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Aus den Memoiren einer Sängerin

Memoiren einer Sängerin 13

Erotischer Roman (Kapitel XIII)


Autor:

Alle Fassungen dieses Artikels:

Wilhelmine Schröder-Devrient, Aus den Memoiren einer Saengerin, Verlagsbureau, Altona, tome I, 1862 ; tome II, 1870.


XIII

Sie werden mir vielleicht zürnen, daß ich in der Erzählung der Abenteuer, die ich in Pest erlebt, zu weitschweifig bin, und mich einer Eingenommenheit für die Ungarn beschuldigen. Wenn Sie aber bedenken wollen, daß es gewisse Dinge gibt, die zu allgemein sind, als daß wir sie auf ein Land oder eine Nation beschränkten, wie die Künste überhaupt – und ich zähle die Liebe, so wie ich sie betrieben, auch zu den freien Künsten – so werden Sie mich vielleicht lossprechen. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß es gegenwärtig in der Welt kein Land gibt, wo man die Kunst zu lieben so versteht, wie in Ungarn. Dieses Land und seine Bewohner mögen in mancherlei Beziehungen hinter den übrigen zurückgeblieben sein, nur in der Kunst das Leben zu genießen – und die Wollust des geschlechtlichen Genusses ist doch das Höchste – halten sie nicht nur Schritt mit Franzosen und Italienern, den größten Meistern darin, sondern sie übertreffen sie sogar.

Sie werden mich auffordern, Ihnen das, was ich hier sage, zu beweisen. Wohlan, ich will es tun, und Sie werden die Segel auch streichen müssen.

Ich machte kurze Zeit, ehe ich diese Briefe an Sie soweit geschrieben, wie sie es sind, die Bekanntschaft eines Herrn, eines Engländers, der die ganze Welt bereist; er machte nämlich seit Jahren nichts anderes als Reisen. Sie mögen sich vorstellen, wie viele Länder man bereisen kann, besonders wenn man nirgends zu lange sich aufhält. Rechnen wir für jedes Land 2–3 Jahre, für die interessanteren mehr, für die übrigen weniger, so werden wir 18 Länder herausbringen, z.B. Österreich, Ungarn, die europäische Türkei, Italien, Spanien, Frankreich, Britannien, Rußland, die skandinavische Halbinsel, Deutschland, den Orient, die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, die Schweiz, Süd-Amerika und Belgien mit den Niederlanden. Ist das genug? Ich glaube ja.

Mein Freund, ich will ihn so nennen, hat sich dort überall herumgetrieben, die zivilisierten Länder besuchte er zweimal. Er kam eben aus Italien und gab mir die Beschreibung eines Pensionates von Venuspriesterinnen in Florenz. Unter den Damen dieser Anstalt gab es drei Ungarinnen. Sie waren unter allen die gesuchtesten, man steigerte ihre Preise von 100 bis zu 500 Francs. Die Vorsteherin der Anstalt sagte, sie wollte diese reformieren, und wenigstens zwei Drittel ihrer Elevinnen müßten Ungarinnen sein. So gab es einige Spanierinnen, Holländerinnen, je eine Serbin und Engländerin, die viel schöner waren, doch keine verstand es, die Männer so zu fesseln wie die Ungarinnen. Ähnlich war es in Paris, in London, in St. Petersburg, in Konstantinopel, in mehreren Residenzen und größeren Städten Deutschlands, überall waren die Ungarinnen am meisten beliebt.

Doch nicht allein die Weiber sind es, die in der Kunst der Liebe die Palme errungen, sondern auch die Jünglinge dieses Landes, denn erstens sind es zumeist Leute von sehr anziehendem Äußeren, zweitens ist ihr Benehmen bei den Damen sehr gewinnend, weil sie so ganz verschieden von allen übrigen Nationalitäten sind, und das Originelle ist es eben, was uns Weiber anzieht, endlich aber sind sie im Liebesspiel unermüdlich und kennen alle Feinheiten desselben, sie lassen alles weg, was übertrieben ist, und eine Frau hat es bei ihnen nicht nötig, sie durch außerordentliche Reizmittel dazu zu bringen.

Glauben Sie aber trotz allem, was ich bis jetzt über die Ungarn und Ungarinnen gesagt, ja nicht, daß ich in meiner Vorliebe für sie ausschließlich bin, ich werde Ihnen auch meine Erlebnisse anderwärts erzählen mit dem Unterschiede, daß die Abenteuer, welche ich eben erlebt habe, mit der Beschreibung ganz neuer Empfindungen zusammenhängen, und so auch eine größere Ausführlichkeit verlangen als die späteren, da sie mir nicht mehr neu waren, und ich also in Wiederholungen mich ergehen müßte, was Sie nur langweilen würde.

Ich kehre jetzt zurück dahin, wo ich geblieben war, zur Erzählung selbst.
Ich teilte meine Genüsse mit zwei Personen; mit Ferry, der mein erklärter Liebhaber wurde, und mit Rosa, die mir eine Abwechslung im Genuß verschaffte, oder, wie sich manche Gelehrte in diesem Fache ausdrücken würden, ich wechselte zwischen homosexuellem und heterosexuellem Genuß.

Ferry gestand mir, daß er die wirkliche Liebe erst bei mir kennengelernt, und daß diese ihn in seinen Ansichten und Grundsätzen wankend gemacht. Er glaubte auch an die Möglichkeit der Treue. Wenn ich ihm ein Wort gesagt hätte, so würde er mich geheiratet haben, ja, er spielte sogar darauf an, daß wir uns ehelich miteinander verbinden sollten. Dies wollte ich aber nicht. Ich fürchtete mich, seine Liebe zu verlieren, wenn ich ihn auch mit anderen Banden als jenen der Liebe fesselte. Ich hielt die Ehe für das Grab der Liebe, obschon ich das Beispiel meiner Eltern vor den Augen hatte, die in ihrer Ehe sehr glücklich waren und meine Vorurteile gegen die Ehe widerlegten, dennoch glaubte ich, ihn länger zu besitzen, wenn die Liebe von gesetzlichen und kirchlichen Bindemitteln nicht profaniert wurde. Ja, ich sagte es heraus, ich hielt die Trauungszeremonie, die Öffentlichkeit, für nichts als eine Profanation. Auch war ich verliebt, mir machte die Verheimlichung ein Vergnügen und erhöhte den Genuß. Ich betrachtete alles, was nicht absolut zur Liebe und zum Genuß gehörte, als störend, und hierin teilte auch Ferry meine Ansichten, trotz dem einmal ausgesprochenen Wunsche, mich auch gesetzlich zu besitzen.

Nur etwas gab es, was mir Angst einflößte, daß ich Mutter werden könnte, weil ich dadurch meine Stellung gefährdet sah. Ich teilte Ferry meine Befürchtungen und meine Verwunderung darüber mit, daß es noch nicht geschehen, da ich bei meiner Liaison mit ihm versäumt hatte, die Vorsichtsmaßregeln zu gebrauchen, die ich bei Marguerite würdigen gelernt, die ich auch während meines Verhältnisses mit dem Fürsten stets angewendet.

»Es gibt auch noch andere Mittel«, sagte Ferry, »obschon es wenig Männer und Frauen gibt, die sie kennen. Eines derselben habe ich zuweilen angewendet, ohne daß Du es gewußt. Nur ein einziges Mal habe ich es nicht getan, damals aber war es nicht mehr notwendig. Wenn Du die verschiedenen Mittel kennen willst, so lies das Buch ›de l’art de faire amour sans crainte‹. (Über die Kunst, die Liebe ohne Furcht zu genießen.) Ich will es Dir geben. Auch Dein Mittel, die Blase Condoms, gehört dazu, doch eben dieses ist nicht immer zuverlässig, sie kann in der Hitze der Aktion durch zu starke Ausdehnung und Reibung platzen, ohne daß es der Mann oder die Frau bemerkt. Beide überlassen sich im Bewußtsein der Sicherheit ihren Empfindungen, und ehe sie sichs versehen, folgt die Empfängnis.«

Er gab mir das Buch und ich las es mit viel Eifer und Aufmerksamkeit. Es war von einem Arzte geschrieben, und da dieses Werk noch viel seltener ist, als alle priapischen Romanzen, sogar seltener als Sades Justine, die sogar zu Robespierres Zeiten von Henkershand verbrannt wurde, doch bald darauf in Holland eine neue Auflage erlebte und neuerdings in Deutschland ebenfalls verlegt wurde, so glaube ich nicht, daß Sie dieses Buch jemals zu Händen bekamen, deswegen will ich Ihnen einige der in demselben angegebenen Mittel nennen.

Der Verfasser verwirft den Gebrauch des Condoms, indem er sagt, daß dabei weder der Mann noch die Frau jenes Vergnügen genössen, wie wenn sie sich in natürlicher Weise begatten. Beide fühlen das Klebrige des Condoms. Selten paßt eine solche Blase genau. Wenn sie zu eng ist, verursacht sie dem Manne einige Schmerzen, zumal oben an der Eichel, wo die männliche Rute am dicksten ist – der Condom aber ist überall von gleicher Breite. Wenn er zu weit ist, so schlottert er und es entstehen Fältchen, die eben so einschneiden, wie wenn ein Haar in die Begattungswerkzeuge gerät. Im ersteren wie im letzteren Falle ist ein Zerplatzen oder Reiben der Blase möglich, ja sogar sehr wahrscheinlich, und der Zweck nicht er reicht; die beiden Liebe genießenden Personen sind vor Empfängnis und vor Ansteckung nicht gesichert. Endlich aber ist das Herausziehen der schleimigen Blase nach stattgefundenem Beischlaf, wenn bei beiden ein nicht so leicht unterdrückbares Gefühl der Abspannung und des Ekels eintritt, eine etwas peinliche und unangenehme Beschäftigung.

Weiter spricht der Verfasser davon, daß unter tausend Fällen es kaum einen gibt, daß eine Frau empfange, wenn der Mann von hinten und stehend sie begatte, weil der Kopf der Rute nicht genau gegenüber dem Hintermunde sich befindet, mithin ergießt sich der Samen in die Scheide, nicht aber in die kleine Öffnung des Muttermundes, welcher, wenn dem Weibe der Wollustsaft entströmt, sich ausdehnt.

Als ich auf diese Stelle kam, erinnerte ich mich eines Umstandes, der mir sonst nicht aufgefallen wäre, daß ich mit Ferry gewöhnlich, ja ich möchte sagen immer, in dieser Stellung Liebe genossen. Tat er es vorsätzlich?

Wenn es auch geschah, daß er sich auf mich setzte und mich von vorn bestürmte, so geschah dies erst, nachdem wir ein- oder zweimal von hinten das Spiel begonnen. Auch das bewies mir, wie sehr er für mich von Anfang an besorgt war.

Daß die Entströmung des männlichen Samens dadurch, daß der Mann gleich darauf die Säfte seiner Urinblase folgen läßt, keine Empfängnis bei der Frau gestattet, das ahnte ich wohl. Ich erinnerte mich auch daran, daß Ferry, obschon er mich zum ersten Male von hinten mit seinem Freudengeber besuchte, der Stellung doch nicht so ganz unbedingt Zutrauen schenkte, denn er wandte auch dieses andere Mittel an, welches aber bei mir den Reiz erhöhte, er tat es nicht nur damals, sondern auch sonst öfter.

Ferner spricht der Verfasser davon, daß zur Bereitung des Samens eine gewisse Zeit gehört, damit er befruchtend wirke, es könne in seltenen Fällen geschehen, daß die Befruchtung bei der zweiten Samenentleerung des Mannes stattfindet, doch bei dem dritten oder gar vierten Wollustspiel nie mehr.

Er unterscheidet das Sperma des Mannes vom Samen und behauptet, daß es zwischen dem Sperma des Mannes und des Weibes keinen Unterschied gibt, daß es nicht der Samen ist, der die Wollust verursacht, sondern das Sperma, denn wenn es anders wäre, so würde das Weib, welches keinen Samen besitzt, nicht eine ebenso große Wollust empfinden wie der Mann, was aber durchaus nicht so ist, ja, es wird behauptet, daß die Wollust des Weibes diejenige des Mannes bei weitem übertrifft, und daß sie auch eine öftere ist, weil sie keinen Samen hat. Die weitere Erklärung war aber so gelehrt gehalten, daß sie mir auch nicht ganz verständlich war. Sie erinnern sich viel leicht, daß ich mit Ihnen schon einmal darüber gesprochen, obschon ich damals von diesem Buche nichts erwähnt (ich hatte später mehrere ähnliche, namentlich Klinkosch und Benette, gelesen und erinnerte mich vielleicht nicht, welcher der drei Autoren über dieses Thema spricht, weil es vielerlei gab, in welchem alle übereinstimmen, und ich mochte es vergessen haben); doch auch aus Ihren Antworten entnahm ich soviel, daß der Mann bei mehreren nach einander folgenden Begattungen keinen Samen mehr besitzt, daher käme es, daß bei Völkern, welche weniger feurig und geil sind, die Vermehrung größer ist, wie bei hitzigeren – die Ungarn, Franzosen, Italiener, Spanier, Orientalen und Südslaven vermehren sich nicht so schnell und in so großer Zahl, wie die nüchternen Nordländer, namentlich unsere Landleute – und daß die Vermehrung sich im ehelichen Leben viel mehr zeigt, namentlich unter den ärmeren Volksklassen, als in sogenannter wilder Ehe oder im Konkubinat und unter der Aristokratie.

Unter den Mitteln, die der Verfasser des Buches als die sichersten erwähnte, befand sich auch eins, von welchem er sagt, daß es nichts anderes sei, als inwendig kochen und auswendig anrichten, daß nämlich der Mann, wenn er die Krisis kommen fühlt, seinen Pfeil aus dem Köcher herauszieht und seinen Samen auf dem Bauche oder auf den Schenkeln der Frau verspritze. Ich glaube kaum, daß ein Mann seiner so sehr Herr sein könnte, um dies immer auszuführen. Außerdem fällt dabei der höchste Genuß sowohl bei dem einen wie bei der anderen weg. Ist nicht eben jener freilich gefährliche, doch äußerst wollüstig elektrische Funke, welcher während der Samenentleerung ins Innere bis ans Herz der Frau dringt, das Ziel, wonach die Liebenden streben? Ich würde einen Mann, der mir dies angetan hätte, gehaßt haben.

Ich erinnere mich noch zweier Vorbeugungsmittel, die sehr einfach waren, und die ich anstatt der Condoms, welche ich niemals wieder anwendete, weil ich wirklich fand, daß der Genuß durch sie einen Abbruch erlitt, stets anzuwenden für gut fand, das eine war die silberne Kugel, das andere der Badeschwamm.

Eine silberne Kugel, nicht hohl, sondern massiv, mit einem kleinen angelöteten Ringe versehen, durch welchen ein Kautschukfädchen gezogen werden kann; die Kugel selbst von der Größe einer sehr großen Haselnuß, wird in die Liebesgrotte gesteckt, so daß sie durch ihre Schwere gerade hinabfällt und den Muttermund bedeckt, so daß der männliche Samen nicht in diese Öffnung dringen kann. Dieses Präservativmittel ist bei weitem weniger ungelegen als der Condom, ja, es steigert zuweilen die Wollust, denn wenn er sich so wendet, daß der Ring, durch welchen die Kautschukschnur gezogen ist, den Muttermund berührt und vom Amorpfeil gestoßen wird, so ist der Kitzel sehr angenehm; es ist freilich möglich, daß diese Kugel gerade im Augenblick der Samenentleerung vom Amorpfeil verrückt wird, dann nützt es freilich nichts; je schwerer und glatter aber die Kugel ist, desto geringer ist die Gefahr des Verrückens; das Schnürchen hängt weit genug heraus, daß man die Kugel leicht herausziehen und abtrocknen kann.

Ähnlich diesem Mittel ist die Anwendung eines Badeschwammes. Derselbe muß groß genug sein, um alle Räume des weiblichen Wollusttempels ganz auszufüllen, damit er nicht verschoben werden könne, er braucht aber auch nicht sehr dick zu sein, deshalb schneidet man ihn der Breite nach entzwei, so daß er nicht dicker ist als etwa ein Drittel- oder ein Viertelzoll. Hierbei ist keine Befruchtung der Frau möglich, weil der Schwamm den männlichen Samen gleich einsaugt, so daß der Muttermund höchstens etwas angefeuchtet wird, doch nichts in den Empfängniskanal spritzen kann.

Diese beiden Mittel sind namentlich dann gut, wenn die Rute des Mannes nicht lang genug ist, um an den Muttermund zu stoßen, und das weibliche Innere träge im Hintergrunde bleibt, denn da der Schwamm durch die Stöße des männlichen Gliedes jedenfalls berührt wird, so teilt sich diese Berührung den empfindlichsten Teilen im Innern der Wollustgrotte mit, und man kann überdies die Fläche des Schwammes, welche an den Muttermund anliegt, etwas rauh machen durch getrockneten Leim oder Siegellack.

Das erinnerte mich an eine Dame, die keinen Mann finden konnte, der sie vollkommen befriedigte. Ein Offizier hatte sich einen Kranz aus hartem Kautschuk mit einer Menge Einschnitte gemacht, den er um die Eichel seines Amorpfeiles steckte, so daß der Kranz von der Vorhaut so bedeckt war, daß es die Dame nicht sehen konnte, außer sie streifte die Haut ganz hinab. Sie war aber keine Frau, die viel Umstände machte; die vorläufigen Tändeleien hatten für sie keinen Wert, sie verlangte gleich nach der Hauptsache. Der Offizier drang mit seinem verpalissadierten Amor in ihre Höhle, und die zu Stacheln geschnittenen Rauhheiten des Kautschukkranzes rieben sie inwendig so auf, daß sie davon blutete, doch war auch der Genuß, wenngleich etwas schmerzhaft, so groß, daß sie die Schmerzen nicht beachtete. Doch konnte sie dieses Mittel nur selten benutzen, denn sie mußte Charpie auflegen, um die aufgeriebenen Teile zu heilen.

Nach diesen Präservativmitteln gab es in dem Buche eine Menge Mittel zur Abtreibung der Frucht, wenn entweder die Präservativmittel versäumt wurden oder nicht genützt hatten, was bei einigen, namentlich dem Condom, bei der Begattung von hinten oder durch das Verrücken der silbernen Kugel, geschehen konnte; diese werden Sie aber wahrscheinlich alle kennen. In Ungarn ist unter diesen Mitteln das bekannteste und am öftesten angewandte: das Decoct der Nadeln des Säbenbaumes (ich glaube es heißt juniperes sabin). Es gibt keine Bäuerin, die es nicht kennt. Es soll aber äußerst schädlich sein, ja wie man mir erzählte, sollen damit Vergiftungen geschehen sein.

Ich kehre jetzt nach diesen Abschweifungen zu meinen Erlebnissen zurück. Durch die Anwendung der beiden zuletzt genannten Präservativmittel kühn gemacht, ergab ich mich den Genüssen der Liebe; doch da ich keinen Mann fand, den ich so liebte wie Ferry, so blieb mein guter Ruf ungefährdet, da Ferry sehr vorsichtig war, so daß unser Liebesverhältnis vor aller Welt ein Geheimnis blieb.

Am schlimmsten fuhr dabei Rosa, denn Ferry ließ ihr von mir nichts übrig, nur sehr selten geschah es, daß er eine Nacht wegblieb und ich das arme Mädchen zu mir nahm. Ich fühlte Mitleid für sie. Da ich niemals eifersüchtig gewesen, denn ich fing ja die Liebesgenüsse mit Männern so an, daß ich sie teilen mußte, so war mir das Gefühl der Eifersucht ganz fremd geblieben. Ich dachte darüber nach, ob es mir nicht viel Genuß verschaffte, wenn ich sie in den Armen Ferrys Liebe genießen sehe. Die Entjungferung durch das Godemichette war eigentlich keine vollständige. Es geschah bei ihr sogar das Wunder, daß das Jungfernhäutchen neu entstand. Sie werden das als Arzt leugnen und mir sagen, es sei unmöglich. Ich kann Ihnen darauf nichts anderes antworten, als daß ich, einige Monate nach Beginn meines Liebesverhältnisses mit Ferry, Rosa eines Abends an der gewissen Stelle, dem Sitze der Wollust, berührte, und als ich meinen Finger zwischen die Lefzen in ihre Muschel steckte, auf Widerstand stieß. Ich ließ sie sich niederlegen, ihre Liebesgrotte dem Lichte zugewandt; sie spreizte ihre Schenkel weit auseinander, und ich untersuchte den Eingang. Ich sah nur eine ganz runde Öffnung, an den Wänden wenig elastisch, ganz so wie ich das Jungfernhäutchen im anatomischen Museum, welches während des Josephinenmarktes zu Pest aufgestellt worden war, gesehen hatte. Als Laie will ich nicht behaupten, was ich nicht im Stande bin unumstößlich zu beweisen.

Ich fragte Rosa, ob sie zufrieden wäre mit solch einem Geliebten wie Ferry; sie entgegnete, sie wünschte niemals einen Mann zu besitzen, so lange sie mich habe. Endlich sagte sie, wenn sie sich jetzt entschlösse ihre Jungfernschaft einem Manne zum Opfer zu bringen, so täte sie es nur, wenn ich darauf bestände. Ferry wäre ihr auch nicht lieber als jeder andere, den ich ihr aufoktroyierte.

Sehr wenige Weiber gibt es, die den Genuß kennen, ein Liebespaar in vollem Genuß der Begattung anzusehen, so wie es unter den Männern nur einige gibt, die nicht einen Ekel vor einer Frau fühlen, die sie geliebt, und von der sie betrogen wurden. Zu diesen seltenen Ausnahmen gehörten wir, Ferry und ich.

Er hatte mir sehr oft zugeredet, in seiner Gegenwart mit einem anderen Manne Wollust zu genießen, ich wollte es die längste Zeit nicht tun. Ich muß gestehen, daß ich anfangs dem unwürdigen Verdachte Raum gab, Ferry forderte es, um einen Vorwand zu haben, mich im Stiche zu lassen; es schien mir gar unnatürlich, daß er davon ein Vergnügen haben sollte. Er berief sich auf mehrere historische Beispiele, namentlich auf jenes des berühmten venezianischen Kriegshelden Gatta Melatta, der mit seiner Gattin nur dann zum Beischlaf gereizt wurde, wenn sie vorher mit einem anderen Manne Liebe genoß. Endlich schlössen wir miteinander einen Vertrag. Er sollte der Rosa in der Liebe Unterricht geben, und ich würde dann auch dasselbe mit einem jungen Manne tun.

Es war nicht so leicht, wie ich mir anfangs dachte, Rosa dazu zu bringen, daß sie einwilligte. Sie fiel mir um den Hals und weinte; sie sagte, ich liebte sie nicht mehr. Ich griff ihr unter den Rock, spielte an ihrer Spalte, küßte und züngelte sie, sog an den Wärzchen ihrer Brüste, die nicht größer, aber gewiß so hart und elastisch waren wie eine Apfelsine. Endlich brachte ich sie ins Feuer, daß ihr Atem immer kürzer wurde; Ferry half mir, sie zu entkleiden, bis sie ganz nackt vor uns stand. Ferry umarmte sie, sein Amorpfeil stieß an ihre Grotte, und ich sah, wie diese ein wenig zu schäumen anfing. Dies war der günstigste Moment. Ferry trug sie auf das Bett, legte eines der Kissen unter ihren Hintern, sie spreizte unwillkürlich ihre Schenkel auseinander, und er legte sich zwischen dieselben. Alle ihre Muskeln bebten und sie schloß ihre Lider. Die kleine Schelmin, sie wollte es nicht gestehen, wie sehr sie nach Genuß lechzte! Ich kniete auf ihrem Kopfkissen, so daß ihr Kopf gerade unter meinem Bauch und zwischen meinen Beinen lag, sie drückte mich mit der Linken an sich, mit der Rechten umarmte sie Ferry, dem ich meinen Hintern zuwandte, so daß er gleichzeitig auch mit seiner Zunge an meiner Wollustgrotte spielen konnte, ebenso auch Rosa. Es war ein außerordentlich wollüstiges Gefühl für mich, dieses doppelte Zungenspiel, Ferry unten, Rosa am Kitzler. Als er bei ihr das neuangewachsene Jungfernhäutchen sprengte, sog sie eben an meinen Schamlefzen; ich weiß nicht ob es aus Wollust oder Schmerz geschah, aber sie biß darein. Selbst dieser Schmerz war wollüstig, und sowohl Rosa wie ich konnten uns nicht enthalten, in Worten unseren Gefühlen Luft zu machen, nur Ferry blieb stumm. Bei manchem Menschen pressen die Leidenschaften und Gefühle Worte heraus. Andere machen sie stumm.

Rosa bewegte sich unter Ferry so stark, daß er Mühe hatte, sich so zu halten, daß er im Besitz ihrer Wollustgrotte blieb; sie hob ihn beinahe in die Höhe. Anfangs war es ein leises Wimmern, welches sie hören ließ, dann ging es über in wollüstiges Stöhnen und eine Art Girren, wie man es bei den Täubchen hört. Ich glaubte, sie wollte ihn ganz in sich hineinstoßen, so sehr drückte sie ihn an sich. Der doppelte Zungenkitzel an meiner Wollustspalte war so groß, daß er nicht nur auf die Wollustkanäle, sondern auch auf meine Wasserblase wirkte, um so mehr, als ich während des Soupers viel Selterwasser und Champagner getrunken hatte, und daß sie mich übersprudelte. Rosa und Ferry teilten sich in diesen schäumenden Erguß und er wirkte auf beide sympathisch, denn auch ihnen entströmten die heißen Säfte, so daß wir in einer ungeheuren Lache lagen; das Wasser sickerte durch alle Bettücher. Dies steigerte bei uns den Genuß und es erfolgte eine reichliche wollüstige Entleerung unserer Begattungsorgane, die dem ersten Erguß nicht viel nachstand. Wir lagen nun aufeinander und ineinander verschlungen, die duftenden, wollüstig heißen Körper dampften und ich vergrub meine Nase unter den Achseln Rosas, ich war berauschter, als wenn ich noch so viel getrunken hätte. Es war die wollüstige Ohnmacht, welche nicht enden zu wollen schien.

Endlich erholten wir uns und verließen das ganz durchweichte nasse Bett. Ferry hatte mir geraten, ein Bad zu nehmen, und wir gingen nach meinem Badekabinette, wo eine große Kufe stand. Ich hatte mir diesen Luxus in Pest angewöhnt, damit ich zu jeder Stunde des Tages baden konnte. Die Kufe ward erst gefüllt, als wir uns ins Bett legten; das Wasser war also noch ganz warm. Wir stiegen hinein und fühlten uns wie verjüngt durch das Bad.

Ferry war ein Meister im Genuß, er kannte alle Mittel, um denselben zu erhöhen. Als wir das Wasser verließen, wollten Rosa und ich uns abtrocknen, er aber sagte, wir wollten es nicht tun, sondern uns mit Seife einreiben, dann mit Öl, so daß unsere Körper glatt und schlüpfrig waren, wie die der Aale. Er hieß mich, meinen Oberkörper über die Kufe beugen und hob Rosa hinauf auf seine Schultern, so daß sie halb auf ihm saß mit dem Gesichte ihm zu gewendet. Er sog an ihrer Wollustgrotte, während er mich von hinten angriff und zwar in einer Weise, wie es die Päderasten tun, denn er stieß seinen Speer nicht in meine Wollustgrotte, sondern in die hintere nachbarliche Öffnung. Er hatte die Wände derselben so eingeölt, daß er leichter hineinkam, als ich gedacht; doch verursachte er mir anfangs Schmerzen. Ich hatte dies noch niemals versucht und biß meine Zähne zusammen. Während dieser Einnahme der hinteren Befestigung spielte er mit beiden Händen an meiner vorderen Spalte und steckte drei Finger der linken Hand hinein. Ich fühlte, wie seine Finger in meinem Innern herumwühlten, und sein Amorpfeil nur durch eine dünne, schleimige Haut von seinen Fingern getrennt war. Auch ich fühlte diese Berührung, und die Wollust paarte sich bald mit dem Schmerze, so daß auch dieser sehr wonnig war. Er ließ jetzt Rosa hinabgleiten, so daß sie sich nur mit ihren Waden und Füßen, die sie auf ihren Schultern kreuzte, an mir festhielt, während ihr Wollusttempel gerade auf meinen Mund kam. Ich steckte den Finger der linken Hand in ihren Mastdarm; mit dem der rechten Hand spielte ich oben an ihrem Kitzler, während ich meine Zunge, so tief ich es vermochte, in ihre Wollustgrotte steckte. Ich kann dieses Spiel nicht anders als großartig in seiner Art nennen. Die drei geölten, glatten, heißen Körper schienen ineinander verschmelzen zu wollen. Die Krise kam uns gleichzeitig; doch hätte sie viel eher kommen können, wenn Ferry seine Besinnung verloren hätte, er aber wollte den Genuß verlängern und hielt mehrere Male an, zog sogar seinen Pfeil aus dem Köcher und kniete nieder, um mit seiner Zunge dort zu spielen, wo er so grausam gehaust. Bei jedem neuen Angriff fühlte ich anfangs dieselben Schmerzen, und dann auch die gleiche Wonne wie zum ersten Male. So machte er es viermal, bis wir alle drei zitterten und bebten vor Wonne. Bei Rosa war die Wollustquelle zweimal übergesprudelt, und beide Male verschlang ich den milchweißen Saft mit Gier. Ich bedauerte, daß es nicht in ihrer Macht lag, diesen Erguß bis ins Unendliche zu verlängern; ich würde ihn hintergeschlürft haben, wie der Säugling die Milch seiner Mutter. Endlich fühlte ich den heißen Wolluststrom Ferrys, wie er sich in meinem Innern ergoß, gleichzeitig aber durchrieselte es mich kalt wie Aprilschauer, und seine Finger waren gebadet in der Milch, die aus meinem Innern herausströmte in dicken Strahlen; er führte seine Hand an die Lippen und trank, was er gesammelt hatte, so wie ich dasjenige schlürfte, was mir Rosa aus ihrem Wollustbecher reichte.

Nach diesem zweiten Wollustspiele, welches ich bis an mein Lebensende nicht vergessen werde, denn ich erinnere mich, niemals weder früher noch später, eine solche Wollust gefühlt zu haben, legten wir uns zu Bette, und zwar diesmal in dasjenige Rosas, da das meinige ganz naß war. Ferry lag zwischen uns und wir drückten ihn von beiden Seiten an uns.

Ich begreife seit jener Nacht die Eifersucht der Weiber noch viel weniger, als ich sie sonst begriffen, ja, mir erscheint es viel vernunftgemäßer und natürlicher, daß es nicht so sein soll, als es in der zivilisierten Welt geschieht. Der Genuß wird ja dadurch nur erhöht, und man darf doch die Begattung und die Wollust nicht als etwas betrachten, was uns von der Natur zugewiesen, auf daß sich die menschliche Rasse vermehre. Ja, ich glaube, daß der Zweck nicht die Vermehrung, sondern die Wollust ist. Doch, ich will darüber keine Worte verlieren; ich befürchte, mit den Philosophen und Staatsökonomen darüber in Streit zu geraten. Für gewiß aber halte ich es, daß die Natur deshalb diese wollüstigen Empfindungen dem Menschen geschenkt hat, damit das Weib für die vielfältigen Schmerzen, die dem Genüsse folgten, einigermaßen schadlos gehalten werde.

Schon am nächsten Tage mahnte mich Ferry an die Erfüllung meines Versprechens. Er sagte, er bürge mir dafür, daß es niemand erfahren würde; doch ich müßte mich entschließen, eine kleine Reise zu machen. Er sagte nicht wohin.

Es war im Frühjahr; das Wetter konnte nicht schöner sein, als er mir eröffnete, daß wir am nächsten Morgen Pest verlassen würden. Er blieb den ganzen Tag bei mir; er hatte überall seine Abschiedsvisiten gemacht und man glaubte, er habe Pest schon vor drei Tagen verlassen.

Er sagte, dies geschehe, damit niemand wisse, wir seien miteinander fort. Die Zeit meines einmonatigen Urlaubs war gekommen; ich wollte in Preßburg, Prag und auf der Rückreise in Wien einige Gastrollen geben, und im Juli nach Pest zurückkehren.

Wir verließen Pest an einem Sonntage um 2 Uhr nach Mitternacht. Wir benutzten weder das Dampfboot, noch die Eisenbahn, sondern fuhren auf dem Wagen Ferrys mit der Schnell- oder Bauernpost und trafen um 8 Uhr – beinahe zehn Meilen entfernt – in Reßmely ein, kamen nach Igmand und dann immer weiter in südwestlicher Richtung, so daß wir zu Mittag in dem berüchtigten Bakonyerwalde ankamen. Hier kehrten wir in einer Schenke ein, welche inmitten des Waldes liegt. Das Mittagsmahl war für uns schon bestellt. Einige Männer mit verdächtigen Gesichtern befanden sich im Hofe und in der Gaststube; sie waren bewaffnet mit Flinten, Pistolen und Beilstöcken. Ich hielt sie für Räuber, und es war mir ziemlich unheimlich zumute. Ferry unterhielt sich mit ihnen in ungarischer Sprache. Ich fragte ihn, wer diese Leute seien; er sagte mir, es seien arme Kerle, was gleichbedeutend mit Räubern ist. Er fügte hinzu, ich habe nichts von ihnen zu befürchten, ich würde mich sogar mit ihnen befreunden. Nachmittags, als wir in die Kalesche stiegen, ritten fünf dieser Menschen vor und neben uns her, einige von ihnen waren fortgegangen, ehe wir aufbrachen.

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