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Aus den Memoiren einer Sängerin

Memoiren einer Sängerin 6

Erotischer Roman (Kapitel VI)


Autor:

Alle Fassungen dieses Artikels:

Wilhelmine Schröder-Devrient, Aus den Memoiren einer Saengerin, Verlagsbureau, Altona, tome I, 1862 ; tome II, 1870.


VI

Über die etwas zu lebhaft gewordene Schilderung am Ende meines vorigen Briefes bin ich nicht zu dem gekommen, was ich eigentlich für Sie aufzeichnen wollte. Die Erinnerung an die geheimen Freuden, welche ich mir damals in der Blüte meines Mädchenlebens zu verschaffen wußte, wand mir die Feder aus der Hand und wies dieser eine ganz andere Beschäftigung an, die auch spät, in meinen reiferen Jahren, ihren Reiz für mich noch nicht verloren hat und zu der ich bei meinem leider gerechtfertigten Mißtrauen gegen alle Männer, hin und wieder meine Zuflucht nehmen muß. Ich sagte Ihnen, daß mein nächstes Geständnis mir schwer fallen würde, und obgleich ich Ihnen schon das so ziemlich auf das Entschiedenste gestanden, so gehört doch wirklich ein Entschluß dazu, auch in dem Folgenden aufrichtig zu sein. Ich habe Ihnen gesagt, daß ich von allem, was ich zur Befriedigung meiner Sinnlichkeit getan, nichts bereue – ausgenommen meine zu vertrauende Hingebung an jenen gewissenlosen Menschen, der mich, ohne Ihren Beistand, ganz unglücklich gemacht haben würde. – Und so bereue ich es denn auch nicht, was ich damals in Wien gegen Ende meiner Gesangstunden getan.

Als ich nämlich so weit vorgeschritten war, daß ich Rollen einstudierte, bedurfte ich dazu eines Accompagnateurs, der am Klavier saß, während ich im Zimmer umhergehend und den Gesang mit Gesten begleitend, studierte. Mein Lehrer empfahl mir einen jungen Musiker, der in einem geistlichen Institute erzogen, vorzugsweise sich nur mit Kirchenmusik beschäftigte und nebenbei seinen Lebensunterhalt mit Stundengeben erwarb. Er war ein außerordentlich schüchterner junger Mann, nicht besonders hübsch, aber wohl gebildet, sehr reinlich und sauber in seiner Toilette, wahrscheinlich eine Folge seiner Erziehung im geistlichen Institute. Da er der einzige junge Mann war, der unser Haus regelmäßig, allerdings nur während der Studierstunden besuchen durfte, so war es sehr natürlich, daß sich bald eine gewisse Vertraulichkeit zwischen uns herausstellte, die aber mehr von seiner Seite, als von der meinigen im Anfange vermieden wurde, denn er blieb schüchtern und ängstlich und getraute sich fast nie mich anzusehen. Sie kennen meinen Mutwillen und Unternehmungsgeist, und schon damals besaß ich denselben in hohem Grade. Es machte mir Spaß, ihn in mich verliebt zu machen, und das wurde mir nicht schwer. Es gibt keine bessere Verführerin und Gelegenheitsmacherin als die Musik, und da mein Talent bei diesen Studien mit merkwürdiger Kraft hervorbrach, so bemerkte ich recht gut, wie er nach und nach Feuer und Flamme wurde. Da ich ihn nicht liebte, – o nein! dieses mächtige Gefühl sollte ich erst später kennenlernen, – so hatte ich ein besonderes Vergnügen daran, zu beobachten, welche Wirkung es auf einen durchaus noch unverdorbenen, moralisch wie physisch unschuldigen Menschen hervorbrachte. Es war ein grausames Spiel von meiner Seite, und eben weil ich jetzt einsehe, daß es dies war, wird es mir schwer, zu erzählen, was daraus wurde. Ich war nun nach und nach durch alles, was ich gesehen, erfahren und selbst versucht, so neugierig geworden, auch mehr zu erfahren, daß ich mit meinem kleinen Frauenzimmerverstande zu Rate ging, wie ich den Franzl – so war der Name des jungen Musikers – zu mehr und Entscheidenderem bei meinen Koloraturen bringen könne als Seufzen und Schmachten. Wenn aber ein Frauenzimmer erst nach Mitteln sucht, so sind sie auch bald gefunden. An zwei Tagen in der Woche besuchte meine alte Verwandte vormittags den Markt, um selbst Einkaufe für die Wirtschaft zu machen, und zwar zu jener Zeit, wo ich meine Gesangsstudien machte. Die Aufwärterin öffnete dann, meldete ihn aber nicht an, denn sie wußte ja, daß sein Kommen verabredet war. Darauf wurde nun mein Plan gebaut. Wie zufällig erzählte ich dem schüchternen Franzl, wie ich oft so wenig Schlaf des Nachts hätte, daß ich morgens nach dem Frühstück manchmal vom Schlafe überwältigt würde und dann so fest einschliefe, daß nur heftiges Rütteln mich aufzuwecken imstande sei. Als er dies wußte, lag ich das nächste Mal in gut gewählter Stellung auf dem Sofa und schlief, als Franzl pünktlich wie immer mit dem Glockenschlage 10 Uhr eintrat. Den einen Fuß hatte ich so hoch angezogen, das Fichu war mir, wie sich das von selbst versteht, von Nacken und Busen gefallen und den Arm hatte ich so über die Augen gelegt, daß ich unter ihm hinweg alles sehen konnte, was Franzl alles machen würde. Mit klopfendem Herzen, aber auch einem inneren Vergnügen über meine so gut angelegte List, hörte ich ihn kommen; die Küchentür schloß sich und gleich darauf trat er ins Zimmer. Erstarrt und wie versteinert blieb er an der Türe stehen, sein Gesicht rötete sich, seine Augen bekamen einen wunderbaren Glanz und er verschlang mich fast mit seinen Blicken. An der eigentlich kritischen Stelle zeigte sich die Wirkung dieses unvermuteten Anblickes in so unzweideutiger Weise, selbst unter den Beinkleidern, daß mir fast Angst wurde, nun doch ganz allein mit ihm und also gewissermaßen seiner Willkür preisgegeben zu sein. Erst räusperte er sich leise, dann etwas lauter, um mich zu erwecken, als das nichts half, und ich erschrecklich fest weiter schlief, näherte er sich dem Sofa und versuchte, in dem er sich so tief als möglich niederbückte, mir unter den Rock zu sehen. Ich hatte mir zwar vorher alles sorgfältig zurechtgelegt, damit er auch wirklich sehen könnte, aber es mußte sich doch wohl etwas an den Beinkleidern verschoben haben, denn später hat mir Franzl oft genug gesagt, daß er wohl die Schenkel, aber nichts weiter habe sehen können. Ich sah jede seiner Bewegungen und war fest entschlossen, so lange als möglich weiter zu schlafen. Wieder räusperte er sich, hustete und schurrte mit dem Stuhle, – ich schlief! Dann sah er mir so tief als möglich in den Busen, versuchte wieder unter den Rock zu sehen, – ich schlief! Plötzlich ging er aus dem Zimmer, entweder um fortzugehen oder mich durch die Aufwärterin wecken zu lassen. Der dumme, unentschlossene Mensch! dachte ich bei mir und ärgerte mich, daß all meine List vergebens gewesen sein sollte. Nachher erfuhr ich, daß er wirklich die Aufwärterin hatte herbeiholen wollen, sie aber nicht gefunden hatte. Nach einigen Minuten kam er wieder herein und stand nun noch unentschlossener vor meinem Sofa als vorher. Noch einmal versuchte er durch alle möglichen Geräusche, mich zu erwecken, natürlich vergebens, denn nun wollte ich einmal meinen Willen haben. Er war offenbar in einer fieberhaften Aufregung und kämpfte mit sich, was er tun solle. Ich hätte aber nicht Margueritens Unterricht genossen und nicht die »Félicie« gelesen haben müssen, um nicht zu wissen, daß solchem Anblick und solcher Gelegenheit kein Mann auf die Dauer widerstehen kann. So unschuldig und wenig welterfahren Franzl auch war, so hatte er doch Sinne und hätte von Stein sein müssen, um solcher Versuchung zu widerstehen. Wirklich faßte er denn auch endlich den Mut, erst meine Wade, dann meine Knie und meine nackten Schenkel zu berühren. Überlief es mich schon in diesem Augenblicke heiß, wie muß dem armen Jungen erst zu Mute gewesen sein! Immer seine Augen ängstlich auf mein Gesicht geheftet, ob ich auch nicht aufwache, wagte er es endlich, den Fleck zu berühren, der ihn mit zauberhafter Gewalt anzog. Ein wollüstiger Schauder überlief mich, als ich zum ersten Male die Hand eines Mannes an diesem Brennpunkt alles irdischen Vergnügens empfand. Das war doch etwas anderes, als ich bis dahin gekannt! Es war nun keine Verstellung mehr, daß ich tief seufzte und dabei meine Lage veränderte, aber nicht zum Nachteil meines zaghaften Liebhabers, der an allen Gliedern zitterte, daß ich wohl aufwachen könne. Sehr bald überzeugte er sich aber, daß ich einen wahren Totenschlaf haben müsse, und so begann er sein Spiel aufs neue. Durch meine veränderte Lage hatte ich seiner Hand noch freiere Bahn gemacht, und nun begnügte er sich nicht mehr mit der Berührung, sondern hob so leise als möglich meine Kleider auf, um auch zu sehen. Sie selbst haben mir gesagt, als sie mich wegen jener abscheulichen Krankheit untersucht, daß ich sehr reizend gebaut, und trotz der Verwüstung, die damals jene Krankheit angerichtet, gerade in diesem Punkte selten schöne Formen besitze. Also werden Sie mir glauben, daß nun mein Franzl ganz außer sich geriet und selbst seine unglaubliche Schüchternheit der Versuchung nicht mehr widerstand. Er berührte so vorsichtig und sanft den Gegenstand seiner – und ich gestehe es, auch meiner Wünsche, daß ich nur zu deutlich den Unterschied zwischen der Hand eines Mannes, Margueritens und meiner eigenen erkannte. Immer noch schlafend, dehnte und streckte ich mich, hütete mich aber wohl, die Schenkel zu schließen, was bei einer wirklich Schlafenden wohl das Natürlichste gewesen wäre. Nun schien es Franzl aber auch nicht mehr aushalten zu können. Wie besinnungslos öffnete er die Beinkleider, entblößte den Opferstahl, der mich zuverlässig besiegt hätte, wenn Margueritens Warnungen nicht zu lebendig vor meiner Seele gestanden hätten. Ich wollte eine große Künstlerin werden, das war mein fester Entschluß; ebenso entschlossen war ich, zu genießen, was mein Geschlecht ohne Gefahr genießen kann, aber mich einem jungen unerfahrenen Menschen hingeben, das wollte ich nicht! So erwachte ich in dem Augenblicke, wo er auf dem Sofa zwischen meinen Schenkeln niedergekniet war, starrte den Erschrockenen an und warf mich mit einem Schwünge auf die Seite, so daß er augenblicklich jeden Vorteil seiner schon erlangten Stellung verlor und er nicht weiter kommen konnte. Sie haben ja immer mein entschiedenes Talent zur Schauspielkunst gerühmt. Nun, hier wurde eine Szene aufgeführt, bei der Sie die Wahrheit meines Spieles gewiß bewundert hätten. Vorwürfe, Entrüstung, Tränen von der einen, Angst, Verwirrung und Scham auf der anderen Seite – solche Verwirrung, daß er vergaß, den eigentlichen Verräter der Situation wieder wegzuknöpfen, was mir gar nicht unlieb war, denn ich konnte mitten unter Tränen und Schluchzen meine Neugier vollständig befriedigen und ich hatte Ursache, mir Glück zu wünschen, daß meine List mich an einen so jugendkräftigen Mann geführt. Die Explikation war einfach. Ich bewies ihm, daß er von allen Menschen geflohen werden würde, wenn ich mich über sein unwürdiges Betragen beklagen wollte usw. Damit hätte ich ihn aber zur Tür hinausgetrieben und ihn schwerlich je wieder gesehen, wenn ich ihm nicht gestanden, daß ich ihm eigentlich recht gut sei, daß ich schon längst seine Liebe zu mir bemerkt und es daher dem Übermaße dieser Liebe verzeihen wolle, was er an mir gesündigt. Ich muß das alles sehr natürlich und überzeugend gesagt haben, denn er glaubte es unbedingt, wurde endlich Herr seiner Verwirrung, räumte beschämt beiseite, was zu deutlich sein Verbrechen verriet, und das Ende war ein Kuß, der kein Ende nehmen wollte.

Meine Hingebung, ja selbst meine Erwiderung führte aber zu nichts weiter. Er blieb schüchtern wie zuvor und wagte nicht das Geringste. Nach wiederholten Vorwürfen, Beteuerungen, Verzeihungen blieb es eben, wie es war und als wäre nichts vorgefallen. Aus den Gesangsstudien wurde nicht viel, und als mein Ehrenhüter vom Markteinkaufe nach Hause kam, verließ mich Franzl verlegen und scheu, so daß ich mir mit aller meiner List und meinem fein angelegten Plane recht dumm vorkam. Gewiß kam er vor lauter Angst gar nicht wieder; das wurde mir jetzt erst klar. Aber so verrechnet wollte ich mich doch nicht haben! Ich war unruhig und zerstreut und zerbrach mir den Kopf, wie ich, ohne meiner weiblichen Würde etwas zu vergeben, meinen Willen haben konnte. Vor allen Dingen mußte ich wieder allein mit ihm zusammenkommen, denn wie er mir später gestand, hatte ich ganz richtig vermutet. Er war entschlossen gewesen, nie wieder unsere Schwelle zu betreten. Es war nicht leicht, das Richtige zu treffen, denn ich war ja nicht verliebt, sondern nur neugierig, wollte ihm ja keine Rechte einräumen, sondern nur meinen Willen mit ihm haben. Mein Gesanglehrer mußte endlich den Vermittler abgeben. Ich bat ihn, er möge einmal prüfen, ob ich in meinen Selbststudien mit dem von ihm empfohlenen Accompagnateur auch den richtigen Weg gehe? Dazu brauchte der Accompagnateur nur zu ihm bestellt zu werden. Das geschah denn auch ohne weiteres und Franzl war nicht wenig in Verlegenheit, als er plötzlich und unerwartet mit mir zusammentraf. Meine künstliche und seine natürliche Bestürzung und Verlegenheit mußten für denjenigen, welcher das zwischen uns Vorgefallene gekannt hätte, sehr komisch gewesen sein. Alles ging nach Wunsch. Ich flüsterte ihm zu, daß ich ihn notwendig sprechen müßte, denn die Aufwärterin oder die Tante schienen etwas gemerkt zu haben. In der Todesangst war er zu allem bereit, und beim Fortgehen verabredeten wir ein Zusammentreffen am Abende im Theater. Nun war das Eis gebrochen, denn wenn zwischen zwei jungen Leuten erst Heimlichkeit und Verabredung stattfindet, so findet sich ganz von selbst mehr. Am Abende verließ ich früher als gewöhnlich die Loge und fand meinen schüchternen Franzl schon auf dem verabredeten Posten. Ich sagte ihm, daß mir aus den sonderbaren Mienen und Worten der Tante schiene, als habe sie oder die Aufwärterin uns belauscht. Ich wäre in Verzweiflung, da ich nicht wisse, was er während meines unglückseligen Schlafes mit mir angefangen und wieweit er seine schamlose Frechheit getrieben. Ich befände mich seit jener Zeit unwohl und in der fieberhaftesten Aufregung und müßte ja fürchten, daß das Schrecklichste mit mir geschehen sei. Das nahm Franzl alles für bare Münze und wußte gar nicht, wie er mich beruhigen und trösten sollte. Bei alledem kamen wir meiner Wohnung immer näher, und wenn es fortging mit Vorwürfen und Entschuldigungen, so trennten wir uns wahrscheinlich auch heute, ohne daß unser Verhältnis ein anderes geworden. In höchster Aufregung wurde ich daher plötzlich unwohl und konnte nicht mehr gehen, so daß Franzl einen Fiaker holen mußte, und wahrscheinlich, hätte ich ihn nicht halb und halb mit hineingezogen, ich glaube, er hätte mich allein nach Hause fahren lassen. In der traulichen Enge und dem Dunkel des Wagens konnte er mir aber nicht entgehen, nur war meine Sorge, daß wir in wenigen Minuten vor meinem Hause sein mußten. Ich sagte ihm daher, so verweint und aufgelöst könne ich mich nicht vor meiner Tante sehen lassen, er solle dem Kutscher sagen, daß er uns wenigstens einige Zeit auf dem Glacis umherfahre, damit ich nur erst wieder zu mir käme. Es geschah, und nun ging alles nach Wunsch. Aus Tränen wurden Küsse, – aus den Vorwürfen Liebkosungen. Ich empfand zum ersten Male den ganzen Reiz der Umarmung eines Mannes, sträubte mich zwar, aber doch nicht so entschieden, daß seine Schüchternheit ihn hätte aufhören lassen, ich wollte immer wissen, was er eigentlich während meines Schlafes mit mir gemacht habe.

Als alle Erklärungen und Beteuerungen nicht aus reichten, versuchte er endlich praktisch mir zu beweisen, daß er sich wirklich mit wenigem begnügt. Seine Hand suchte den Ort, der sie längst erwartete und wagte die erste Berührung, die eine ganz andere Wirkung auf mich machte, als jene in meinem Scheinschlafe, denn er verschloß dabei meinen Mund mit Küssen. Anfangs schloß ich die Schenkel so eng wie möglich, öffnete sie nur nach und nach, wie von seinen Liebkosungen überwältigt, seufzte, ließ die Vorwürfe in dem kürzer werdenden Atem ersticken und genoß nun mit unbeschreiblichem Vergnügen die Zärtlichkeiten seiner Hand. Er benahm sich freilich ungeschickt und unerfahren dabei. Ich verstand es besser, den rechten Punkt und den rechten Augenblick zu treffen, aber eben diese Unerfahrenheit übte einen außerordentlichen Reiz auf mich aus und ich dachte dabei mehr an die Genüsse, die bei vertrauterer Bekanntschaft mit ihm meiner harrten, als an die Gegenwart. Daß bei dem Weib der größere Reiz im Vorhofe liegt, davon hatte Franzl keine Ahnung. Sein Streben war nur, so tief als möglich mit dem Finger hineinzukommen, und je mehr ihm das gelang, je feuriger wurde er, je mehr geriet er außer sich. Ich fühlte deutlich, wie mächtig die Natur ihn zu mehr, zu einer vollkommenen Vereinigung mit mir drängte; aber davon war keine Rede und sollte nie zwischen uns die Rede sein, das war ich fest entschlossen! Sowie er sich daher zu sehr auf mich drängte und zwischen meine Schenkel zu kommen versuchte, warf ich ihn heftig zurück, drohte um Hilfe zu schreien, war aber gleich wieder nachgebend und versöhnt, wenn er erschrocken zurückwich und sich dann mit der Hand begnügte. So sehr ich meine Freude an dem Gelingen des Planes hatte, so unvollkommen war doch der eigentliche Genuß, und obgleich ich mich in den Wagen gesetzt hatte, um mich angeblich zu erholen, so war unsere Unterhaltung doch nicht besonders dazu geeignet. Die Zeit verflog aber so rasch, daß ich endlich eilen mußte, nach Hause zu kommen.

Diesmal trennte ich mich mit der Gewißheit von dem armen Franzl, daß er wiederkommen würde, und ich täuschte mich auch nicht. Er kam und es begann eine Reihe von glücklichen und genußreichen Stunden, die mir jetzt noch eine angenehme Erinnerung gewähren, obgleich ich das Leben seitdem sehr viel voller und reicher kennengelernt. Ehe ich Ihnen aber weiter davon erzähle, muß ich einschalten, daß ich gerade an diesem mir unvergeßlichen Abende noch eine andere Erfahrung machte, die mich wieder einen unerwartet tiefen Blick in die Verhältnisse der menschlichen Gesellschaft werfen ließ und mir aufs Neue bewies, wie alles täuscht, was von ihr zur Schau getragen wird. Meine Tante – sie war es nicht, sondern weitläufig mit mir verwandt, ich nannte sie aber der Kürze wegen so – war schon über vierzig Jahre alt und in jeder Beziehung ein Muster von Häuslichkeit, strenger Sitte, Ordnung und Sparsamkeit. Die einzigen Wesen, für die sie sich interessierte, waren ein Kanarienvogel und ein fetter, schwerfälliger Mops, den sie fast nie aus ihrem Zimmer ließ und alle Tage einmal spazieren führte.

Es war in der Tat später geworden, als ich gedacht, wie ich nach Hause kam, und die Aufwärterin sagte mir, daß die Tante schon in ihr Schlafzimmer gegangen sei. Nachdem ich mich ausgezogen hatte, damit sie meiner allerdings etwas in Unordnung gekommenen Toilette nichts anmerken sollte, wollte ich ihr gute Nacht sagen und ihr irgendeine Geschichte für mein spätes Nachhausekommen erzählen. Da ich aber nicht stören wollte, wenn sie vielleicht schon schliefe, so sah ich durch das Schlüsselloch, ob sie noch Licht in ihrer Kammer habe. Ich hätte auch alles andere erwartet als den Anblick, den ich hier so zufällig hatte. Meine Tante lag wirklich bereits im Bette, hatte aber die Decke zurückgeschlagen und zwischen den Schenkeln den Mops, welcher aufs Eifrigste beschäftigt war, die ehemaligen Reize meiner alten Sittenrichterin zu lecken. Ich kann nicht sagen, daß dieser Anblick besonders appetitlich gewesen wäre. Der ganze Oberkörper war mit der Nachttoilette verhüllt, nur der Unterkörper entblößt. Die Schenkel mager und unschön geformt, waren so weit, als es irgend ging, auseinander geworfen, wahrscheinlich, um dem lüsternen Tiere die Sache bequem zu machen. Der Wald von Haaren, der diese mystische Grotte umwucherte, war so dicht und struppig, daß die Schnauze des Hundes ganz darin versank und man eben nur aus seinen Bewegungen erriet, womit er sich und seine Herrin erfreute. Also auch die Tante! – Auf die hätte ich doch geschworen, und nun kam ich dahinter, daß auch sie keineswegs gegen den Mittelpunkt alles irdischen Lebens und Strebens gleichgültig war. Freilich begnügte sie sich nun mit einem geringen Grade und wahrscheinlich aus Furcht, sich in eines Menschen Hand zu geben, da sie auf Liebe und Zärtlichkeit doch keinen Anspruch mehr machen konnte. Die Sache selbst war mir neu, und ich wollte doch sehen, wie lange das dauern und wie das endigen würde, verhielt mich also still und lauschte nur um so aufmerksamer durch das Schlüsselloch. Meine Tante hatte die Augen geschlossen, ich konnte also an dem Ausdrucke ihres Gesichts nicht erkennen, welche Wirkung das heimliche Vergnügen auf sie machte, dagegen sprachen die Bewegungen des Unterkörpers desto deutlicher dafür, daß ihr sehr wohl sein mußte, denn sie hob sich der geschäftigen Zunge des Hundes entgegen, wendete die Hüften bald rechts und bald links und schien ihm helfen zu wollen. Manchmal schloß sie auch die Schenkel, als wollte sie den Hund damit umhalsen. Offenbar war Tantchen wohlerfahren, denn als der Hund ermüdet nachließ, fuhr sie blitzschnell mit der Hand herab und setzte in heftiger Bewegung fort, was ihr Liebling aufgegeben hatte. Nun folgte aber ein ungemein komisches Schauspiel. Der Mops, dessen tierische Begierden wohl aufgeregt sein mochten, klammerte sich in der angeborenen Art an der einen Wade fest, während Tantchen immer lebendiger wurde, um die wohltätige Krisis herbeizuführen, war ihr Partner ebenso eifrig, dies auf seine Art zu erreichen. Aber es sollte ihm nicht so gut wie seiner Herrin gelingen. Während sie den Moment der Entzückung beeilte, ließ sie sich keine Zeit, den Hund abzustreifen. Kaum verkündete aber ein wollüstiger Schauer, der über ihren ganzen Körper flog, und ein Strecken ihrer Glieder, daß die Quelle in ihrem Innern sich geöffnet haben mußte, als sie mit einem so heftigen Stoße das Tier von ihrem Beine fortschleuderte, daß es winselnd vom Bette sprang und sich auf sein Lager verkroch. Sie blieb noch einige Minuten wie nachgießend liegen, zog dann die Decke über sich und löschte das Licht.

So war das wahrlich unerwartete Schauspiel für mich vorüber und ich hütete mich wohl, meine Anwesenheit an der Türe zu verraten. Also wiederum um eine Erfahrung reicher und zwar in einem Augenblicke, wo ich mich fast schämte, die strenge, unempfindliche Sittenrichterin durch eine Lüge hintergehen zu wollen. Jetzt wußte ich, woran ich mit ihr war und wollte mich nun nicht mehr täuschen lassen. Aber versuchen mußte ich das auch, was ich sie hatte treiben sehen; das stand sofort bei mir fest! Mußte es doch in jeder Beziehung gefahrlos sein, da eine so männerscheue Jungfrau sich damit ergötzt und – da ich doch nun einmal recht aufrichtig sein soll – so gestehe ich, daß mir der sonst unausstehliche Mops leid tat, weil er durch das Wegschleudern nicht auch seinen Willen gehabt. – Wunderbar von all dem heut Erlebten erregt, schlief ich erst spät ein und träumte unglaubliche Dinge, bei denen Franzl und der Mops sonderbar durcheinander gemengt waren. Am anderen Tage hatte ich nichts Eiligeres zu tun, als die Tante zu einem Besuche bei einer befreundeten Familie in der Wieden-Vorstadt zu treiben, und als ich allein in der Wohnung war – wurde der Versuch vorgenommen.

Jetzt begriff ich übrigens, weshalb die Tante den Hund nie aus ihrem Zimmer ließ, denn kaum hatte ich ihn in mein Zimmer geholt, so fing er auch schon an, unter meinen Rock zu schnüffeln. Das hatte ich auch wohl früher schon bemerkt, aber keine Ahnung davon gehabt, was das bedeuten könne. Die Tante hatte ihn auch jedesmal zu sich gerufen und auf den Schoß genommen, wenn sie so etwas bemerkte. Das alles war mir seit gestern erklärt und verständlich. Es bedurfte auch gar keiner besonderen Vorbereitung, um zu erreichen, was ich eigentlich wollte. Kaum hatte ich mich auf das Sofa gelegt und ihm freie Bahn gemacht, so leistete er mir auch schon dieselben Dienste wie der Tante. Anfangs schien ihm Form und Schmuck ungewohnt; ich mußte erst mit den Fingern den Eingang öffnen, ehe er sich so eifrig zeigte, wie ich ihn gestern abend bei seiner Herrin gesehen. Dann aber hatte ich alle Ursache, mich der neuen Entdeckung zu freuen. Ich habe alle Arten des heimlichen Vergnügens kennengelernt, aber ich leugne nicht, daß dies Lecken eines Hundes, wenn es nicht ungestüm wird, eigentlich die behaglichste, aber allerdings auch unvollständigste ist. Behaglich, weil man selbst ganz untätig dabei ist, sich ganz seiner Phantasie überlassen kann, als bei irgendeiner anderen Art möglich. Unvollständig, weil nie eine Befriedigung eintreten kann. Die Zunge eines Tieres wird nicht schneller, nicht nachdrücklicher, nicht belebter, sie bleibt gleichmäßig angenehm, warm und feucht. Ich war neugierig, wie lange ich diesen sanften Reiz ertragen würde, und siehe da, ich konnte es über eine Viertelstunde. Grund genug, um mir zu meiner Entdeckung Glück zu wünschen.

Habe ich meine Scheu so weit besiegt, so muß ich hier gleich noch ein Geständnis hinzufügen, das ich nicht gedacht hätte, jemals irgendeinem Menschen so machen zu können. Sie haben aber einmal mein Wort und so will ich Ihnen auch nichts verhehlen. Wie bei der Tante, fing der Hund auch bei mir an, sich an meinem Beine festzuklammern und seinem Naturtrieb zu folgen. Mutwillig, wie ich bin, machten mir die vergeblichen Anstrengungen des Tieres Spaß und ich ließ ihn ungestört sein Wesen treiben. Endlich fing er an, mir leid zu tun und ich suchte ihm zu helfen. Der Eifer, mit dem nun das Tier der Gewalt seines Triebes folgte, machte durchaus keinen unangenehmen Eindruck auf mich. Was ich sah, machte mich neugierig, denn die Formen waren ja so durchaus anders, als ich sie bis dahin bei Menschen gesehen, daß sich mein Verstand alles so zurechtlegte und erklärte, was ich immer nur mit Verwunderung angesehen, wenn dergleichen auf der Straße geschah. Ich gestehe Ihnen also, daß ich dem armen gequälten Tiere half, ihm mit der Hand wenigstens eine Täuschung bereitete und mit Vergnügen sah, daß er endlich den für die Fortpflanzung bestimmten Saft mit ebenso großer Heftigkeit ausströmte, als ich es bei meinem Cousin gesehen.

Weit entfernt, Reue über eine anscheinende Verirrung der Weiblichkeit zu empfinden, füge ich gleich hinzu, daß es mir auch später immer großes Vergnügen gemacht hat, Tieren bei ihrer Begattung zuzusehen, ja ihnen dazu zu verhelfen. Ich muß es mir allerdings gefallen lassen, wenn Sie das eine Verirrung, eine Schrankenlosigkeit in der Sinnlichkeit nennen und kann Ihnen nur darauf erwidern, daß Sie mich bis dahin, wo ich Ihnen nicht allein meine Schwangerschaft, sondern auch meine Ansteckung gestand, für ein sehr sittliches Mädchen gehalten, daß ich also niemanden durch meinen geheimen Geschmack beleidigt oder niemanden gekränkt oder wehe getan. Alles, was das geheimnisvolle Werk der innigsten Vereinigung zweier geschaffener Wesen anging, hatte von dem Tage an, wo ich durch meine Eltern plötzlich und unveranlaßt in die verborgenen Genüsse der Liebe und der Wollust eingeweiht wurde, einen unbeschreiblichen und unwiderstehlichen Reiz für mich, ohne daß er mich je zu Unbesonnenheiten hingerissen hätte. Ich tat so ziemlich alles, aber ich sprach nie davon und zeigte nur im vertrautesten Umgange, was mich erfüllte. – Später mit der Familie eines Gutsbesitzers genau befreundet, der eine bedeutende Pferdezucht hatte und die schönsten englischen und arabischen Hengste hielt, wußte ich es zu machen, daß ich während einer Badereise jener Familie 3 Wochen allein auf dem Gute derselben zubrachte und dort fast täglich das Decken der Stuten durch diese wunderschönen Hengste mit ansah. Ganz zufällig hatte ich nämlich einmal bei einem Spaziergange einen Hengst belauscht, der eine Stute zu seinem Willen zwang. Der Anblick war mir unvergeßlich gewesen und mit meiner ungewöhnlichen Schlauheit wußte ich mir dies Vergnügen drei Wochen hintereinander zu verschaffen. Niemand ahnte, daß ich, hinter einer Gardine verborgen, den Hengsten zusah; denn meine Zimmer lagen weit von dem Beschäl-Platze ab und ich mußte immer einen gewissen Ort besuchen, um das Schauspiel zu haben; aber ich kann versichern, daß ich nichts Schöneres kenne, als einen Hengst in dem Moment seiner Vereinigung mit der Stute. Diese schönen Formen, diese Gewalt und Kraft, diese Glut in den Augen, diese sichtbare Spannung aller Nerven und Muskeln und endlich dieses bis zur Sinnlosigkeit und Wut gesteigerte Genießen! – das alles hat für mich einen großen Zauber gehabt. Man mag darüber kalt und spröde sprechen, ja wirkliche Abneigung dagegen fühlen, immer wird man zugeben müssen, daß die Begattung der wichtigste Moment des ganzen tierischen Lebens ist und daß die Natur in den meisten Fällen mit besonderem Reize und besonderer Schönheit auch für die menschlichen Sinne ausgestattet. – Die Vögel singen am süßesten, wenn sie sich begatten wollen, die Hirsche kämpfen; jedes Wesen steigert sich in der Äußerung seiner Kraft und seiner Schönheit. Beides im vollkommensten Maße kommt bei einem schönen Pferde edelster Rasse zur Erscheinung. Ebenfalls einem Naturgesetze folgend, weigert sich anfangs die Stute, und der Hengst muß sich ihr vorsichtig nähern, will er nicht Gefahr laufen, geschlagen zu werden. Erst nach und nach gelingt es ihm, ihren Widerstand zu besiegen, indem er um sie her jagt, ihr die Weichen mit seinen Nüstern berührt, wiehert und sich im Übermaße seiner Kraft kaum zu fassen weiß. Man sieht unter seinem sammetglatten Fell Adern und Muskeln anschwellen und das Zeichen seiner Männlichkeit erscheint in einer Größe und Nervigkeit, daß man fast nicht begreift, wohin es sich zu versenken bestimmt ist. Endlich nimmt die Stute die Liebkosungen an und stellt sich begehrend ihm entgegen. Im Augenblick hat er auch den Thron bestiegen und läuft nun Sturm auf den Hafen seiner Lust, aber wie oft und wie lange vergebens? Das Ziel ist zu klein für die Stöße eines solchen Speeres. Man möchte dem armen Tiere helfen und erfahrene Gestütsknechte tun dies auch. Hat er aber auch nur den Rand berührt, nimmt sie nur erst die Spitze an, so erfolgt ein Stoß, der in seiner Heftigkeit und seinem vollständigen Erfolge gar nicht zu beschreiben ist. Die Augen wollen fast aus dem Kopfe. Dampf geht aus seinen Nüstern und der ganze Körper gerät in Aufruhr. Wer das mit geistigem und sinnlichem Auge sieht, der hat einen großen Genuß. Ich leugne nicht, daß ich mich gar nicht satt daran sehen konnte, ja, daß es mich jedesmal in hohem Grade aufregte. Wie mir das Schauspiel der heimlichen Vergnügungen meiner Tante ganz unerwartet und zufällig ward, so habe ich auch diese Geständnisse hier nur zufällig eingeschaltet und ich kehre daher zur Hauptsache zurück.

Nach jenen Erklärungen und Vertraulichkeiten im Fiaker wurde das Verhältnis zwischen Franzl und mir ein sehr eigentümliches. Da ich ihn nicht liebte – dieses wunderbar mächtige Gefühl sollte ich erst später und zu meinem Unglück kennenlernen – so hatte ich fest beschlossen, daß ich ihm nie das ganze Recht eines Mannes gestatten wollte. Er sollte mir zum Amüsement dienen und ich wollte mit ihm erfahren und kennenlernen, was sich ohne Gefahr erfahren ließ. Natürlich wurde er nach und nach dreister, aber eben, weil ich ihm nie die letzte Gunst gestattete, behielt ich stets die Gewalt über ihn und konnte ihn mit einem Worte leiten. – So oft ich mit ihm allein war, – und ich war auch darauf bedacht, daß dies nicht zu oft geschah, hatte ich die reizendsten Augenblicke mit ihm. Seiner Hand gestattete ich die vollste Freiheit und er war bald genug weniger ungeschickt und ungestüm, als in jenem Fiaker. Er durfte jeden Teil meines Körpers küssen, liebkosen! Aber freilich hatte ich immer genug zu tun und aufzupassen, um ihn von mehr abzuhalten. So wie er sich zwischen meine Schenkel drängte, – sich unbemerkt zu entblößen versuchte und dem Hauptziele zustrebte, warf ich ihn mit einer geschickten Wendung zurück und wurde erst wieder nachgiebig, wenn er versprach, bescheiden zu sein. Das wurde dem armen Jungen freilich herzlich sauer und ich bemerkte einige Male, daß er in der höchsten Aufregung nicht mehr Herr über sich blieb und ihm seine Kraft ausströmte. Entsetzlich neugierig war ich schon längst gewesen, jenes wunderbare, von der Natur so sinnreich ausgestattete Werkzeug näher kennen zu lernen, mit dem der Mann uns so unbeschreiblich glücklich, aber auch so namenlos unglücklich machen kann. Ich müßte weniger weiblichen Mutterwitz besessen haben, wenn ich nicht auch darin bald meinen Willen gehabt hätte. Natürlich durfte er nicht merken, was ich eigentlich wünschte, im Gegenteil sollte er glauben müssen, daß er mich zu jedem Schritt auf dieser abschüssigen Bahn verführt. Das beste Mittel war, ihn selbst dasjenige bei mir tun zu lassen, was ich eigentlich bei ihm tun wollte und Tantchens Mops hatte mich belehrt, daß, wenn man nicht alles gewähren will und kann, doch Entschädigung dafür möglich ist. Es war auch nicht schwer, meinen Franzl dahin zu bringen, daß er nicht allein den Mund und Busen küßte, sondern sich ein entscheidenderes Ziel für seine Küsse aufsuchte. Kann aber die Zunge beim Kusse des Mundes nicht lange untätig bleiben, so kann sie es noch weniger beim Berühren des Mittelpunktes aller unserer Reize, und als erst meine Seufzer, mein Dehnen und Beben ihm verrieten, daß ich dieser Liebkosung gegenüber schwach würde, da wurde er sogar sinnreich und bereitete mir ein unbeschreibliches Vergnügen. Manchmal schien er es benutzen zu wollen, wenn mich nach einem Ergüsse meines Innern vollkommene Kraftlosigkeit und Hingebung zu überkommen schien. Er schob sich dann herauf und wollte meinen unbewachten Augenblick benutzen, fand sich aber jedesmal getäuscht, denn auch in den Augenblicken höchsten Vergnügens verließ mich das Bewußtsein nicht, was alles auf dem Spiele stand, wenn ich mich in dem Hauptpunkte nachgiebig zeigte. Ganz bescheiden mußte er von seinem vermeintlich schon eroberten Throne wieder herabsteigen und sich dorthin wenden, wo er ohne Gefahr Vergnügen genießen konnte. Was Marguerite mir von ihren heimlichen Spielen mit ihrer Herrin erzählt, das erfuhr ich jetzt an mir selbst. Wenn Franzl mit seinem Lockenkopf zwischen meinen Schenkeln lag, den Mund fest auf dem Gegenstande seiner Sehnsucht und wenn er dann seiner Zunge das freieste, lüsternste Spiel ließ, kitzelte, saugte, so tief als möglich einzudringen suchte und ich ganz sorglos und ruhig genießend daliegen konnte, dann verglich ich im Stillen, wie viel glücklicher ich war, als die Baronin. Bei mir war es ein junger, hübscher, kräftiger Mann, bei ihr war es nur Marguerite gewesen. Ich konnte sehen, welche mächtige Wirkung meine Hingebung auf ihn machte. Es war unbeschreiblich reizend, besonders wenn es im Moment des höchsten Entzückens warm aus meinem Innern hervorschoß und er deswegen die Lippen nicht wegnahm, sondern sie nur um so fester ansaugte und schlürfte, als ob er mein ganzes Leben in sich hineintrinken wollte. – Ich leugne keinen Augenblick, daß diese Art des Genusses stets einen außerordentlichen Reiz für mich gehabt hat. Es liegt teilweise in der eignen, vollkommenen Untätigkeit, mit der das Weib die Liebkosungen des Mannes genießt, teils aber auch in der Ungewöhnlichkeit der Huldigung, die dadurch ihren Reizen dargebracht wird; denn wie gesagt, sie ist selten und namentlich dann, wenn der Mann ein Recht hat, mehr zu verlangen. – Schon in der ganz äußerlichen Berührung mit dem Munde, in dem ganz einfachen Kusse zeigt sich eine berauschende Wirkung, versteht aber die Zunge ihre Aufgabe, oder lernt sie ihre Aufgabe durch die Bewegungen des geschmeichelten Teiles verstehen, so weiß ich in der Tat nicht, ob ich diesem Genüsse nicht den Vorzug vor jedem anderen geben soll, schon weil er so viel länger dauert und immer noch ein Sehnen nach mehr übrig läßt.

Es war mir in der Tat leichter geworden, Ihnen alles Bisherige einzugestehen, als dasjenige, was nun folgt. Ich entsage dadurch dem schönen Vorrechte des Weibes, immer nur die Gewährende, halb Gezwungene zu sein. Aber es soll nun einmal Wahrheit zwischen uns sein, und was ich kaum den Mut haben würde, Ihnen mündlich zu sagen, soll deswegen nicht ungesagt bleiben. – Es war wohl nur natürlich, daß sich für so viel Liebenswürdigkeit und Hingebung meines Franzl mit der Zeit auch die Gegenseitigkeit einfand. Längst hatte ich gewünscht, dasselbe zu tun, was ich an jenem unvergeßlichen Tage von meiner Mutter gesehen, als sie meinen Vater zu wiederholtem Genüsse aufforderte und siehe da, die Sache machte sich wie von selbst. Erst die Hand mit schamhaft weggewendetem Auge, dann den Mund, erst nur oberflächlich küssend, dann nach und nach mehr, endlich das volle von Scheu und Schamhaftigkeit nicht mehr beschränkte Vergnügen. Ich weiß freilich nicht, was Männer fühlen, wenn sie jenen Gegenstand ihrer Begier liebkosen können. Darf ich aber nach dem schließen, was ich empfand, als ich jenes wunderbar gestaltete Werkzeug männlicher Kraft betrachten, liebkosen, drücken, es küssen, an ihm saugen und endlich zu überreichlichem Herausschießen des Lebenssaftes reizen konnte, so ist allerdings die Wollust des Mannes mächtig. Ich hatte nun schon bei meinem Vater, bei meinem Cousin und dem Kutscher meiner Eltern gesehen, was ich jetzt berühren und betrachten konnte. Nun aber sollte ich seine ganze Kraft und Schönheit im vollsten Maße kennenlernen! Franzl war jünger als mein Vater, gesünder und kräftiger als mein Cousin und endlich zarter und zierlicher als jener rohe Bursche im Stalle, so also des Betrachtens und Versuchens kein Ende. Gewiß gibt es viele Frauen, die entweder aus wirklicher Schamhaftigkeit oder aus Ziererei nie das Vergnügen ganz kennenlernen. Viele Gründe wirken darauf ein. Vor allem der Charakter des Weibes, dann aber auch das Ungestüm des Mannes, das sich nicht gern mit den doch so süßen Vorspielen aufhält, sondern sofort zum höchsten Genüsse drängt. Es gehören eben günstige Umstände dazu; ein gegenseitiges Übereinstimmen, vollkommenes Ungestörtsein und tausend andere Dinge, die sich nicht lehren, sondern erfahren lassen. Mit meinem Franzl war es gewiß nur eine billige Entschädigung dafür, daß ich ihm standhaft den Eintritt versagte, daß ich ihm aus Berechnung das verschloß, was er sein Paradies nannte. Er geriet gewöhnlich so außer sich, wenn er mich da geküßt, gesaugt und geschlürft hatte, wo er sich nie eines vollständigen Sieges erfreuen sollte, daß ich schon aus Mitleid hätte tun müssen, was ich aus Vergnügen tat. Es war aber weniger Genuß für mich, wenn ich ihn in höchster Aufregung durch wenige Bewegungen mit der Hand von der Fülle seiner Kraft durch Übersprudeln befreite, sondern, wenn ich ihn nach kurzer Erholung und sorgfältiger Abwaschung zum zweitenmale, nach und nach zu neuem Leben erwachen ließ, wenn ich dies Meisterstück der Natur aus vollständiger Kraftlosigkeit wieder erstarken sah. Wie das schwoll! Wie es sich färbte! Wie es drohte und doch mir nicht gefährlich war! Wie weich und willenlos gleich nach der Befriedigung! Wie starr und unbeugsam bei wiedererwachender Begierde! Wie entzückend endlich im Augenblicke des Überströmens! Sollte ich hier, wo ich alles sage, leugnen, daß ich endlich in einem wahren Taumel von Vergnügungen, wie von selbst den wunderbaren Nerv mit meinem Munde bedeckte, mich mit den Lippen fest an seine sammetne Spitze saugte und den ganzen Erguß im Innern meines Mundes aufnahm, ja nicht eher mit Saugen und Schlürfen aufhörte, bis ich fühlte, daß zuckend und bebend der letzte Tropfen dieses himmlischen Balsams herausgespritzt war. Noch jetzt jagt mir das Blut durch die Adern, wenn ich daran denke und wahrlich, ich bereue auch noch jetzt nichts von alledem, was ich damals getan. Nur was ich später getan, hat mir Reue, bittere Reue eingetragen, obgleich ich es Ihrer uneigennützigen Freundschaft verdanke, daß diese Reue nicht mein ganzes übriges Leben vergiftete. An mir selbst habe ich es erlebt, daß man nicht immer ungestraft mit dem Feuer spielen darf und daß auch der festeste Vorsatz endlich von einem verräterischen Zucken der Nerven, einem geheimnisvollen Drange in unserem Innern überwältigt wird. Es wäre traurig, wenn irgendein junges Mädchen bei dem Lesen dieser Briefe – denn ich kann ja nicht wissen, welchen Gebrauch Sie davon machen werden, obgleich ich die feste Überzeugung habe, daß es kein für mich unedler sein wird, – sich verführen ließe, in allen Stücken ebenso handeln zu wollen, alle Versuche ebenso zu wagen, wie ich es, von den Umständen begünstigt, getan habe. Wenn sie z.B. den Selbstgenuß öfters als höchstens einmal in der Woche treiben wollte, so wollüstig er auch ist, – körperliche Schwäche und Krankheiten würden unvermeidliche Folgen sein. Wenn sie sich dem vertrauten Umgang mit einer Freundin überließe, ohne vorher ihrer Verschwiegenheit und der Verhältnisse sicher zu sein, würde Plauderhaftigkeit die unangenehmsten Folgen herbeiführen können. Wenn sie einem jungen Manne, der sie nicht heiraten kann, Vertraulichkeiten gestattet und nicht genau wüßte, daß sie Herrin ihrer Sinne bleiben kann, so würde sie durch nur einen unbewachten Augenblick ihr ganzes übriges Leben vergiften! Deshalb ist auch die Lektüre wollüstiger oder schlüpfriger Bücher und das Beschauen obscöner Bilder so außerordentlich gefährlich für jedes junge Frauenzimmer! Ich habe später durch Zufall eine ganze Sammlung solcher Bilder und Bücher kennen gelernt und kenne den Eindruck, den sie machen, genugsam aus Erfahrung. – Die »Denkwürdigkeiten des Herrn von H ...«, »Pfaffengalanterien« und die »Verschwörung in Berlin«, Althings »Kleine Erzählungen« und die »Priapischen Romane« in deutscher Sprache, den »Portier des Chartreux«, »Faublas«, »Félicia ou mes fredaines«, »Les confessions érotiques de l’abbé Pineraide« usw. in französischer Sprache sind in der Tat ein wahres Gift für unverheiratete Frauen. Sie alle schildern die Sache selbst in den reizendsten, aufregendsten Formen, aber keine spricht von den Folgen, keine zeigt, was ein Mädchen alles auf das Spiel setzt, wenn es sich rücksichtslos einem Manne hingibt; keine malt die Reue, die Schande, den Verlust des guten Rufes, selbst die körperlichen Leiden, welche es treffen können. Deshalb ist die Ehe ein so vortreffliches, gar nicht genug zu verehrendes Institut, darum muß jeder vernünftige Mensch alles tun, um sie aufrecht zu erhalten, sie mit jeder Art von Achtung und Sicherheit zu umgeben. Ohne sie würde Sinnenlust die Menschheit zu wilden Tieren machen. Das ist meine feste Überzeugung, obgleich ich mich selbst noch nicht vermählt habe. Eine Künstlerin darf sich eben nicht binden. Sie kann nicht zugleich Hausfrau, Familienmutter und der Liebling des Publikums sein und ich fühle, daß ich eine gewissenhafte Gattin und eine zärtliche Mutter sein würde, – vorausgesetzt, daß mein Gatte mich so glücklich macht, wie ich es dann um ihn verdienen würde. Eben, weil ich weiß, von welcher außerordentlichen Wichtigkeit der geschlechtliche Lebensgenuß für alle menschlichen Verhältnisse ist, – weil ich mich durch Erfahrung und aufmerksame Beobachtung überzeugt habe, daß in diesem zarten und von jedem achtbaren Menschen geheim gehaltenen Mittelpunkte das ganze menschliche Leben zusammenläuft, – würde ich meinem Gatten in jeder Beziehung eine liebenswürdige und musterhafte Lebensgefährtin sein. Ich würde handeln, wie meine Mutter gehandelt hat, ich würde mich bestreben, meinem Gatten immer neu zu sein, ich würde auf alle seine Phantasien eingehen und doch ihm immer noch etwas zu wünschen übrig lassen, ich würde alles sein und nichts scheinen, worin ja doch eigentlich das ganze menschliche Leben besteht.

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