett sich befindet, wo meine schöne Titania (er nannte mich so, weil er mein Kostüm demjenigen der Elfenkönigin würdig fand) ein wenig ausruhen könnte«, dabei gab er mir wieder einen Kuß.

»Resi Luft hat gewiß mehrere Kabinette, wo dies geschehen kann«, entgegnete Venus. »Ich will es ihr gleich sagen, damit sie Euch eines öffne.« Sie entfernte sich und erschien bald wieder mit der Hauswirtin, bei deren Anblick wir in ein helles Gelächter ausbrachen. Auch diese alte, dicke Person hatte alle Kleider abgelegt und erschien ganz nackt vor uns, ganz das Ebenbild der Königin einer der Südseeinseln, der berühmten Nomahana. Oh, diese Massen dunklen rötlichen Fleisches, dieser Urwald unter dem Bauch. Doch war das alles nicht unappetitlich, und ich begriff, daß es noch Männer gab, denen diese massigen Reize Gelüste einflößten; es mußte gar nicht unangenehm sein, sich in ein solches Meer von Fleisch zu versenken.

Sie öffnete uns eins der Kabinette, ganz nahe am Tanzsaal, so daß ich durch die geöffnete Tür hindurchblicken und das wollüstige Bacchanal mit den Blicken verfolgen konnte. Nur wenige Paare tanzten noch, die meisten zogen eine ernstere Unterhaltung vor. Wir hörten Gekicher, Küsse, die gewissen abgemessenen Stöße der Männer und noch viele andere wollüstige Laute. Dieser Anblick regte mich auf. Ich saß, meinen Arm um den Nacken meines Geliebten geschlungen, in seinem Schöße und fühlte, wie etwas Warmes und Hartes an meine Hinterbacken schlug. Es war sein unermüdlicher Amor.

»Du wirst doch nicht wieder?« fragte ich, ihn mit meinen Küssen beinahe erstickend.

»Warum nicht?« sprach er lächelnd. »Doch möchte ich die Türe schließen und verriegeln. Du aber nimmst Deine Maske ab, damit ich die Wollust in jedem Deiner Züge lesen kann. Wärest Du im Stande, mir dies abzuschlagen?«

Er war nicht der Despot, der Sultan, wie er sich mir vorstellen wollte, sondern der schmeichelndste, süßeste Schäfer, den ich mir nur wünschen konnte. Ich sprang auf, schloß und verriegelte die Tür und warf mich ins weiche Federbett. Nur eine einzige Alabasterlampe, welche vom Plafond herabhing, beleuchtete das Gemach, alles Licht fiel auf das Bett. Ich spreizte meine beiden Schenkel weit auseinander, stützte mich auf meine Ellenbogen und erwartete meinen Ritter, der auch nicht einen Augenblick säumte, um seine Lanze einzulegen. Diesmal zerstreute uns nichts außerhalb unserer Personen, ich sah nur ihn und er nur mich.

Wäre ich im Stande zu beschreiben, was ich fühlte? Nein! Ich kann nur soviel davon sagen, daß die hintereinander genossenen drei Libationen, die wir den Liebesgöttern dargebracht hatten, nichts waren im Vergleich mit der Wollust, als ich ihn so ganz allein für mich hatte. Und erst als die Krise nahte, als seine Augen starr wurden und einen gewissen Ausdruck wollüstiger Wildheit annahmen, als seine Lippen sich öffneten und er schnaubte, und auch meine Augen sich zu trüben anfingen, als wir im Wollusttaumel hinsanken, Brust an Brust, Bauch an Bauch, einander mit Armen und Beinen umschlungen haltend wie ein paar Schlangen! Wir lagen so etwa eine halbe Stunde, er hatte sich ein wenig nach der Wand hin gedreht und wendete sich so, daß ich auf ihm lag; er nahm sein Szepter nicht heraus aus seinem Futteral, unsere Lider schlössen sich und wir blieben so schlummernd, bis uns ein Jauchzen, Jubeln und ein Gejohle, welches aus dem Saale kam, aus unserer Extase rüttelte. Er selber suchte mir die Maske, die ich in der Zerstreuung vielleicht vergessen hätte, und half sie fest machen, auch meine Kleider lagen auf dem Stuhle, ich bemerkte es nicht einmal, daß man sie mir nachgebracht. Ich kleidete mich an, und Ferry selbst nahm seinen dunkelblauen Domino, in welchen er nun schlüpfte, worauf wir in den Saal traten.

Hier hatte die Orgie angefangen, sich auf ihren Höhepunkt zu schwingen. Man sah nichts als wollüstige Gruppen in allen möglichen Stellungen paarweise, zu dreien, vieren, ja sogar zwei aus noch mehr Personen bestehende.

Von diesen Gruppen waren es nur namentlich drei, die komplizierter waren, als die übrigen. Die eine bestand aus einem Herrn mit sechs Damen; die eine hatte er mit seinem Speere gespießt. Er lag auf dem Rücken, auf einem schmalen Brett, welches auf zwei Stühle gelegt war; auf seiner Brust saß eine zweite Dame, an deren Wollustgrotte er mit seiner Zunge spielte, mit jeder seiner Hände kitzelte er zweier anderer Muscheln und mit den großen Zehen noch zwei; die beiden letzten werden wahrscheinlich am wenigsten Wollust empfunden haben, es geschah nur, um die Gruppe zu vervollständigen, dennoch taten sie so, als ob sie sie gefühlt hätten.

Die zweite Gruppe bildete unsere Venus, sie lag auf einem Herrn, der sie gespießt hatte, während ein anderer sie von hinten bestürmte und seine Rute bereits in die viel engere Öffnung gezwängt hatte, in jeder Hand hielt sie einen Amorpfeil zweier Herren; der Fünfte endlich stand wie ein Koloß von Rhodus auf zwei niederen Stühlen mit ausgespreizten Beinen über dem Kopfe des Ersteren, und sie sog an seinem Amor.

Bei allen fünf Herren, sowie auch bei ihr, geschahen die Entleerungen beinahe gleichzeitig. Es war unter den drei Hauptgruppen die schönste.

Die dritte Gruppe bildeten zwei Damen und ein Herr. Die erste der Damen lag oder saß halb angelehnt an eine Ottomane auf dem Rücken; eine zweite lag an ihrer Brust, die Beine um die Hüften der ersteren geschlungen. Beide hielten einander in wollüstiger Umarmung, sie küßten sich und züngelten. Die zweite hielt ihre Hinterbacken etwas gehoben. Der Herr, ein herkulisch gewachsener Mann, stieß abwechselnd seinen Speer bald in die Wollustgrotte der unten Liegenden, bald in diejenige der Oberen. Ich war neugierig zu sehen, wie er es machen würde, wenn die Krisis über ihn kam. Er war bei dem süßen Spiel sehr besonnen und gerecht. Keine der beiden Frauen erhielt nur einen Stoß mehr als die andere. Endlich nahm ich aus seinem Schnauben wahr, daß der entscheidende Augenblick bei ihm gekommen war, doch auch da verlor er die Besinnung noch nicht und gab der Einen von seinem Nektar so viel wie der Andern. Doch war der erste schnelle Strahl in die Muschel der Oberen gedrungen.

Von den Herren und Damen, die bei diesem allgemeinen Liebeskonzerte mitgewirkt hatten, war keine leer ausgegangen, wiewohl einige eher zum Ziele gelangten als die anderen. Auch hatte keine der Personen weniger als zweimal Liebe genossen. Ferry und ich waren unter den Herren und Damen diejenigen, die sich noch am kräftigsten fühlten.

Von den Frauen waren wir, Venus, ich und die Gräfin Bella, die einzigen, die sich nicht demaskiert hatten.

Ich erfuhr später, wer es gewesen, die die Rolle der Göttin gespielt. Es war eine durch die galanten Abenteuer berühmte Dame, doch selbst sie hatte sich geniert, ihre Maske abzulegen, während Bella ein weiblicher Dämon der Frechheit war. Sie schrie laut: »Kommt her, vögelt mich, seht ihr nicht, daß ich eine Hure bin? Eine gevögelte Hure!« Sie ging zu allen Pensionärinnen unserer Hauswirtin und steckte ihre Zunge in ihre Muscheln oder ließ sich von ihnen in den Mund pissen. Während des Soupers trank sie ein Glas voll davon aus, was ihr ein Herr in dasselbe gepißt hatte. Sie war volltrunken und wälzte sich auf dem Boden. Resi Luft mußte sie endlich nach einem Kabinett und zu Bette bringen lassen, damit sie sich ausschlafen könne. Sie schloß die Tür mit dem Schlüssel hinter ihr ab. Bella aber polterte an der Tür noch lange mit den Füßen, bis sie endlich zu Boden fiel und einschlummerte. Später schickte man ein paar der Pensionärinnen hin, um nachzusehen; sie fanden sie in einer Lache, die sich bei ihr von allen Seiten und durch alle Öffnungen ergossen, und brachten sie zu Bette, wo sie bis nachmittags 4 Uhr schlief.

Das Souper war ziemlich ausgelassen und der vorhergehenden Orgie angemessen. Nach demselben stellten sich noch einige Paare zusammen, um Liebe zu genießen, doch außer Ferry und drei Herren, die in dieser Beziehung noch etwas zu leisten im Stande waren, ließen die übrigen die Köpfe ihrer Ruten hängen und man schritt zur Preisverteilung. Ferry ward zum König der Liebe ausgerufen, nächst ihm kam der Herr, der mit zwei Damen gleichzeitig das Liebesspiel ausgeführt, dann einer, welcher dreimal Wollust genossen und gespendet. Meine Rivalin, die Fürstin O ..., in deren Gesellschaft ich Ferry angetroffen, hatte diesen ganz und für immer verloren. Ich redete ihm zu, wenigstens einmal mit ihr zu machen, was er mich so oft genießen ließ, er wollte aber nicht; doch bewog ich ihn zu einem Liebesspiel mit Venus.

Um 4 Uhr morgens war die Orgie zu Ende. Außer uns beiden, Ferry und mir, Venus und noch ein paar Damen blieben die übrigen im Hause der Madame Luft; sie waren zu betrunken, um sich auf die Straße zu wagen.

Im allgemeinen hatte ich die Bemerkung gemacht, daß die Pensionärinnen unserer Hauswirtin unter all den Bacchantinnen sich noch am anständigsten benahmen, sie ließen sich zu allem, was getan wurde, von den Herren bitten. Vielleicht machte nur Leonie davon eine Ausnahme, und es ging von ihr das Gerücht herum, daß auch sie zur betitelten Aristokratie gehörte, daß sie aus Wien von ihren Eltern durchgegangen war und geradewegs zu Madame Luft kam, um dieses unsichere Metier zu treiben.

Ich fuhr mit Ferry nach meiner Wohnung. Rosa war noch immer munter und ging erst schlafen, als ich sie fortschickte. Ist es notwendig, Ihnen zu sagen, daß für uns beide, für Ferry und mich, der Liebeskrieg damit noch nicht zu Ende war?

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