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Aus den Memoiren einer Sängerin

Memoiren einer Sängerin 9

Erotischer Roman (Kapitel IX)


Autor:

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Wilhelmine Schröder-Devrient, Aus den Memoiren einer Saengerin, Verlagsbureau, Altona, tome I, 1862 ; tome II, 1870.


IX

Wenn Sie, teurer Freund, darüber staunen sollten, daß meine Briefe, die Sie fortan lesen werden, von jenen, die ich bis jetzt geschrieben, im Stil, in der Fassung, in der Philosophie und in den Ansichten sowie auch in der Mannigfaltigkeit des Stoffes ganz verschieden sind, so glauben Sie doch nicht, daß ich, müde des Schreibens, jemand zu meinem Vertrauten gemacht und ihn betraut habe, meine Memoiren fortzusetzen. Ich müßte dann außer Ihnen noch einen Menschen kennen, dem ich mich ebenso rückhaltlos anvertrauen dürfte wie Ihnen. Dies ist aber nicht der Fall. Man muß nur die Menschen so genau kennen, um ihnen alles, was man denkt, was man gedacht und gefühlt, vertrauen zu dürfen, und bis jetzt habe ich noch keinen gefunden unter denen, welchen ich mich körperlich ganz hingegeben, am allerwenigsten. Die Verschiedenheit und der ganze Wechsel rührt lediglich daher, daß meine Anschauungsweise in der Aufzeichnung meiner Erlebnisse diesen selbst angepaßt ist, weil ich mich hineindenke in die Lagen, in denen ich mich jedesmal befand, und vielleicht ist es eben kein Fehler, wenn ich auch meine Schreibart diesen verschiedenartigen Situationen anpasse.

Ich erinnere mich, in einem Prolog Goethes zu sei nem Drama »Faust« den Satz gelesen zu haben, den ich als Axiom betrachte: »So schnell wie der Übergang vom Guten zum Bösen.« Sie werden es also nicht für unerklärlich halten, wenn sich auch meine Anschauungsweise über den Genuß verändert hat, um so mehr müssen Sie dies natürlich finden, weil seit jenem Tage, an welchem ich meinen letzten Brief geschrieben, 15 Monate verstrichen sind.

Doch ich will Sie nicht mit einer langen Vorrede zu dem zweiten Teile meiner Enthüllungen langweilen, ich weiß es von mir selbst, daß die Vorreden nicht unterhaltend sind, und daß ich sie am meisten zu überschlagen pflege. Demnach gehe ich über zu Tatsachen, wie die Engländer sagen: »stick to facts«.

In meinem letzten Briefe habe ich erwähnt, daß ich ein Engagement in Frankfurt angenommen, welches mir unter den beiden Anträgen, die mir gemacht wurden, das vorteilhaftere schien. Zum Glück ließ ich mich auf keine längere Zeit als zwei Jahre bürden, und ich halte diese in meinem Leben für verloren und zwar in jeder Beziehung.

Obschon zu jener Zeit, als ich nach Frankfurt kam, von jener Wagnermanie, welche jetzt in Deutschland grassiert, keine Rede sein konnte, denn damals war Richard Wagner eine unbekannte Größe in der Musikwelt, so hatten wir doch im Repertoire unschmackvolle Sachen genug. Der Kampf zwischen der italienischen und deutschen Musik hatte bereits begonnen, und die letztere fing hier am ehesten an das Übergewicht zu erhalten.

Eine Sängerin mag ihre Heimat noch so sehr lieben, an der Sprache, an den Sitten und an den Erinnerungen ihrer Kindheit noch so sehr hängen, sie hat doch nur ein wirkliches Vaterland und das ist die Musik. Die italienische hat mich immer mehr angesprochen als jede andere, weil ich sie den Empfindungen unserer Seele mehr angepaßt, die Gefühle unseres Herzens deutlicher ausdrückend und leidenschaftlicher, schmelzender, süßer fand als unsere gelehrte deutsche und der leichte Tand der französischen, welche mir immer vorkam, als müßte man dabei eine Quadrille tanzen. Die italienischen Opernkomponisten bieten auch den Sängern mehr Gelegenheit, sich auszuzeichnen, denn sie schreiben für uns, während die Deutschen alles Gewicht auf Instrumentalmusik legen; wir müssen uns dabei nur dem Orchester als Opfer bringen und abplagen.

Doch auch abgesehen von den Nachteilen, die ich als Sängerin erfahren, war für mich Frankfurt der widerwärtigste Ort, den ich mit einer Diogeneslaterne nur finden konnte, eine Stadt, wo die Geldaristokratie und das Judentum den Ton angeben, wo man von der Kunst wenig versteht, wo die Leute Logen nehmen, um damit zu paradieren, wo jeder dritte Satz ein »wie heißt« ist, wo die Menschen nach dem Gewichte ihres Geldes gewogen werden. Wie soll da die Kunst blühen? Selbst die sengendste Leidenschaft erkaltet hier, der Liebesgenuß ist hier nichts als natürliches Bedürfnis, eine »Kühlung für die Hitze der Leber«, wie Shakespeare sagt. –

Es mangelte mir nicht an Courmachern, namentlich aus der Nation, deren Vorfahren das rote Meer passiert hatten. Sie nahten mir mit Achtung, während ich nach Genuß lechzte. Es gab unter der großen Schar von Anbetern keinen einzigen, den ich für würdig hielt, daß ich ihm meine Liebe schenkte und den Schatz, den ich beständig an mir trug, preisgeben wollte. Unter meinen Kollegen gab es zwar ein paar hübsche und galante Männer, doch habe ich es mir zur Maxime gemacht, wen immer eher zu wählen, als einen Mitschauspieler, Sänger oder Musiker. Diese Leute sind gar zu indiskret, man riskiert seinen Ruf, mithin auch seine Stellung zu sehr, und ich habe stets darauf ein großes Gewicht gelegt, den Nimbus der Tugendhaftigkeit zu bewahren.

Hätte ich wenigstens ein Mädchen oder eine Frau gefunden, der ich mich geistig und körperlich mitteilen durfte, wie es Marguerite gewesen, ich würde keine Mühe gescheut haben, sie in die süßen Mysterien des Genusses einzuweihen, diese Personen waren aber teils unnahbar spröde Geschöpfe, oder zu wenig hübsch, einige aber hatten eine so ausgedehnte Praxis, daß sie ganz verbuhlt aussahen und mir Ekel einflößten, so daß ich lediglich auf mich selber beschränkt blieb.

»Wie wenn ich die zwei Jahre meines Hierverweilens dazu benützen wollte, um mich für einen reichhaltigeren Genuß in der Zukunft zu stärken«, dachte ich mir. »Wäre ich imstande dies auszuführen? Würde die Wollust der späteren Jahre ein Ersatz für meine Kasteiung sein? Wir wollen es versuchen.« Man sagt, der menschliche Wille sei das stärkste, was es gibt. Ich unterwarf mich dieser Selbstprüfung.

In den ersten vierzehn Tagen kostete es mich eine, beinahe möchte ich sagen, übermenschliche Selbstbeherrschung, um meine Finger nicht an eine gewisse Stelle meines Körpers zu legen, später ward mir dies leichter, und wenn mich wollüstige Träume oder die Hitze meines Blutes in schwachem Zustand zu stacheln begannen, sprang ich aus dem Bette und nahm schnell ein Sitzbad vom kältesten Wasser, daß ich die Zähne aneinander schlug, oder ich nahm ein Zeitungsblatt zur Hand und las einige Artikel über Politik. Nichts kühlt so sehr ab als politische Lektüre.

Im zweiten Monat meiner mir selber auferlegten Kasteiung waren die Anfechtungen weniger häufig, und wenn sie auch manchmal mich überraschten, so waren sie nicht so hartnäckig und anhaltend. Ich glaube, ich hätte dem Liebesgenusse ganz entsagen können, wenn ich es durchaus tun wollte. Dies ist aber ein Wahnsinn, ich sehe nicht ein, weshalb ich es tun sollte. Man kann enthaltsam sein, um nachher eine größere Wollust zu fühlen, weil dann die Enthaltsamkeit ein Mittel zur Steigerung des Genusses wird. Gerade so, wenn man auf einen Ball gehen will und sich nicht durch Spaziergänge oder eine andere körperliche Anstrengung ermüdet; wenn man zu einem köstlichen Diner eingeladen wird, so wird man auch nicht auf den Gedanken geraten, vor dem Mittagessen sich den Magen zu überladen. Ebenso ist es mit den Genüssen der Liebe.

Dennoch weiß ich nicht, ob ich es zwei Jahre hätte aushalten können, und ich danke es nur dem Zufalle, daß ich diese schwere Probezeit durchzumachen im Stande war.

Ich sehe Sie, wie Sie lächeln und ungläubig Ihren Kopf schütteln. Dennoch versichere ich, daß das, was ich Ihnen jetzt schreibe, die lauterste Wahrheit ist.

Eine meiner Kolleginnen, Madame Denise A ..., eine geborene Französin, doch der deutschen Sprache vollkommen mächtig, war unter den übrigen Sängerinnen die einzige, mit welcher man rückhaltlos über alles sprechen durfte, ohne eine Indiskretion ihrerseits zu riskieren oder von ihrer Prüderie zurückgestoßen zu werden. Sie hatte schon alles durchgemacht, kannte den Genuß bis zur höchsten Potenzierung und war bereits in jenes Stadium getreten, in welchem die Blasiertheit für den geschlechtlichen Kitzel eintritt. Sie war noch nicht so alt und auch nicht häßlich, daß sie nicht Männer gefunden hätte, um ihr einen Liebesdienst zu erweisen, sie kokettierte zuweilen mit diesem oder jenem, es geschah aber nur, um sie zu plündern, wie es die Marmordamen in Paris zu tun pflegen.

Es gab unter denen, die ihr bizarrer Geschmack zu Denise hinzog, einige, die meine Vermittlung bei ihr erflehten, und ich war gutherzig genug, das Plädoyer für sie bei Denise auf mich zu nehmen. Dies führte zu Erörterungen und Erklärungen.

»In mir ist jede Lust nach Genuß ausgestorben, nicht infolge einer frühzeitigen Übersättigung, sondern aus Ekel und Abscheu«, sagte sie. »Wenn man hört oder liest, wie weit einen diese Gattung von Genuß bringen kann, dann vergeht einem jede Lust dazu. Man kommt aus frischem in laues, dann in abbrühendes Wasser, dann in Pfützen, zuletzt in stinkende Kloaken mit ekelhaftem Gewürm gefüllt. Sie würden dies erfahren, wenn Sie sich auf diese Bahn wagten. Ich war verheiratet, mein Gatte war der größte Wüstling, den es nur geben konnte, seine Ausschweifungen haben ihn frühzeitig getötet. Es war eine gräßliche Krankheit, an welcher er gestorben; was sage ich, eine Krankheit! Es waren mehrere Übel, die ihn bei lebendigem Leibe zersetzten, er starb an der Rückenmarkschwindsucht, war nebenbei syphilitisch, sein ganzer Leib glich einer riesigen Krätze, und er verlor auch sein Augenlicht. Alles dies, ehe er sein 33. Lebensjahr erreicht. Ich betete ihn an und war verzweifelt über seinen Verlust. Alle die genannten Krankheiten rafften ihn galoppierend hinweg. Innerhalb sechs Monaten war er anscheinend so gesund, daß er täglich nach dem Boulogner Gehölz ritt, und dann so hinfällig, daß er sich nicht bewegen konnte. Ich und eine Freundin mußten ihn futtern wie einen Säugling. Wissen Sie, wem er dieses schreckliche Ende zu verdanken hatte? Einem verruchten Menschen, der sich sein Freund nannte, und der ihm das imfamste Buch, welches jemals geschrieben worden, zum Lesen gab: des Marquis de Sade ›Justine und Juliette oder die Gefahren der Tugend und die Wonnen des Lasters‹. Der Verfasser, heißt es, soll infolge seiner Ausschweifungen wahnsinnig geworden und im Irrenhause gestorben sein. Monsieur Duvalin, der Freund meines Mannes, derselbe, der ihm jenes fluchwürdige Buch zum Lesen gegeben, behauptete zwar, Sade sei nicht wahnsinnig geworden, sondern, um noch mehr genießen zu können, unter die Jesuiten gegangen, in ein Kloster in der Nähe von Paris, in Noisy de Sec. Als ich Duvalin mit Vorwürfen überhäufte, ihn den Mörder meines Gatten nannte, zuckte er die Achseln und sagte, es sei nicht seine Absicht gewesen, meinen Mann zu Grunde zu richten, sondern ihn von seinem Hange zu Ausschweifungen zu heilen; daß sein Mittel fehlgeschlagen, dafür könne er nicht. ›Was wollen Sie, Madame‹, schloß er, ›auch ich wurde vom Teufel des Fleisches geplagt, mich hat das Lesen dieses Buches, welches Ihren Gatten nur noch tiefer hineinriß, geheilt von allen unnatürlichen Gelüsten. Ich sage nicht, daß ich ein Asket geworden, doch gehöre ich nicht zu den unflätigen Schweinen Epikurs, die aus den geschlechtlichen Genüssen eine Kloake machen. Mich hat der Ekel ernüchtert, ihn hat er angezogen. Wer kann dafür!‹ In meiner Verzweiflung über den Tod meines Mannes wollte ich mich töten und zwar in raffiniertester Weise. Ich war eine Phantastin. Mein Gatte hatte während unseres ehelichen Beisammenseins jede Gattung tierischer Genüsse, die man mit einer einzelnen Frau durchmachen kann, erschöpft. Als ich das Buch des Marquis de Sade, welches mit hundert Kupferstichen illustriert ist, zum ersten Male in meine Hände nahm, erkannte ich, daß er vieles davon mit mir durchgemacht hatte. Ich ward zu einer Bacchantin in meinen Gedanken und wollte alles dies ebenfalls versuchen, mich Exzessen hingeben, die in dem Buche enthalten waren, um mich ebenso zu töten, wie es mein Mann getan. Die Hinduweiber besteigen nach dem Tode ihres Gatten den Scheiterhaufen, um sich lebendig zu verbrennen.

Meine Liebe für meinen Mann war unbegrenzt und die Todesart, die ich mir wählte, sollte die seinige sein, folglich eine viel qualvollere, als Selbstverbrennung. Ich wollte die tierische Wollust in der Theorie durchstudieren, um sie dann in der Praxis auszuüben. Mein Mann hatte mir einige Bücher ähnlichen Inhalts, namentlich die ›Memoiren einer Engländerin Fanny Hill‹, die ›petites fredaines‹, die Geschichte ›Dom Bougres‹, das ›Cabinet d’Amour et de Venus‹, ›les bijoux indiscrets‹, die ›Pucelle‹ von Voltaire, die ›Abenteuer einer Couchoise‹ teils vorgelesen, teils zum Lesen gegeben.

Er wollte sich und mich dadurch zum Genuß stimmen. Er verfehlte seinen Zweck nicht und fand mich zu allen Cochonnierien, die wir miteinander begingen, geneigt, allein das Buch Sades hielt er zurück, weil er es für mich zu gefährlich hielt; ich fand es erst nach seinem Tode sorgfältig versteckt in einem Schranke, welcher einen doppelten Boden hatte. Ich machte mich daran, das Buch zu lesen. Meine Ungeduld trieb mich, die Bedeutung der Illustrationen zu kennen, und ich schlug es am allerehesten dort auf, wo sich die scheußlichsten Szenen befanden, z.B. die Folterungen der Frauen, die Szene im Tierzwinger, das Abenteuer auf dem Ätna, die Geißelungen, die Orgien, die Knabenschändungen, die Szenen in Rom, den Auftritt, wo der Marquis im Panterfell erscheint zwischen drei nackten Weibern und zwei Kindern, von welch letzteren er bereits eines zu Tode gebissen, endlich auch die Beschreibung der Orgie mit den beiden geköpften Weibern, die Bestialitäten usw.

Jetzt fing ich erst an, Duvalin zu begreifen. Dieses Buch hatte zweierlei Wirkungen, je nach dem Naturell des Lesers oder der Leserin, je nach der Empfänglichkeit und Auffassungsgabe derselben. So wie es Duvalin halb blasiert gemacht hatte, so fühlte ich einen solchen Ekel vor diesen Abscheulichkeiten, die zu lesen mich viel Überwindung kostete, daß ich, ehe ich dahin kommen konnte, auch nur etwas davon, was ich in diesem Buche fand, in der Praxis auszuüben, schon abgestumpft war. Ich konnte mich berühren, soviel ich wollte, ich zog meine Finger zurück, ich fand dieses Gefühl schal und leer. Der Stachel war durch den Überreiz abgebrochen in mir, und niemals wiederum fiel ich zurück. Ich war radikal geheilt von allen wollüstigen Trieben, die im menschlichen Körper stecken. Ich fing an zu begreifen, wie es männlichen Kastraten zu Mute sein muß.«

Denise sprach noch viel über dieses Thema und ich verstellte mich vor ihr so gut, daß sie mich in der Praxis für sehr unerfahren hielt. Sie mochte wohl ahnen, daß ich den gewissen eigenhändigen Genuß, jenen mittels der Godemiches und selbst mit Personen meines eigenen Geschlechts kannte, doch nicht den in seinen Folgen gefährlichsten, den mit Männern. Das Verstellen ist, glaube ich, uns Frauen ebenso angeboren, wie den Männern das Prahlen mit ihrem Mut. Sie fragte mich, ob ich noch keines jener Bücher gelesen, die sie erwähnt. Auf meine verneinende Antwort schlug sie mir vor, ich sollte es gleich mit Sades Justine und Juliette versuchen.

»Einige Ärzte behaupten«, sagte sie, »der Kampher besitze die Eigenschaft, den geschlechtlichen Kitzel bei vielen Frauen zu ertöten. Ich weiß nicht, ob dies wahr ist, doch daß das Buch Sades bei mir auf mehrere Monate jeden Gedanken, jede Sehnsucht zu geschlechtlichen Ausschweifungen erstickte, ist gewiß. Welch eine Phantasie! Und ist es möglich, daß solche Dinge geschehen können? Die Männer darin sind Tiger und Hyänen, die Weiber Boas und Alligatoren. Das wenigste darin sind natürliche geschlechtliche Genüsse, meist sind es Weiber mit Weibern. Männer mit Knaben und mit Tieren. Es ist grauenhaft! Ich dachte darüber nach, ob der Mensch sich wirklich mit der gewöhnlichen Wollust der Begattung so sättigen könne, daß diese zuletzt für ihn gar keinen Reiz mehr hat, daß er anstatt weiße Leiber geschundene, verbrannte, zerfleischte Körper zu sehen wünscht. Ich er schrak über den Mann, der dies geschrieben hatte. Ob er wohl auch alles mitgemacht, oder ob ihn seine ausschweifende Phantasie verführt hatte, solche Dinge aufs Papier zu bringen? An einer Stelle erzählt er, daß dies unter den Kavalieren der damaligen Zeit gang und gebe gewesen, und daß im Hirschparke ähnliche Szenen ausgeführt worden seien.

Er spricht von der Wollust, Menschen sterben zu sehen, spricht, daß auch die berüchtigte Marquise von Brinvilliers einige ihrer Opfer nackt entkleidete und sich an den Todeszuckungen in den Gesichtern und den Körpern der Unglücklichen weidete.«

Während der ganzen Zeit, während welcher ich dieses Buch las, was mehrere Monate währte, dachte ich kein einziges Mal daran, das zu tun, was ich allein, mit Marguerite und mit Rudolphine getan. Zehn Bände, jeden zu mehr als 300 Seiten, durchzulesen, dazu braucht man Zeit, und zwar um so mehr, da ich nicht ausschließlich dieser Lektüre nachhängen konnte, denn ich mußte neue Partien einstudieren, die Theaterdirektion schonte mich auch nicht, alle Tage gab es entweder Theaterproben oder Vorstellungen, ferner empfing ich viele Besuche, teils von meinen Kollegen und Kolleginnen, teils von Freunden, ich erhielt Einladungen zu Soireen, Bällen, Landpartien usw. Endlich aber war ich damals noch nicht fest in der französischen Sprache, um alles genau zu verstehen, was Sade schrieb, und manche Stelle erriet ich nur, da es viele Wörter gab, die man in keinem Wörterbuch findet.

So geschah es denn, daß ich zwei Jahre so keusch lebte, wie die heilige Magdalena, die in ihrer Jugend ein ziemlich stürmisches und bewegtes Leben geführt.

Im zweiten Jahre meines Theaterengagements zu Frankfurt erhielt ich wiederholt Zuschriften aus verschiedenen Städten Deutschlands, Österreichs und Ungarns. Mir fiel die Wahl schwer, bis endlich Herr R. ..., zu jener Zeit Theater-Intendant der ungarischen Oper, selber nach Frankfurt kam und mir die bisher schriftlich gemachten Anträge mündlich wiederholte.

Zwei Herren begleiteten ihn hierbei, der eine, ein reicher ungarischer Kavalier, Baron Felix von O ..., selber ein Musikdilettant, ein sehr liebenswürdiger Mensch, sehr schön und nebenbei auch sehr reich. Er machte mir bei seinem letzten Besuche schon den Hof und solche Anträge, die mir ein viel reicheres Einkommen in Aussicht stellten, als jenes, welches ich von der Theater-Intendantur erhalten sollte. Mir widerstrebte aber der Gedanke, meine Gunstbezeugungen für schnöden Mammon zu verkaufen. Ich würde mich dadurch in meinen eigenen Augen sehr tief gestellt haben, und ich wies alle seine Anträge von mir.

Der andere Herr, welcher den Intendanten begleitete, war dessen Neffe, ein Jüngling von kaum mehr als 18 Jahren, ein so schönes Bürschchen, wie mir bis dahin noch keines vorgekommen, dabei schüchtern und verschämt, wie eine ländliche Unschuld. Er wagte es kaum, seine Augen zu mir aufzuschlagen. Und wenn ich ihn anredete, wurde er feuerrot. Der Baron O ... sagte über ihn viel Schönes, daß er ein Genie sei, der noch einst eine große Rolle in seinem Vaterlande zu spielen berufen sei. Eines solchen Jünglings Erstlinge der Liebe zu erhalten, war wohl der Mühe wert. Wenn es jemals einen jungen Mann gab, der weder in der Theorie noch viel weniger in der Praxis die süßen Geheimnisse Cytherens kannte, so war es der junge Arpad von H ..., der Sohn einer Schwester des ungarischen Theaterintendanten.

Die Herren Ungarn hielten sich nur 2 Tage in Frankfurt auf, sie reisten nach London und Paris, um hier einige Partituren zu erwerben, von solchen Opern, die dort am meisten beliebt waren.

Herr von R ... drängte mich sehr zur Entscheidung, der Baron von O ... verband seine Bitten mit jenen des Theaterintendanten, und selbst in den Augen Arpads las ich den Wunsch, ich möchte nachgeben. Dieser Blick entschied, und ich gab meine Zustimmung. Der Intendant holte sofort einen geschriebenen Kontrakt in zwei Exemplaren aus seiner Brusttasche hervor, las mir das Ganze vor, wir hielten die beiden Schriften zusammen, und ich unterzeichnete sie.

In diesem Dokumente war bestimmt, daß ich mein Engagement sofort, nachdem mein Kontrakt mit der Frankfurter Theater-Direktion zu Ende wäre und ich noch sechs Gastspiele in Wien gehabt hatte, antreten sollte. Dies war gerade in einer etwas ungünstigen Zeit, in der sogenannten toten Saison.

Damals aber herrschte in Ungarn noch das sogenannte Provisorium, es wurden noch keine Reichstage gehalten, wiewohl man schon davon sprach, daß einer im nächstfolgenden Jahre einberufen werden sollte.

Die österreichische Regierung fing an einzusehen, daß das System der Knechtung in einem Lande wie Ungarn doch zu nichts führte, und hielt es für zweckmäßiger, nachzugeben.

Oh, mein Gott, ich glaube gar, ich ließ mich hinreißen, auch über Politik zu sprechen, von welcher ich niemals etwas verstanden.

Im Juli verließ ich Frankfurt. Ehe ich hierher gekommen war, hatte ich mich noch in Wien bei Angerer photographieren lassen. Ich sah dem Porträt durchaus nicht mehr gleich. Meine Gesichtszüge waren ausgebildeter, nicht eine Spur eines solchen Backfischleinausdrucks, wie ich noch besaß, als ich nach Frankfurt gekommen, war an mir mehr wahrzunehmen. Man hatte mich überhaupt nicht für so alt gehalten, wie ich war, und mehrere Ärzte und auch andere männliche und weibliche Bekannte meinten, ich sei körperlich zu wenig entfaltet für mein Alter. Ich erinnere mich noch meiner Mutter, wie sie ausgesehen, als ich sie am Geburtstage Papas nackt im Bette liegen sah. Welch ein Unterschied zwischen ihr und mir, selbst als ich schon in Wien war. Meine Schenkel waren nicht so stark und fleischig wie ihre Arme, dort konnte man nirgends unter dem Fleische die Anwesenheit eines Knochens auch nur ahnen, während bei mir die Schultern, die Schlüsselbeine, die Rippen und die Hüften ganz deutlich und scharf hervortraten. Während der letzten zwei Jahre aber, seitdem ich das Leben einer Vestalin lebte, hatte ich sehr zugenommen, es war beinahe auffallend. Meine Schenkel und die beiden Venussphären, auf die wir Frauen soviel halten, daß wir stets nur darauf bedacht sind, die Welt zu täuschen, indem wir zu unsern Kleidern einen Zusatz geben, waren bereits so rund, so fest und doch dabei so elastisch, daß ich nicht müde ward, mich in meiner Doppelpsyche zu betrachten, und hätte ich ein so elastisches Rückgrat gehabt, wie die gewissen Akrobaten, die man Kautschukmänner nennt, ich würde mich wie eine Schlange zusammengeringelt haben, um diese schönen Kugeln zu küssen.

Die Beschreibungen der Geißelungen in Sades Buch brachten mich zuweilen auf den Gedanken, es zu versuchen, welche Wollust dabei sein könne, wenn man sich mit Ruten den Hintern zerhaute. Ich hatte einmal eine dünne Rute aus Weidenzweigen gebunden, entkleidete mich und stand so vor dem Spiegel, um zu versuchen, doch schon der erste Streich verursachte mir einen schneidenden Schmerz, so daß ich es aufgab. Ich kannte damals diese Art Wollust nicht, wußte nicht, daß man mit schwachen Hieben beginnen müsse, wie die Badewärterinnen in den Dampfbädern; erst im höchsten Momente des Genusses wendet man alle Kraft des Armes an. Es vergingen Jahre, ehe ich diese Wollust kennenlernte und finden sollte, daß sie den Genuß wirklich erhöht. Es war übrigens ganz gut, daß mich damals der Schmerz abhielt, die Exekution an mir selbst fortzusetzen, ich würde trotz des löblichen Vorsatzes der Enthaltsamkeit wiederum darauf gekommen sein, die geschlechtliche Befriedigung durch das schale Fingerspiel an meiner Wollustgrotte zu ersetzen.

Auch wenn ich, was alle Woche einmal, im Sommer sogar drei- bis viermal geschah, ein Bad nahm, war ich noch den Versuchungen des Fleisches ausgesetzt, und Sie werden es vielleicht nicht glauben, obwohl es so ist, es war die Lektüre, die mir Denise anempfohlen, die mich abkühlte.

Als ich wiederum nach Wien kam, waren meine Bekannten sehr erstaunt über die Veränderung in meinem Äußeren. Ich hatte hier mit meiner Mutter ein Stelldichein verabredet, und sie war Zeugin der Triumphe, die ich hier auf der Bühne feierte. Gleich bei unserem ersten Zusammentreffen, als mich meine Mutter erblickte und in ihre Arme schloß, war ihr erster Ausruf: »Ach, mein süßes Kind, wie schön Du geworden bist, wie gesund und frisch Du aussiehst.«

Ich traf einmal mit Rudolphine bei Dommaier in Hitzing zusammen. Sie fixierte mich ein paar Sekunden, ehe sie auf mich zukam und sagte, sie habe mich nicht gleich erkannt. Auch sie hatte sich verändert, doch nicht zu ihrem Vorteil, sie war gezwungen, die natürlichen Rosen ihrer Wangen durch Schminke zu ersetzen, es gelang ihr aber nicht, die bläulichen Ringe, die ihre Augen einfaßten, zu vertilgen, diese waren nur zu auffallend.

»Solltest Du, seit Du Wien verlassen, den Genüssen der Liebe entsagt haben?« fragte sie mich. »Das ist unmöglich, wer einmal diese Ambrosia genossen, der kann sie niemals wieder entbehren. Es gibt aber Menschen von unverwüstlicher Gesundheit, die der Liebesgenuß kräftigt, anstatt sie zu schwächen, und Du gehörst wahrscheinlich zu diesen.«

Ich versicherte ihr vergebens, daß ich während der zwei Jahre meiner Abwesenheit ein keusches Leben geführt und mich dabei um so wohler befunden.

Sie wollte mir nicht glauben, sie fand das so absurd.

»Wen hätte ich in Frankfurt finden können?« sagte ich. »Die Geldprotzen? Ach, die sind wahre Antipoden gegen die Liebe, sie verstehen von Galanterie nichts, und mich einem Manne hingeben, der nicht auch ein wenig mein Herz füllt, das halte ich für unwürdig meines Geschlechts. Ich kenne nichts Abscheulicheres, als eine Messaline, die nur tierische Wollust sucht.«

Rudolphine errötete unter der Schminke, sie mochte sich vielleicht getroffen gefühlt haben; wenn dies der Fall war, so geschah es meinerseits nicht absichtlich.

Wir unterhielten uns nicht lange miteinander.

Ich erblickte zwei Kavaliere, die uns sehr lorgnettierten, und der eine grüßte meine ehemalige Freundin; worauf ich mich verlor und einer anderen Dame zueilte, die die Allee heraufkam.

Während meines vierzehntägigen Aufenthalts in Wien erfuhr ich, daß Rudolphine bereits im Rufe stand, eine der ausschweifendsten Frauen zu sein. Sie zählte ihre Geliebten zu Dutzenden. Auch die beiden Herren, die ich in Hitzing gesehen, gehörten zu ihren Geliebten; es waren zwei Kavaliere, bei der brasilianischen Gesandtschaft attachiert, die größten Roués in Wien. Einen derselben stellte mir Rudolphine sogar vor, den Grafen von A ... Sie war jetzt nicht mehr eifersüchtig, im Gegenteil, sie trat ihre Geliebten an jede ihrer Bekannten ab. Wie sie mir selber er zählte, machte es ihr beinahe ebenso großes Vergnügen, den Sinnesgenuß anderer zu sehen, als selber zu genießen. Sie erinnerte mich an die in Sades Justine beschriebenen Szenen, in welchen ähnliches geschah.

Höflichkeitshalber mußte ich Rudolphine eine Gegenvisite machen. Ich fand sie ganz allein, es war bei Tage, nachmittags um halb vier Uhr. Sie zeigte mir eine Menge Photographien, die sie erst kürzlich aus Paris erhalten.
Es waren nur erotische Szenen, nackte Weiber und Männer. Die interessantesten darunter waren diejenigen, die Alfred de Musset über Madame Du-devand unter seinen Freunden zirkulieren ließ.

Es waren 6 Blatt Obscönitäten, die Sand meistens mit andern Frauen und unmündigen Mädchen, die die berühmte Schriftstellerin in die Geheimnisse des paphischen Dienstes eingeweiht; auf einem dieser Bilder begeht sie auch Unzucht mit einem riesigen Gorilla, auf einem anderen mit einem Neufundländer Hund, auf einem dritten mit einem Hengste, den zwei nackte Mädchen an der Leine halten, sie selbst ist kniend abgebildet, man erblickt also die Hinterbacken in ihrer ganzen Pracht und darunter die Wollustgrotte, die aber sehr ausgedehnt sein muß, da der Hengst seinen furchtbaren Speer ohne Mühe in dieselbe stößt. Ich kann es kaum glauben, daß eine Frau dies auszuhalten im Stande ist; es müßten die Schmerzen bei weitem die Wollust überwiegen.

Rudolphine hat mir die Veranlassung und Geschichte dieser Bilder erzählt.

Sie werden sie vielleicht nicht kennen, und ich halte sie für interessant genug, um sie Ihnen mitzuteilen:

George Sand lebte viele Jahre hindurch in einem intimen Verhältnis mit Alfred de Musset; sie bereisten miteinander Italien und kamen so nach Rom, hier gab es zwischen ihnen einen fürchterlichen Zank, welchem ein totaler Bruch folgte. Musset war anfangs sehr diskret und schonte seine Geliebte, nicht so die Dame. Als man sie um die Ursache des Bruches fragte, sprengte sie aus, sie habe den Dichter seiner Schwäche halber in den Liebestournieren verabschiedet, da er gänzlich impotent geworden.

Das Gerücht kam Musset zu Ohren, er mußte sich in seiner Eitelkeit gekränkt fühlen, da so etwas ihn bei allen Frauen, denen er den Hof machte, in einen schlimmen Ruf bringen mußte, und er nahm sich vor, sich an Madame Dudevant zu rächen. Diese Bilder, zu welchen er einen passenden, ebenso skandalösen Text in Versen schrieb und die durch Photographien vervielfältigt wurden, da es doch schwer gewesen wäre, einen Drucker zu finden, der sie herausgegeben hätte, waren die Rache, die er an ihr übte. –

Es freute mich, daß zwischen mir und Rudolphine eine Aussöhnung stattfand, andererseits genierten mich ihre Besuche, da sie wirklich schon sehr verrufen war.

Ich konnte es kaum erwarten, daß meine Gastspiele zu Ende waren, dann aber blieb ich keinen Tag länger in Wien, sondern reiste sofort nach Pest.

Hier kam ich eben zurecht zum großen Jahrmarkt, der einzigen Zeit während der toten Saison, in welcher es hier etwas lebhafter aussieht; der Jahrmarkt währt hier etwas über 10 Tage, man nennt ihn den Johannes-Enthauptungs- oder den Melonenmarkt, weil zu dieser Zeit sehr viel von diesem schmackhaften, erfrischenden Obste hierher gebracht wird.

Ich hatte mir schon in Frankfurt ein deutsch-ungarisches Wörterbuch und eine Sprachlehre gekauft.

Als ich in Pest anlangte, sandte ich Herrn von R ... sogleich meine Karte zu, und er war höflich genug, mich sofort zu besuchen; er brachte auch seinen Neffen Arpad mit sich. Des Jünglings Augen strahlten vor Freude, als er mich wiederum erblickte.

Ich erstaunte nicht wenig darüber, als ich beide Herren in ungarischer Galauniform bei mir eintreten sah, später erfuhr ich, daß dies jetzt plötzlich Mode in Ungarn geworden sei, und daß man jetzt allgemein ungarische Kleider trage.

Herr von R ... sagte, daß ich mir ebenfalls einige Kleider von ungarischem Schnitt anschaffen müßte, weil der Fanatismus hier soweit ginge, dies von Männern und Frauen zu fordern, daß mehrere Personen, die sich dieser Bewegung widersetzten und dieser Mode nicht huldigten, von der Pester Jugend insultiert worden seien. Von mir, als einem Mitgliede des Nationaltheaters, forderte man dies noch mehr als von irgendeiner anderen Dame. Ich fand das aber sehr tyrannisch, es stand auch in meinem Kontrakte mit der Theaterintendantur kein Wort davon, doch da dieses Kostüm zugleich hübsch war, bequemte ich mich dazu, es zu tragen; ich fand auch, daß es mir sehr gut stand, und ich darin viel besser aussah, als in den Kleidern, die ich bis dahin getragen, obschon es sehr auffallend ist. Ich ließ mir mehrere Anzüge verfertigen und trug sie mit viel Vorliebe.

Herr von R ... fragte mich, ob ich mit italienischem oder deutschem Texte meine Partien singen würde. Ich sah es ihm am Gesichte an, daß er gern noch eine Frage getan hätte, und ich wußte auch, welche es sein könnte, daher antwortete ich, daß ich trachten werde, wenigstens soviel ungarisch zu lernen, um meine Partien in dieser Sprache zu singen. Da es wenig Opern gibt, in welchen auch gesprochen wird, und die wenigsten Zuhörer auch nur ein Wort verstehen, so glaubte ich, daß dies nicht gar so schwer sein würde. Übrigens, setzte ich hinzu, würde ich mir einen Sprachlehrer halten.

Herr von R ... empfahl mir eine Dame vom Theater, die nebenbei auch gut genug deutsch spräche, um mir Unterricht zu geben, und ich sagte, ich wollte sehen.

In Ungarn ist es Sitte, die Besuchenden in jeder Stunde des Tages zu bewirten, wie hier überhaupt das Essen im Leben eine Hauptrolle spielt.

Die Ungarn sind sehr große Sybariten.

Auch ich lud die beiden Herren zu einer Nachmittagskollation ein, Herr von R ... entschuldigte sich mit Überhäufung an Geschäften und stand auf. »Wenn Du Lust hast zu bleiben«, sprach er zu seinem Neffen, »so gestatte ich Dir, von der gütigen Einladung des Fräuleins Gebrauch zu machen. Du kannst sie dann in der Stadt herumführen und ihr als Cicerone dienen. Sie besuchen doch auch unser Theater, mein Fräulein?« fuhr er zu mir gewendet fort. »Es wird Sie zwar nicht sehr unterhalten, weil es ein Trauerspiel ist und Sie davon nichts verstehen können. Benützen Sie Ihre Zeit nach Ihrer Lust. Morgen wollen wir dann das weitere besprechen.«

Ich war froh, mit Arpad allein sein zu können; ich hatte mir vorgenommen, seine Lehrmeisterin in der Liebe zu sein und ihn gleich von vornherein daran zu gewöhnen, daß er sich allein meinen Launen füge.

Online ansehen : Memoiren einer Sängerin 10



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