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Aus den Memoiren einer Sängerin

Memoiren einer Sängerin 14

Erotischer Roman (Kapitel XIV)


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Wilhelmine Schröder-Devrient, Aus den Memoiren einer Saengerin, Verlagsbureau, Altona, tome I, 1862 ; tome II, 1870.


XIV

Die Reise im Walde ging nicht mehr so schnell wie bisher. Es gab Stellen, wo die Wege sehr schlecht waren, und ich hielt es für besser, auszusteigen. Endlich hielten wir im dichten Walde. Ferry lud mich zu einem Spaziergange ein, und der Wagen fuhr nach einem Gebäude, welches ganz das Aussehen einer Dorf schenke hatte; auch die Räuber gingen vor uns und bogen die Zweige um, damit wir bequem hindurch kommen konnten. Nach einer Stunde Lustwandelns im duftigen Walde kamen uns zwei Männer entgegen, der eine ein Mann von etwa 32–35 Jahren, eine wahre Herkulesgestalt, mit wildem Ausdruck im Gesichte, doch mit regelmäßigen Zügen, und ein Jüngling von etwa 20 Jahren, ein wahrer Adonis von Schönheit. Beide gehörten zu dieser Räuberbande. Ferry stellte sie mir vor, dann wandte er sich zu mir und sagte, diese beiden würden es sein, mit denen ich Liebe genießen sollte, ich habe nichts zu befürchten, denn diese Leute kennten mich nicht und kämen mit der Außenwelt nur in einer gewissen Weise in Berührung, wenn sie Reisende plünderten. Ich wunderte mich nicht wenig darüber, wie höflich und zart sie mich behandelten. In einer Lichtung hielten wir. Ein ziemlich breiter und tiefer Bach ringelte sich durch den Wald, und Ferry bezeichnete diesen Platz als denjenigen, wo ich mich den Umarmungen der beiden Räuber hingeben sollte. Der Herkules hatte bald seine Kleidung von sich geworfen, der Jüngling errötete und schien ein wenig zu zaudern, doch als ihm Ferry in peremptorischem Tone gesagt hatte, es müßte geschehen, folgte er dem Beispiele seines Kameraden. Während er sich langsam entkleidete, sagte mir Ferry, ich sollte mich meinen Empfindungen und den Eindrücken hingeben, die diese beiden Männer auf mich machten; je ausgelassener ich sein würde, je mehr ich zeigte, daß ich sie liebe, desto angenehmer wäre es ihm, und ich sollte mich entkleiden. Ich kannte seine Gedanken so genau, als ob ich sie gelesen hätte. Ich schloß nach meinen eigenen Gefühlen und fand es natürlich, daß es ihm gefallen würde, wenn ich recht ausgelassen sein wollte. Ich nahm mir also vor, ihn ganz glücklich zu machen durch mein freches Benehmen. Ich rief die beiden nackten Männer herbei und sagte ihnen, sie sollten mich entkleiden. Ich zog sie bei ihren Amorpfeilen zu mir. Derjenige des Jünglings, welcher ganz schlaff herabhing, verwandelte sich in dem Augenblicke, in welchem ich ihn berührte, aus einem unscheinbaren Pilz in einen Eichenast, er bäumte sich bis über seinen Nabel, derjenige des Riesen war schon steif und groß, als er seine Beinkleider von sich warf. Als ich auch nackt war, nahm ich den Speer des Jünglings in meinen Mund und kitzelte an dem kleinen Munde seines Amorkopfes, kaum war ich aber mit meiner Zunge daran gekommen, als eine Entladung erfolgte, die so heiß in meinen Mund spritzte und ihn ganz füllte, daß ich schnell schlucken mußte, damit ich ja keinen Tropfen verlor. Gleich darauf packte mich der Riese an den Hüften, zog mich herauf zu sich, so daß meine Hinterbacken an seinem Bauche lagen, sein Speer fand sich, ohne daß er ihm mit der Hand eine Richtung zu geben brauchte, in meine Muschel, und ich glaubte, er würde mir bis zum Herzen dringen; seine Stöße waren langsam, abgemessen und kräftig, bei jedem glaubte ich ihn Ohnmacht fallen zu müssen. Ich ließ aber den entleerten Pfeil des Jünglings nicht fahren, sondern hielt ihn fest an mich gedrückt und sog an ihm, bis er sich wieder hob.

»Schmeckt es Dir?« fragte mich Ferry, der sich noch nicht entkleidet hatte.

Da ich den Amor Kalmans – so hieß der junge Räuber, im Munde hatte, konnte ich nur mit meinen Augen antworten, und diese waren, ich fühlte es, ganz verdreht vor Wollust, denn schon öffneten sich bei mir die Schleusen, und ich überschwemmte den Riesenpfeil meines Riesen mit dem Nektar aus dem Urquell des höchsten Vergnügens, er aber hielt noch immer nicht an und stieß ohne Ermatten. Unser Wollustspiel währte eine starke halbe Stunde, ehe auch er die Krise bei sich herannahen fühlte.

»Daß Du ihr ja kein Kind machst«, rief ihm Ferry lachend zu.

»Seien Sie unbesorgt, dort, wo ich enden will, empfängt ein Frauenzimmer nicht.«

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als sein Pfeil aus meiner Muschel herausglitt, und ich glaubte, vor Schmerz zu vergehen, als er in der Nachbarschaft oben in meinen Mastdarm eindrang. Er gab mir aber nur zwei Stöße, und ich fühlte seinen Nierensaft dort hineinspritzen. Es währte beinahe eine Minute, bis der Erguß ein Ende nahm, und er entschädigte sich für seine lange Arbeit reichlich. Dann aber zog er seinen Pfeil heraus, und ich sah, daß dieser ganz blutig war. Es war mein Blut, denn er hatte mich ganz aufgerissen, so daß ich weder sitzen noch stehen, noch viel weniger gehen konnte. Er trug mich nach dem Bach und wusch mit seinen Fingern die Wunde aus. Nach und nach fühlte ich etwas Erleichterung, doch ich war unfähig zu gehen, und es tat mir leid um den schönen, jungen Burschen, dem ich kein Vergnügen gewähren konnte, außer mit der Zunge.

Ich saß über eine Stunde im Wasser, dann hob mich der Riese heraus, und alle drei Männer halfen mir beim Ankleiden. Sie trugen mich dann nach einer Hütte, wo ich mich zu Bette legte und auch meine Mahlzeit erhielt.

Was soll ich Ihnen von den drei Tagen erzählen, die ich im Walde zubrachte? Es war eine Ferienzeit für Ferry. Jeden Tag wechselte ich mit meinen Liebhabern, es waren neun Räuber. Am dritten Tage hielten wir eine große Orgie, mehrere Bäuerinnen, Mädchen und Frauen kamen dahin, und wir feierten solche Saturnalien, daß es Agrippina nicht mehr tun konnte. Diese Bäuerinnen waren in Liebesspielen ebenso geschickt, so erfinderisch, wie die Damen der Pester Aristokratie, und die letzteren hätten von ihnen so manches lernen können.

Während meiner Urlaubszeit war ich im Genuß mäßiger geworden, nur Rosa begleitete mich überall hin. Ferry verließ mich nicht ohne zärtlichen Abschied. Es war die höchste Zeit, daß ich wieder Kräfte sammelte, denn die Ausschweifungen würden mich zugrunde gerichtet haben.

Von den übrigen zwei Jahren, die ich noch in Pest zubrachte, sowie von meinem einjährigen Engagement in Prag will ich Ihnen nichts sagen. Ich lernte die Richtigkeit des französischen Sprichwortes »Ni jamais, ni toujours, c’est la devise des amours« (weder nie, noch immerfort, dies ist der Liebe Losungswort) zu würdigen.

Ich hatte mein 27. Lebensjahr erreicht, meine beiden Eltern, derentwillen ich sparte, waren in einem kurzen Zeitraum von einer Woche dahingerafft worden. Ich stand sozusagen allein auf der Welt, die meisten meiner Verwandten hatte ich verloren, ehe ich zum Theater kam. Die Tante, bei der ich in Wien gewohnt, hielt es noch am längsten aus, sie starb ein Jahr, nachdem ich Pest verlassen, die jüngeren, meistens weitläufigen Verwandten, hatten mich niemals sehr interessiert. Jener Cousin, von dem ich Ihnen einmal gesprochen, war in Militärdienste getreten, er hatte die ehrenhafte Gewohnheit, die ihn als unmündigen Knaben besessen, zwar ganz aufgegeben, ward aber zu einem solchen Wüstling, daß man nicht zweifeln konnte, er würde sich durch seine Ausschweifungen zugrunde richten. Ich selbst hatte einerseits viel Glück, andererseits aber trafen mich viele harte Schläge. Noch während meiner Anwesenheit in Pest verlor ich zwei meiner ersten Liebhaber, Arpad H ..., welcher eine Anstellung bei der Gesellschaft in Konstantinopel erhielt, und Ferry, der nach Amerika auswanderte. Ehe er diesen Schritt tat, der ein gezwungener war, schrieb er mir noch einen langen zärtlichen Brief, in welchem er mich seiner unwandelbaren ewigen Liebe versicherte. Er schrieb mir, wenn ich nach Amerika kommen wollte, würde er mich heiraten, doch dürfte er nicht in Europa bleiben, weil er dabei sein Leben aufs Spiel setzte. Die Räuberbande, deren Mitglieder meine Liebe genossen hatten, wurde gefangen, der Herkules und der schöne Jüngling endeten am Galgen. Mir blieb niemand als Rosa, die mich an die wonnigen Zeiten erinnerte, die ich in Pest zugebracht.

Ich will Ihnen von meiner künstlerischen Karriere nicht sprechen, diese wird Sie wohl wenig interessieren; um sie zu kennen, brauchten Sie nur die Journale gelesen zu haben, was Sie gewiß getan.

In einer der kommerziellen Städte Deutschlands wurde ich mit einem italienischen Impresario bekannt, der hier durchreiste und mich in einem Konzerte und in einer Oper singen gehört hatte. Er besuchte mich in meiner Wohnung und machte mir den Vorschlag, ich möchte nach Italien kommen. Ich sprach vollkommen italienisch; er meinte, mir fehlte dazu, daß ich mit den italienischen Sängerinnen um die Palme des Vorranges streiten könnte, nichts anderes als die Praxis, um auf so kolossalen Bühnen wie San Fenice, La Scala und San Charlo aufzutreten, und wenn ich in Italien gefiele, dann wäre mein Glück für immer begründet. Vor allem sollte ich am Pergolatheater in Florenz auftreten, hierdurch würde ich mir den Weg nicht nur zu allen Theatern Italiens, sondern der ganzen Welt bahnen. Ich zögerte nicht lange, sondern schloß mit ihm einen Kontrakt auf zwei Jahre ab und erhielt eine Gage von 30000 Francs und zwei Benefizvorstellungen.

In Italien hatte ich für meinen Ruf weniger zu befürchten, als an den Plätzen, wo ich bis jetzt gesungen. In Italien kümmert sich niemand um die Aufführung einer unverheirateten Frau. Die gewisse Tugend, auf welche man im übrigen Europa so viel hält, hat gar keinen Wert, man fordert sie noch eher von einer verheirateten Person, als von einem Mädchen. Ich finde das sehr vernünftig, und wenn eine Dame, die schon die Liebe in allen Nüancierungen genossen, heiraten will, sind die Italiener nicht so vorurteilsvoll, um ihr Vorleben in Anschlag zu bringen. Es gibt vielleicht keinen einzigen Mann, der darauf zählte, eine Jungfrau zur Gattin zu erhalten, wenn sie mehr als 15 Jahre ist.

In meinem 27. Jahre hatte ich erst den Höhepunkt meiner Schönheit erreicht. Alle diejenigen, die mich gekannt, als ich nach Wien und später nach Frankfurt gekommen, versicherten mir, daß ich unvergleichlich schöner sei, als ich gewesen, und man hielt mich nicht für älter als 20–22 Jahre.

Ich hatte eine kräftige, unverwüstliche Natur. Trotz meines feurigen Temperamentes besaß ich die Kraft, meine Begierden zu zügeln, wenn ich sah, daß meine Gesundheit von den Genüssen der liebe angegriffen wurde. So gut ich in Frankfurt während zweier Jahre vollkommen keusch blieb, so tat ich es auch später, nachdem ich Pest verlassen. Sogar in meinen homosexuellen Genüssen mit Rosa ward ich mäßiger, und sie forderte mich niemals dazu auf. Es schien mir beinahe, als hätten sich meine Gefühle ihr mitgeteilt, etwa so wie es bei dem siamesischen Zwillingspaare der Fall sein soll. Ich führte stets ein Tagebuch. Wie wäre es anders möglich, daß ich Ihnen so genau meine Lebensbeschreibung mitteilen konnte, wenn ich das nicht getan hätte? Indem ich darin nachschlage, finde ich, daß ich nach meiner Liaison mit Ferry, welche nur 10 Monate währte, in den folgenden 5 Jahren mit Rosa nicht öfter als 62 Mal den Genuß des homosexuellen Beischlafes gehabt hatte, so daß auf einen Monat nur ein solcher Exzeß fällt. Sie können doch nicht sagen, daß dies nicht das non plus ultra der Mäßigkeit ist? Und daß ich während der ganzen Zeit keinem einzigen Manne auch nur die geringste Gunst gewährte. Nebenbei lebte ich stets gut, war niemals krank, pflegte meinen Körper in jeder möglichen Weise und beging auch in anderer Beziehung keine Exzesse.

In Florenz machte ich die Bekanntschaft eines sehr interessanten Mannes, jenes Engländers, den ich oben erwähnt. Er war – wie Sie sich denken können, kein Jüngling mehr, denn er zählte bereits 59 Jahre. Mit diesem Herrn konnte ich über alles sprechen. Er war ein vollkommener Epikuräer und studierte die menschliche Natur; seine Ansichten harmonierten mit den meinigen. Erst durch ihn lernte ich mich selbst kennen. Viele Dinge, für die ich keinen Schlüssel bis jetzt gefunden hatte, wurden mir von ihm in der plausibelsten Weise erklärt. Daß die Natur des Weibes von jener des Mannes ganz verschieden ist, das hatte ich schon längst erkannt, ohne zu wissen, weshalb es so ist. Er gab mir die physiologischen und psychologischen Ursachen an. Seine Philosophie war sehr einfach und faßlich, es war unmöglich, seine Vernunftgründe zu entkräften. Er war durchaus nicht Zyniker, und in Gesellschaften hielt man ihn für einen sehr moralischen Menschen, obschon er keine Eigenschaften heuchelte, die er nicht besaß. Er machte mir den Hof, doch nicht, um von mir jene Gunst zu erlangen, nach welcher alle Männer so lüstern sind, sondern weil er in mir eine Person fand, die seine Worte und den Sinn derselben auffaßte. Dennoch nahm ich an ihm wahr, daß er sich für sehr glücklich gehalten hätte, wenn ich mich ihm auch körperlich hingegeben hätte. Dies war natürlich. Ohne ein Narciß zu sein, hatte ich das Bewußtsein meiner körperlichen und geistigen Vorzüge, ich brauchte mich nur im Spiegel zu besehen und anderer Frauen Äußeres mit dem meinigen zu vergleichen. Sie selbst haben mir ja gestanden, daß Sie noch keinen so tadellos geformten weiblichen Körper gesehen, wie den meinigen, und um wie viel Jahre später geschah das nach meiner Bekanntschaft mit Sir Ethelred Merwyn.

Mich pikierte es nicht wenig, von dem Engländer stets mein Lob zu hören, ohne daß er einen Sturm auf mein Herz oder etwas anderes, – denn das Herz ist ja nur eine Redensart; es soll ein Fürsprecher für etwas Süßeres sein, sonst nichts, – zu unternehmen gewagt hätte. Meine Koketterie stieß ihn ab. So wie er mir schon alles, was ich wissen wollte, erklärt hatte, so wollte ich auch eine Erklärung dafür, weshalb er mir gegenüber ein Stoiker blieb.

Ein Sprichwort sagt: »Wenn der Berg nicht zu Mohammed kommt, muß Mohammed zum Berge gehen.« Diesmal war Sir Ethelred der Berg, und ich mußte, wenn ich Erklärungen haben wollte, mich in den großen Propheten verwandeln.

»Ich gestatte Ihnen doch alles, Sir Ethelred«, sagte ich ihm einmal, »wie kommt es, daß Sie in Ihrer Courmacherei die Grenzen der Freundschaft niemals überschreiten? Wie Sie mir selber gestanden, sind Sie doch ein großer Lovelace gewesen, ja, ich weiß sogar, daß Sie auch jetzt noch Liebschaften haben.«

»Sie irren, Madame, ich habe keine Liebschaften«, entgegnete Sir Ethelred. »Sie werden doch nicht von einem Manne meines Alters voraussetzen, daß er jene ephemeren Genüsse, die er für Gold eintauscht, für Liebschaften hält?«

»Ich spreche Ihnen von Loretten und anderen käuflichen Weibern. Sie haben nur den zweiten Teil meiner Frage beantwortet. Halten Sie mich für eine so herzlose Kokette, die damit stolzierte, wenn sie Sie an ihren Triumphwagen schmiedete? Glauben Sie nicht, daß Sie im Stande seien, einem Weibe meines Alters Liebe einzuflößen?«

»Ich glaube, daß das möglich ist. Wenn Sie mir auch die höchste Gunst gewähren, so geschehe dies doch nicht aus Liebe, sondern aus Mitleid. Höchstens könnte es eine krankhafte Begierde sein. Sie haben bis jetzt nur junge Männer gekannt, Sie möchten mich in voller Lächerlichkeit sehen.«

»Sie sind ebenso ungerecht gegen sich, wie gegen mich. Ich habe Ihnen erzählt, daß ich einen Mann gekannt, der mir ins Gesicht sagte, er verschmähte jede Eroberung, die sich ihm nicht freiwillig anböte. Sie sind auch so eitel, daß Sie von einer Frau, die Ihnen gefällt, so etwas fordern? Sie riskieren doch dabei gar nichts. Wenn Sie auch eine abschlägige Antwort erhielten, so dürften Sie es auf Rechnung Ihres Alters schreiben und sich damit trösten, daß Sie nicht abgewiesen worden wären, wenn Sie einige Jahre weniger zählten, wogegen eine Frau sich sehr gedemütigt fühlen müßte, wenn Sie bei ihr den keuschen Joseph spielen wollten. Eine allzu große Bescheidenheit und Schüchternheit kleidet einen Mann nicht gut.«

»Noch weniger kleidet es ihn, wenn man von ihm sagt, er sei ein alter Faun.«

»Sie sind noch ein schöner Mann und besitzen Eigenschaften, die Ihre Jahre vergessen machen. Angenommen, ich setzte mich über die Vorurteile meines Geschlechts hinweg, ich sagte Ihnen, Sie dürfen von mir alles hoffen, alles fordern; würden Sie sich auch dann noch nicht entschließen, die Ihnen angebotene Gunst anzunehmen?«

»Sie setzen einen unmöglichen Fall voraus. Sie würden es niemals tun!«
»Immerhin könnten Sie mir sagen, ob Sie mich zurückstoßen würden oder nicht.«

»Ich wäre ein Wahnsinniger, wenn ich es täte; ich würde zugreifen«, sagte Sir Ethelred.

»Sie würden mich aber im Herzen verachten, mich entweder für eine Hetäre oder für eine Messaline halten?«

»Nichts weniger. Der Geschmack und die Laune einer Frau sind unergründlich. Ich würde Sie lieben, und diese Liebe machte mich zum glücklichsten Sterblichen.«

Das, was er zuletzt sagte, stand in Widerspruch damit, was er vorhin gesagt. Ich war ihm näher gerückt, legte meine Hand auf seinen Arm und blickte ihn so schmachtend an, daß er von Stein hätte sein müssen, wenn er widerstanden hätte. Ich haßte nichts so sehr als die Koketterie, wenn sie nicht als ernste Waffe oder um Rache zu üben angewendet wird. Ich hatte keine Ursache, mich an Sir Ethelred zu rächen, er hatte sich gegen mich stets als Freund benommen. Ich will nicht sagen, ich wäre in ihn verliebt gewesen, doch glaubte ich, es würde möglicherweise bei einem intimeren Verhältnisse vielleicht auch dieses Gefühl bei mir eintreten. Ich setzte ihm also solange zu, bis er alle seine Grundsätze vergessend mir zu Füßen sank, meine Knie umarmte, meine Füße küßte und immer unternehmender ward. Ich leistete gar keinen Widerstand, sondern ließ ihm freies Spiel; er schlang seinen rechten Arm um meinen Leib, griff mit der linken Hand unter meine Röcke und brachte sein Gesicht dem meinigen nahe. Ich wartete nicht erst darauf, daß er mir den ersten Kuß gäbe, ich kam ihm zuvor, und in derselben Zeit hatte ich auch meine Schenkel so auseinander gespreizt, und meinen Bauch etwas vorwärts geschoben, daß er ungehindert bis an den Wollusttempel kam. Mich selber hatten diese Präliminarien auch erhitzt, und er fand meine Grotte ganz feucht und brennend. Er sprach nichts, sondern seufzte, und ich sah, daß eine Träne in seinem Auge glänzte. Es schien, als glaubte er selber nicht an sein Glück. Ich entwand mich dann seinen Armen und ging auf die Tür zu, die ich verriegelte. Ich sagte ihm hierauf, daß wir uns zu Bette legen wollten, daß er sich entkleiden möge, zuvor aber sollte er mir helfen, mich meiner Kleider zu entledigen.

Sie hätten den Engländer sehen sollen, wie er mich anblickte, als ich nackt vor ihm stand. Er glaubte zu träumen, er kniete vor mir und küßte jedes Fleckchen meines Leibes. Es verursachte mir viel Vergnügen, ihn so glücklich zu wissen, und ich schickte mich an, ihn ebenfalls zu entkleiden, was er kaum zulassen wollte; erst als ich ihm sagte, daß ich dies gern täte, gestattete er es mir.

Ich begreife nicht, weshalb er sich mir gegenüber so schüchtern benahm, sein Körper war doch sehr schön, sein Amor hob sich stolz empor, seine Haut war fein, glatt und weiß, ohne den geringsten Anflug von Gelb, im Gegenteil, sie hatte einen rosigen Schimmer. Ich legte mich zu Bette, er kniete noch immer vor mir, küßte jede meiner Zehen, steckte sie einzeln in den Mund und sog an ihnen, dann stand er auf, beugte sich über mich und küßte meine Wollustgrotte, die sich bei der Berührung mit der Zunge wollustlechzend öffnete und ihren Gast zu erwarten schien. Auch Sir Ethelred muß gewußt haben, daß nur die erste Samenentleerung gefährlich ist, denn er war vorsichtig genug, sich zurückzuziehen, ehe sein Samen zu überströmen anfing. Er hielt mich einige Minuten in seinen Armen und lag an meiner Seite.

»Zweifeln Sie noch immer«, fragte ich ihn, als er mich zärtlich anblickte.
»Ich glaube zu träumen. Ich hatte niemals ein solches Glück zu hoffen gewagt. Ich kann es auch jetzt nicht begreifen. Sie können mich als ihren Sklaven benutzen, es gibt nichts, was ich Ihnen verweigern würde, wenn Sie es forderten.«

Sir Ethelred mußte schon manche Feldzüge im Gebiete der Liebesgötter mitgemacht haben. Es währte einige Zeit, ehe er sich soweit erholte, um das Liebesspiel wieder von vorn anzufangen, und ich mußte mit den Fingern und dem Munde nachhelfen, ehe ich seinen Amor wieder zum Stehen brachte. Ich wollte mich versichern, daß er mich nicht auf halbem Wege des Vergnügens im Stiche ließe, und er wollte das Liebesspiel schon beginnen, ich aber hielt noch eine Weile hin. Endlich, als ich wahrzunehmen anfing, daß ihm die Begierden beinahe Schmerzen verursachten, gestattete ich ihm ein neues Opfer. Diesmal legte er sich auf den Rücken, ich hockte über ihm. Indem ich seine beiden Hände faßte, neckte ich seinen Pfeil mit meiner Muschel, weil ich an demselben auf- und niederstreifte, ohne ihm den Eintritt zu gestatten. Der arme Mann schloß seine Augen, seufzte, stöhnte und als er es am wenigsten erwartete, spießte ich mich auf seinen Amor. Augenblicklich öffneten sich seine Augen, ich aber hob mich, daß er wiederum draußen war und nachstoßen mußte. So fuhr ich eine Weile fort, dann aber wurden meine Stöße gleichmäßiger, und ich bemühte mich, die Muskeln meiner Höhlung in Bewegung zu setzen, so daß sie nach seinem Pfeile schnappten, was eine große Seltenheit ist und von den Männern sehr hoch geschätzt wird. Es war gut, daß ich ihn so sehr ins Feuer brachte, ich würde sonst leer ausgegangen sein. Ich spürte schon das Herannahen der Krise bei mir, meine Bewegungen richteten sich danach ein, daß sie auch bei ihm die Öffnung seiner Schleusen beschleunigen sollten, endlich nahm ich an dem Ausdruck seiner Augen, die immer stierer wurden, und auch an den beschleunigten Stößen seines Amors, endlich auch daran, daß er meine Hinterbacken mit krampfhafter Wollust packte, mich in die Achseln biß und zu stöhnen anfing, als wollte er seine Lungen zersprengen, daß der Augenblick erschienen war, in welchem er eine zweite Ergießung folgen ließe. Diese säumte auch nicht mehr, und ich erhielt den Guß, ehe sich noch bei mir das Brünnlein öffnete, doch es vergingen kaum ein paar Sekunden, und er erhielt von mir Revanche. Ich war so ins Feuer geraten, daß ich beinahe ohnmächtig wurde, und nur der Schrecken über die Unbeweglichkeit und Steifheit meines Galans brachte mich zu mir selbst.

Im ersten Augenblicke glaubte ich, der Schlag müßte ihn gerührt haben, denn er gab auf meine Fragen keine Antwort; ich griff, meiner kaum mächtig, an seine Herzgrube und fühlte, wie sein vorzügliches Lebensorgan heftig hämmerte.. Ich machte einen Ruck nach rückwärts, daß sein Amor aus meiner Scheide herausfiel, und ich fühlte, wie aus ihm etwas Nasses an meinen beiden Schenkeln herabrieselte, demnach war er nicht ganz ohne Bewußtsein. Zum Glück stand ein Glas Wasser auf dem Nachttischchen neben dem Bette, im Bereiche meiner Hand; schnell griff ich danach und spritzte ihm einen großen Teil des eisig kalten Wassers ins Gesicht und über den Rücken. Das brachte ihn zu sich. Er erhob sich auf seinen Armen und blickte um sich, dann beugte er sich wieder über mich und gab mir einen Kuß auf dieselbe Stelle meiner Achsel, die er blutig gebissen. Ich sah ihm die Verlegenheit an und beruhigte ihn. Wir verließen das Bett und kleideten uns an. Sein Amor schien sagen zu wollen, er sei noch nicht erschöpft, denn er hob sich unter dem Hemde, und wer weiß, wenn ich ihn gereizt hätte, ob er nicht noch zu einem dritten Kampfspiele bereit gewesen wäre. So etwas aber wollte ich durchaus nicht wagen, es könnte ihm übel bekommen. Ich habe so manches darüber gelesen und gehört, daß Menschen in solchen Momenten vom Schlage gerührt worden, und zwar soll dies öfter bei Männern vorkommen als bei Frauen. Während meines Aufenthaltes in Pest war eine Dame so gestorben. Es müßte etwas Fürchterliches sein, einen Leichnam in den Armen zu halten.

Sir Ethelred mochte meine Gedanken erraten haben, und wir sprachen später, als wir in den Garten gingen, über diesen Gegenstand.

»Mein Gott«, sagte er, »wissen Sie nicht, wie weit einen eine krankhafte Leidenschaft: verleiten kann? Solche Fälle, in welchen Menschen mit Leichnamen Unzucht getrieben, gibt es viele. Die Gesetzgebung würde keine Strafen gegen Leichenschändungen verhängt haben, wenn solche nicht stattgefunden hätten. Ob sie in älteren Zeiten häufiger vorkamen als gegenwärtig, das kann ich nicht behaupten, doch daß viele solche Fälle auch jetzt noch vorkommen, ist gewiß. Während der napoleonischen Kriege ereignete es sich einmal, daß diese krankhafte Leidenschaft bei einer Person, an welcher sie verübt wurde, wohltätige Folgen hatte. Einige Tage vor der Schlacht bei Jena ward ein französischer Offizier im Hause eines evangelischen Pastors einquartiert, dessen Tochter am vorhergehenden Tage gestorben war, d.h. der Arzt, der sie behandelte, stellte ein Todeszeugnis über sie aus. Es war aber nichts als eine Katalepsie in sehr hohem Grade, wiewohl sie am nächsten Tage, nach dem Abmarsch der Franzosen begraben werden sollte. Wie gesagt, war aber das Mädchen nicht tot, und der Offizier, der in ihm einen Leichnam zu sehen glaubte, ließ sich von ihrer Schönheit hinreißen und schändete sie. Sie mochte eben durch die Elektrizität des Beischlafes zum Leben erweckt worden sein. Wer kennt den Galvanismus dieses Aktes? Sie empfing sogar, und am nächsten Morgen wurden ihre Eltern durch ihr Wiedererwachen auf das angenehmste überrascht. Sie wurde Mutter und war nicht imstande, den Urheber der Existenz ihres Kindes zu nennen, welches zu einem gesunden Knaben aufwuchs. Erst viele Jahre darauf, als derselbe Offizier zufälligerweise wiederum nach demselben Dorfe kam, klärte sich die Sache auf. Die Folge davon war, daß, da die Sache ruchbar wurde, die Herren Franzosen sich ähnliche Handlungen zu schulden kommen ließen, und diejenigen, die dabei ertappt wurden, redeten sich damit aus, sie hätten es aus Humanität getan, um verstorbene Mädchen wiederum ins Leben zurückzurufen. Dies gelang nun freilich keinem, denn solche Fälle der Katalepsie sind äußerst selten, und vielleicht schlägt auch das Mittel nicht immer gut an. Dennoch ist es gewiß, daß Leichenschändungen auch jetzt noch vorkommen, und sie werden sogar von Personen höherer Stände, eben zufolge ihrer Abgestumpftheit für natürliche Genüsse, öfter ausgeübt, als von Leuten der niederen Volksklasse. Unter den unzähligen Beispielen dieser Art, von denen ich gehört, will ich Ihnen nur eins nennen: das des österreichischen Ministers Fürsten von S ... Dieser ließ sich weibliche Leichname aus dem Wiener allgemeinen Krankenhause auf seine Wohnung holen, um sie vorgeblich zu anatomisieren, denn er war Dilettant in dieser Wissenschaft. Die Ärzte aber kamen dahinter, daß er einige der Menschenleichname geschändet hatte, da das Jungfernhäutlein, welches noch ganz und unversehrt gewesen, als der Leichnam aus dem Hospital kam, zersprengt wiederum zurückkehrte.

Eine solche Leidenschaft kann für denjenigen, der sich ihr hingibt, sehr gefährlich, ja, sogar tödlich sein, denn die Wirkungen des Leichengiftes sind schrecklich. Es kann sich den Schleimhäuten in einem vorgeschrittenen Stadium der Verwesung mitteilen und wirkt dann in kürzester Zeit. Das männliche Glied braucht nur an einer Stelle aufgerieben zu sein oder eine geringe, kaum merkbare Pustel an sich zu haben, so ist der Leichenschänder dem Tode verfallen. Gewöhnlich aber tritt eine solche Verwesung erst am dritten oder vierten Tage ein, deshalb sind auch die Leichenschänder sehr vorsichtig. Diese Vorsicht ist namentlich in einem heißen Himmelsstriche und zur Sommerzeit noch notwendiger, weil hier der Leichnam eher verwest. Dennoch bin ich überzeugt, daß dieses Laster, namentlich hier in Italien, ein viel verbreiteteres ist, als anderswo, denn hier wirkt das Klima mehr aufregend; deshalb ist dem Italiener alles gut, was ihm in die Hände fällt. Hier herrschen Onanie, Päderastie und Leichenschändung in schreckenerregender Menge. Ja, es werden sogar Mordtaten verübt von solchen Wüstlingen, die dann die kaum erkalteten Opfer für ihre Lüste mißbrauchen. Der Prozeß gegen den Salamifabrikanten in Verona hat in dieser Zeit großes Aufsehen und allgemeine Entrüstung erregt. Er begnügte sich nicht, die Mädchen, die er ins Garn lockte, zu ermorden, sondern er schändete einige sogar vor, andere nach begangener Ermordung. Wenn in Italien ein Frauenzimmer hingerichtet wird, was namentlich im Kirchenstaate eben nicht zu den größten Seltenheiten gehört, so kann man als gewiß annehmen, wenn es noch vor dem Tode eine Jungfrau gewesen, daß das 24 Stunden nach dem Tode sicherlich nicht mehr der Fall ist, und daß Ehemänner, die der Zufall vor Hahnreischaft geschützt hat, wenn ihre Gattinnen jung und schön gewesen, den Hörnerschmuck nach ihrer Weiber Tod erhalten. In Frankreich, ja sogar in England sind solche Fälle ebenfalls vorgekommen; was mag erst in London geschehen, wo die Polizei weniger allwissend und allsehend ist. Das größte Vergehen, welches ein Mensch begehen kann, ist doch philosophisch betrachtet, wenn er eigenhändig seinen Organismus zerstört, und wo werden Sie es jemals hören, daß Selbstbefleckung von den Gesetzen bestraft wird?«

Das, was mir Sir Ethelred erzählte, erfüllte meine Seele mit Entsetzen; ihn selbst ließen alle diese naturwidrigen Verbrechen kalt, ja er stellte sie tief unter viele andere, Seiner Ansicht nach war die Gewohnheit der Selbstbefleckung und Leichenschändung, insofern sie demjenigen, der sie beging, nachteilig waren, die schlimmsten; doch fügte er hinzu, daß, da die Gesetze die Selbstverstümmelung, das Untergraben der eigenen Gesundheit, ja, den Selbstmord oder vielmehr den Versuch des Selbstmordes nicht ahndeten, so mußten die Gesetzgeber nur diejenigen Handlungen als verbrecherisch angenommen haben, die den Willen und das Wohlsein anderer Personen beschränkten und den letzteren nachteilig seien. So werden auch die Völlerei, die Trunkenheit nur in ihren Folgen, nicht aber selber bestraft.

Dennoch waren die Erzählungen Sir Ethelreds so schauerlich, daß ich an der Möglichkeit solcher Handlungen zweifelte und ihm meine Zweifel darüber äußerte.

»Es wäre mir ein leichtes, Sie von der Wahrheit dessen, was ich Ihnen erzählt, zu überzeugen, wenn ich nicht befürchten müßte, Sie durch die Handgreiflichen Beweise derart zu erschüttern, daß sich Ihre mir geschenkte Gunst in Haß verwandelte. Ich brauchte nichts anderes, als Sie auf Plätze zu führen, wo Sie Zeuge solcher Handlungen sein würden.«

»Hier in Florenz?« fragte ich.

»Nein, nicht hier, sondern in Rom«, entgegnete Sir Ethelred. »Sie wollen ohnehin im nächsten Monat in der heiligen Stadt ein paar Gastspiele geben.«

»Wohlan, ich verspreche Ihnen, daß sich meine Liebe für Sie nicht in Haß verwandeln, und daß ich Kräfte genug besitzen werde, um alles ruhig anzusehen, nur dürfen Sie nicht verlangen, daß ich mich an solchen Schändlichkeiten anders wie als Augenzeugin beteilige, noch daß in meiner Gegenwart eine Mordtat und dergleichen Folterungen stattfinden, welche die passiven Mitwirkenden zu Krüppeln machen, daß sich vielmehr diese letzteren freiwillig zu allem hergeben; solche Greueltaten, wie deren mehrere im Buche Sades vorkommen, verbitte ich mir.«

»Sie fordern mich dazu auf, daß ich Sie solche Auftritte sehen lasse?«

»Ich fordere Sie auf, und wenn Sie meine Neugierde befriedigen, verspreche ich Ihnen Treue und Liebe, bis Sie meiner überdrüssig werden.«

»Das wird niemals geschehen, und ich entbinde Sie im voraus dieses Versprechens«, sagte Sir Ethelred, und wir brachen das Gespräch ab.

Auch mich überkam diese gewisse krankhafte Leidenschaft, Aufregungen zu suchen, und wer weiß, wie weit sie mich geführt hätte, wenn ich eben durch das, was ich bald sehen sollte, nicht davon zurückgekommen wäre. Ich will es Ihnen erzählen und hoffe, Sie werden mich deshalb nicht verurteilen. Sie als großer Psychologe werden es gewiß nicht tun, sondern mich, wenn wir in diesem Leben wiederum zusammentreffen sollten, über diese sonderbaren Phänomene der menschlichen Natur aufklären. –

Die Zeit verfloß mir in Gesellschaft eines so liebenswürdigen, hochgebildeten Mannes sehr schnell.

Wir lebten sehr mäßig, was die Genüsse der Liebe betrifft. Ich fand ihn zwar zu jeder Zeit zu neuen Liebespielen bereit, doch bedachte ich, daß seine Quelle nur zu bald versiegen würde, wenn ich zu oft aus derselben schöpfte, und ich liebte ihn trotz seines vorgerückten Alters viel zu sehr, um ihm nicht Demütigung zu ersparen, demnach hielt ich mich nach der goldenen Regel des großen Reformators Martin Luther: Alle Wochen zwier, macht des Jahres hundert und vier, schadet weder mir noch dir! So sehr ich auch nach derartigen Genüssen lechzte, so wenig das brennende Feuer nach Befriedigung in meinem Innern leicht gesättigt werden konnte, so verstand ich es doch durch zeitgemäßen Wechsel in meinen Genüssen mir Genugtuung zu verschaffen. Hatte ich doch meine geliebte Rosa stets an meiner Seite, und je mehr sich ihr Körper entfaltete, denn sie nahm bei der guten Kost, die sie bei mir hatte, bedeutend zu, desto größer war das Vergnügen, welches ich mit ihr genoß. Sie war nicht mehr das schüchterne, furchtsame Mädchen, welches mich als seine Herrin betrachtete, sie war in den Stunden des Genusses eine Evyone, eine Bacchantin, erfinderisch in der Steigerung der Wollust. Oh, ich liebte sie wirklich, und ich bin überzeugt, wenn alle Weiber es wüßten, welche Wonne ein derartiger homosexueller Umgang bietet, so würden sehr viele auf den gefährlicheren mit Männern ganz verzichten. Ich selbst habe mich nur deshalb den Männern hingegeben, um alle Arten des Genusses zu kennen. Den Weibern mangelt nur eins, und zwar – leider! – die Hauptsache, welche ein Godemiche niemals ersetzen kann, denn dieser ist doch im Vergleich mit der männlichen Rute ein kalter, fremder Körper, eine Maschine ohne Ausdehnungsvermögen; niemals dieselbe Größe und Hitze, keine Zu- und Abnahme, keine Anschwellung der Adern, kein Zucken, er taugt ebenso wenig wie der Condom, und ein Liebesspiel mit Godemichette oder Condom ist ein kaltes Vergnügen. Was aber den homosexuellen Genuß am meisten erhöht, ist, daß zwei Frauen in den Äußerungen ihrer Gefühle viel weniger zurückhaltend sind, als eine Frau einem Manne gegenüber, wie ich auch überzeugt glaube, daß nur zwischen zwei wollüstigen Weibern, wenn sie miteinander genießen, eine wahre, wirkliche Geilheit zu finden ist. Ich habe es wenigstens so gefunden.

Wir reisten also nach Rom, und Sir Ethelred löste sein Wort schon in den ersten drei Tagen nach unserer Ankunft daselbst ein. Es kostete ihn eine ungeheure Summe, daß er meine Neugierde befriedigen konnte; doch die Leute, die uns dieses Schauspiel aufführen sollten, waren eben Menschen, die für Geld zu allem bereit sind.

Am Abend vor der Orgie, die wir besuchen sollten, fand eine Doppelhinrichtung durch die Garotta statt. Ein Räuber aus den Abruzzen und sein Weib, ein reizendes Geschöpf, wurden auf der Piazza Nacona erdrosselt. Sir Ethelred mietete für mich ein Fenster, welches ganz nahe dem Schafott lag. Ich konnte mit meinem Opernglas jede Muskelbewegung in den Gesichtern der beiden Unglücklichen genau sehen, und das Gefühl der Aufregung wurde mir beinahe peinlich. Ich litt mit den Elenden; es war mir, als strangulierte man mich mit ihnen gleichzeitig. Die Züge der beiden Hingerichteten schwebten mir stets vor meinen Augen, so daß ich sie kaum loswerden konnte. Sir Ethelred schien in meiner Seele zu lesen, er flüsterte mir die Worte zu: »Sie werden dieselben noch einmal zu sehen bekommen.«

Das Lokal, wohin mich Ethelred führte, war das Kapuzinerkloster della Assunzione. Die Brüder dieses Ordens hatten auch ihre Jesuitenkollegen eingeladen. Die Orgie fand in der Kirche selbst statt, die Marmorplatten des Fußbodens waren mit Binsenteppichen belegt, und da es Hochsommer war, fühlte man selbst bei Nacht nicht die geringste Kälte. Für uns beide war eine Abteilung des Schiffes in eine Loge verwandelt worden. Einige Patres befanden sich oben auf dem Chor und sangen dazu teils Kirchenmusik, teils schmelzende Melodien aus den beliebtesten Opern italienischer Komponisten. Unten befanden sich die Mönche beider Orden, alle nackt, so daß die Kapuziner von den Jesuiten nur durch ihre Bärte sich unterschieden. Es waren auch Frauenzimmer da, Nonnen und weltliche Damen verschiedener Stände, doch so wenige, daß auf eine jede derselben drei Männer kamen, ferner auch wunderschöne Knaben im Alter zwischen 12 und 15 Jahren.

Es gab keinerlei Gattung von Unzucht, die hier nicht begangen wurde. Männer mit Weibern, Männer unter sich, dann auch Weiber unter sich, Männer mit Knaben, auch einige Tiere, ein Kalb, ein paar Hunde und Hündinnen, ferner Affen, Mandrills und Paviane beiderlei Geschlechts, endlich sogar Katzen. Diese werden mit dem Kopf abwärts in den Stiefel gesteckt und in dieser Weise von den Menschen gemißbraucht. Das Miauen der armen Tiere war herzzerreißend, so daß ich mir die Ohren verstopfte und mich nicht überwinden konnte, dahin zu blicken. Den Mönchen machte dies den größten Spaß.

Die letzte Szene dieser Orgie – für mich die letzte, denn ich bat nach derselben Sir Ethelred, er möge mich wegführen, da mich ein namenloser Schauder ergriffen hatte – war eine zweifache Leichnamsschändung. Die beiden garottierten Verbrecher wurden auf Bahren ganz nackt hereingebracht. Die Schändung derselben durch die Mönche war für dieselben ein haut-goût. Es waren reizende Leichname, wenn etwa Leichname reizend genannt werden dürfen. Sie konnten nur von den Männern mißbraucht werden. Wer weiß übrigens, wenn man sich mit dieser Art vertraut machen könnte, ob man einen solchen Abscheu davor fühlte, wie es bei mir der Fall war.

Ich blieb noch 14 Tage in Rom. Das Ende meiner Saison hierselbst ward durch den plötzlichen Tod meines Freundes Sir Ethelred getrübt. Er starb an der Malaria, welcher fürchterlichen Seuche schon so viele zum Opfer geworden. Ich verließ ihn nicht bis zu seinem letzten Atemzuge und drückte ihm die mich noch während seines Todeskampfes zärtlich anblickenden Augen zu. In seinem letzten Willen vermachte er mir ein namhaftes Kapital und sehr viele Preziosen und Antiken, die er überall auf seinen Reisen gesammelt.

Sein Tod verleidete mir den Aufenthalt in Italien, und ich war froh, den Antrag meines Impresario annehmen zu können, der mich nach Paris zur dortigen italienischen Oper nahm.

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